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Das sind deutliche Worte! In einer Mitteilung bezeichnete der Grünen-Vorsitzende Clemens Breest die Entscheidung des Magistrats, den Hort aufzugeben, als "soziale Bankrott-Erklärung"

Deutliche Worte

"Soziale Bankrott-Erklärung" - Kritik an der geplanten Schließung der Spiel- und Lernstube

Das sind deutliche Worte! In einer Mitteilung bezeichnete der Grünen-Vorsitzende Clemens Breest die Entscheidung des Magistrats, den Hort aufzugeben, als "soziale Bankrott-Erklärung"

Bad Vilbel - Der Ortsverband der Grünen hat deutliche Worte für die geplante Schließung der Spiel- und Lernstube gefunden. In einer Mitteilung bezeichnete der Grünen-Vorsitzende Clemens Breest die Entscheidung des Magistrats, den Hort für Grundschüler im Sommer 2021 aufzugeben, als "soziale Bankrott-Erklärung für eine so reiche Stadt wie Bad Vilbel". 

Sozialdezernentin Heike Freund-Hahn (FDP) hatte vergangene Woche verkündet, die Stadt könne die Einrichtung, in der derzeit 29 Kinder betreut werden, nicht mehr weiterbetreiben, weil sie sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren müsse. Dabei verwies die Stadträtin vor allem auf die Kitas. Dort fehlte zuletzt immer wieder Personal. 

Ersatzlos gestrichen 

Zwei der vier Erzieherinnen der Spiel- und Lernstube stehen kurz vor der Rente. Ihre Stellen sollen statt im Hort in den Kindergärten nachbesetzt werden. Der Hort wird derweil geschlossen. Ein Ersatzangebot soll es nicht geben. Schon jetzt gilt ein Aufnahmestopp. "Die Antwort auf Personalnot kann nicht die Schließung von Einrichtungen sein", erklärte dazu Grünen-Fraktionschefin Kathrin Anders. 

Parteikollege Breest kritisierte, dass Eltern nun Angebotseinschränkungen hinzunehmen hätten, weil der Magistrat es in der Vergangenheit weder geschafft habe, Wohnungen für Kita-Personal bereitzustellen noch "attraktive Rahmenbedingungen" für Jobs in seinen Einrichtungen zu schaffen. Die Frage, wie es Bad Vilbel auf dem umkämpften Markt gelingen kann, mehr Erzieher für die städtischen Kitas zu gewinnen, ist seit Monaten ein Streitthema zwischen der schwarz-gelben Stadtregierung und den Oppositionsfraktionen um Grüne und SPD. 

Zuletzt konnten sie sich darauf einigen, Stipendien für Berufseinsteiger einzuführen. Dennoch will Freund-Hahn die Spiel- und Lernstube dicht machen, zählt es doch nicht zu den kommunalen Aufgaben, die Schülerbetreuung sicherzustellen. Die Sozialdezernentin hält den Hort für ein Auslaufmodell. Sie setzt auf den Ausbau der Ganztagsangebote an den Grundschulen, vor allem über das Landesprogramm "Pakt am Nachmittag". 

Hessen auf einem guten Weg

In dieser Sache sieht Anders, die für die Grünen auch im Landtag sitzt, Hessen zwar auf einem guten Weg. Die Angebote der meisten Ganztagsschulen deckten aber bei weitem nicht ab, was die Spiel- und Lernstube für Grundschüler und deren Eltern leiste. Das seien vor allem die Betreuung bis 17 Uhr statt nur bis 14.30 Uhr und die Betreuung in den Ferien, die es an den Schulen bekanntlich nicht gebe. Kein Einzelfall? Clemens Breest bemängelte weiter, die Stadt Bad Vilbel halte "immer weniger Angebote für ihre Kinder bereit". 

Die Hort-Schließung sei Teil einer ganzen Reihe an Einschränkungen, in der er an erster Stelle das Ende des Spielhauses im Berkersheimer Weg im vergangenen Jahr sieht. Auch damals habe Freund-Hahn auf "eine Alternative vertröstet, die keine war". 

So sollten die Kinder das Jugendhaus auf dem Heilsberg aufsuchen. Das lasse aber seit Jahrzehnten auf sich warten. Die Nachricht vom Ende der Spiel- und Lernstube beschäftigt nicht nur die Grünen. Die SPD forderte die Stadtverwaltung auf, gemeinsam mit Eltern und Wetteraukreis eine Alternative für das Betreuungsangebot auszuarbeiten. ag Eine Schließung ohne Ersatz sei nicht zu akzeptieren. Sich nur auf den Ausbau den Grundschulen zu Ganztagsschulen zu verlassen, wie Freund-Hahn es tut, hält die SPD für zu kurz gegriffen.

von Alexander Gottschalk

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