+
Stadtverordneter Jens Völker träumt bereits von Bäumen.

Umwelt

Wenn der Baum zum Albtraum wird: In Bad Vilbel soll gepflanzt werden

  • schließen

Noch sind sie nicht einmal wieder grün, doch beschäftigen Bäume derzeit das politische Bad Vilbel wie kaum ein anderes Thema. An den vielen Fällungen dieser Tage regt sich laute Kritik – wenngleich es eine recht simple Erklärung dafür gibt. Einen der Stadtpolitiker beschert die aufgeheizte Debatte jetzt sogar schon Albträume.

Drei Stümpfe stehen noch auf dem schmalen, intensiv hundekotgedüngten Mini-Grünstreifen zwischen Gehweg und Fahrbahn der oberen Rechthienstraße. Die Bäume hier am Niederberg waren vor zwei Jahren gefällt worden. Sogar per Unterschriftenaktion forderten die Anwohner, die Veränderung im Straßenbild rückgängig zu machen und Grün nachzupflanzen.

Genau das haben auch fünf Ortsbeiratsmitglieder von Grünen, SPD und CDU aus Bad Vilbels Kernstadt nun beantragt und die Forderung so auch ins Stadtparlament bugsiert: Die Stadtregierung solle "acht Kleinbäume" nachpflanzen für 14 000 Euro.

Ich kann das Thema Bäume nicht mehr hören!

Als das Thema im Parlament in der jüngsten Sitzung zur Sprache kommt, explodiert es aus Jens Völker (CDU) heraus. "Ich kann das Thema Bäume nicht mehr hören", ruft der Vorsitzende des Umweltausschusses des Parlaments. Um das Thema Bäume ist dieser Tage tatsächlich schwer herumzukommen. Kein Wunder, ballen sich doch derzeit die Motorsägen-Einsätze. Die Ursache dafür? Recht simpel: Am 1. März beginnt die Brut- und Setzzeit. Bäume dürfen nur noch genau eine Woche lang entfernt werden.

Der Baumverlust in Bad Vilbel muss kompensiert werden

Gerade Ende Januar kochte Kritik hoch, als Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) die Fällung dreier Bäume vorm Alten Rathaus im Zuge der Erneuerung der Frankfurter Straße für den Hessentag 2020 ankündigte. Und in Dortelweil protestieren Anwohnern gegen Baumfällungen des Wasserverbandes (diese Zeitung berichtete).

Das Thema greifen die Grünen auf: "Neue Bäume braucht die Stadt", fordern sie jährlich eine Viertelmillion Euro für neue Straßenbäume. Es gebe bisher kein Geld für Nachpflanzungen und jährlich würden 1000 Bäume im Stadtgebiet gefällt, behauptet Grünen-Fraktionschef Jens Matthias. Hauptursache seien Hitze- und Trockenheitsschäden, der Klimawandel hinterlasse seine Spuren. Dieser Baumverlust müsse kompensiert und der Baumbestand "kontinuierlich mit hitzeresistenten Baumarten" ergänzt werden, fordert er.

Hessentag 2019: Chance für die Bäume

Die Zahl sei falsch, widerspricht Stadt-Sprecher Yannick Schwander. "Es ist davon auszugehen, dass durchschnittlich rund 150 Bäume im Jahr gefällt werden müssen." Demgegenüber gebe es allein einen städtischen Bestand von 16 000 Bäumen. Außerdem würden anlässlich des Hessentags innerorts 3400 weitere Bäume gepflanzt.

Hinzu kämen derzeit nahe Gronau 25 000 Bäume, erinnert Sebastian Wysocki. Diese habe die Untere Wasserbehörde gepflanzt, damit ein neuer Auwald entstehe. "Neupflanzungen außerorts helfen nicht, wenn sich die Straßen innerorts aufheizen", sieht Grünen-Stadtverordneter Clemens Breest dies kritisch. 

Er räumt zwar ein, dass "auch immer wieder einmal Bäume gefällt werden müssen". Sie müssten aber innerorts stets ersetzt werden: "Wenn nicht nachgepflanzt wird, wird das grüne Netzwerk immer kleiner", warnt der Grüne.

Nicht jeder Baum kann überall gepflanzt werden

Nicht immer sei die Nachpflanzung direkt vor Ort möglich oder sinnvoll, mahnt hingegen Stadtrat Wysocki. An der Frankfurter Straße kämen einige Bäume ja weg, "weil es der falsche Standort für sie ist", erklärt er. Oftmals drohten in engen Lagen Baumkronen an benachbarte Hauswände und -dächer zu schlagen, wenn Bäume groß würden.

"Nicht jede Baumart ist für jeden Standort geeignet", gibt auch Völker zu bedenken. "Oft ist einfach zu wenig Platz", damit sich Bäume artgerecht entfalten könnten – wie in der Rechthienstraße. CDU und FDP lehnen die Nachpflanzungen dort ab. Und die Grünen finden für ihren Baum-Antrag keine Unterstützer, selbst die SPD enthält sich lediglich.

Klimawandel soll diskutiert werden - Albträume durch Bäume

Wichtig sei das Thema dennoch, räumt Jens Völker ein. Er kündigt an, Förster Helmut Link wie auch den Leiter des Fachdienstes Park- und Gartenanlagen, Ronald Agel, in den Umweltausschuss einzuladen. Beide sollten dort über die aktuellen Probleme sprechen und besonders über die Herausforderungen durch den Klimawandel. "Um das einmal eindeutig zu klären", sagt Jens Völker. "Und um nicht ständig Baum-Anträge zu haben und ständig über Bäume zu reden."

Denn das Thema verfolge ihn längst. Und der Umweltausschusschef behauptet unter laut schallendem Gelächter vieler Stadtverordneter von Schwarz bis Grün: "Ich habe schon Albträume, in denen ich dann einen Baum überfahre."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare