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Ganz schön bunt: Die Inszenierung der Kinderoper Aschenputtel begeisterte nicht nur mit professionellem Gesang und schönen Choreografien, sondern auch mit einer kreativen Kulisse und eindrucksvollen Kostümen.

Premiere geglückt

Burgfestspiele beginnen mit Kinderoper Aschenputtel – Publikum ist trotz niedriger Temperaturen begeistert

Endlich geht es wieder los. Am vergangenen Wochenende sind die Bad Vilbeler Burgfestspiele mit der Kinderoper Aschenputtel in die Theatersaison 2019 gestartet. Zehn Eigeninszenierungen haben die Burgfestspiele in diesem Jahr im Programm. Und bereits die erste Premiere lässt große Vorfreude auf den diesjährigen Festspielsommer aufkommen.

Bad Vilbel - Die dramaturgische Leiterin der Burgfestspiele Ruth Schröfel betritt knapp 20 Minuten vor Beginn der ersten Vorstellung noch einmal das Kartenbüro. Sie spricht kurz mit den drei Mitarbeiterinnen und kann schließlich vor dem Büro kurz durchschnaufen. Gestresst ist sie nicht, sie wirkt glücklich aber sehr konzentriert.

"Heute Morgen kam ich zum Beispiel hier her und habe eine Fototafel gesucht, die nicht dort hing, wo sie hängen sollte", erzählt sie. "Ich habe dann begonnen, sie zu suchen und erst später bemerkt, dass ich am Abend vorher eine SMS bekommen hatte, in der stand, wo die Tafel ist", sagt sie und lacht. "Das sind so diese kleinen Geschichten vor einer Premiere." Mehr und mehr Eltern und Kindern bewegen sich in diesen Minuten über die Brücke in den Burghof. Warm eingepackt versteht sich, denn auf das Wetter haben die Verantwortlichen der Festspiele natürlich keinen Einfluss. "Heute Vormittag war bereits eine kleine Gruppe Besucher hier, die einen Blick hinter die Kulissen werfen durften und auch in die Schneiderei", fährt Schröfel fort. "Also irgendwie ist heute bereits alles wie immer. Und trotzdem das erste Mal", meint sie.

Viele Kleinigkeiten beschäftigen sie rund um die Premiere: "Da fehlt mal ein Schlüssel, im Theaterkeller muss die Sitzordnung angepasst werden und ich werde heute noch die Fotos von der Generalprobe für die Presse mit Bildunterschriften versehen", gibt sie einen kurzen Einblick in ihren weiteren Vormittag. "Aber das schöne ist, es ist wie ein großes Familientreffen hier. Man sieht so viele Leute wieder", freut sie sich. "Man kommt in die Burg, es riecht nach Kaffee und das Team steht bereit. Das ist schon immer sehr zauberhaft."

Nicht ausverkauft

Zauberhaft soll es vor allem aber auch auf der Bühne zugehen. Gioacchino Rossini hat die Opernfassung des Märchens Aschenputtel einst verfasst. Regisseur Benedikt Borrmann hat die kinderfreundliche Fassung für die Burgfestspiele entwickelt. Ganz voll ist es leider nicht in der Burg und doch freuen sich zahlreiche Kinder auf den Beginn der Inszenierung.

Diese wird von Katharina Sieben als Fee eröffnet. Ein Kniff, den Borrmann gewählt hat, um das Geschehen auf der Bühne für die Kinder zugänglicher zu machen, denn die Fee gibt nicht nur eine Einführung sondern hin und wieder kleinere Zusammenfassungen der Handlung. Generell ist die Inzenierung sehr geradlinig, jedes Kind sollte der Handlung so folgen können.

Die Inszenierung wechselt zwischen leichten Choreografien immer wieder zu kleinen Slapstick-Einlagen. Das Bühnenbild verwandelt sich in Sekundenschnelle vom Zuhause Magnificos in das Schloss des Prinzen. Die Burgfestspiele sind für diese Inszenierung einmal mehr die Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt eingegangen. So besteht das komplette Ensemble aus Studenten. Diesen ist ganz zu Beginn der Vorstellung die Aufregung deutlich anzusehen, doch das legt sich nach wenigen Minuten.

Die Gesangsschüler machen ihre Aufgabe fabelhaft, spielen ihre Rollen mit viel Dynamik, Begeisterung und singen sauber und präzise, trotz der musikalisch teils extrem anspruchsvollen Passagen. Wie in den vergangenen Saisons ist der Grad an Professionalität, den die jungen Sänger und Sängerinnen an den Tag legen absolut beeindruckend. Die anwesenden Kinder und ihre Eltern lassen sich bis zum Schluss des Stückes fesseln und honorieren das Gesehene mit viel Applaus.

Schrullige Schwestern

Glücklich verlassen die Familien die Burg, einige zieht es direkt nach Hause, andere begeben sich zur Autogrammstunde mit den Darstellern. Die achtjährige Lia ist nach der Vorstellung überzeugt: "Mir hat es sehr gut gefallen", schwärmt sie. In einer Oper war sie bisher noch nicht, doch die Musik und der Gesang haben sie begeistert. "Ich fand außerdem, dass die Kleider schön aussahen", betont sie. Dass die Geschichte des Märchens etwas abgeändert wurde, hat sie gemerkt, doch ihr Urteil trübt das nicht.

Ähnlich geht es ihrer Mutter Sandra Röll, die mit ihrer Tochter die Aufführung besucht hat: "Ich fand es wirklich sehr, sehr schön. Die schrulligen Schwestern waren toll inszeniert und genial gespielt", findet sie. Dass es sich auf der Bühne um Studenten gehandelt hat, hat sie erst nach der Aufführung erfahren: "Mir ist aufgefallen, dass die Darsteller alle sehr jung sind, aber dass es sich um Studenten handelte, habe ich nicht gemerkt. Die waren alle völlig professionell." Ein voller Erfolg war also die erste Premiere bei den Burgfestspielen. Bleibt nur noch auf etwas besseres Sommerwetter zu hoffen, doch die Saison ist zum Glück ja noch lang.

von Niklas Mag

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