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Die Anwohner des Elsterwegs in Dortelweil, auch "Rosa Reihe" genannt, veranstalten regelmäßig Nachbarschaftsfeste, wie hier ein gemeinsames Grillen.

Beim Grillen in Kontakt kommen

Gegen die Einsamkeit: Per Mausklick zum Grillfest

Die Nachbarschaftshilfe will mehr Bad Vilbeler animieren, ihre Nachbarn kennen zu lernen. Dazu sollen sie sich auf der Online-Plattform nebenan.de anmelden, einem hyper-lokalen Sozialen Netzwerk. Langfristig, so die Hoffnung, könnten so weniger Quellenstädter einsam werden. 

Bad Vilbel - Immer mehr Menschen in Deutschland sind einsam. Experten sprechen gar von einer "Einsamkeits-Epidemie". Günter Bodirsky ist davon nicht betroffen. 1997 ist der heute 65-Jährige in das Bad Vilbeler Neubaugebiet Dortelweil-West gezogen. Schon damals war ihm klar: Eine gute Nachbarschaft ist das A und O. 

"Wir wohnen im Elsterweg in einer Reihenhaussiedlung dicht beieinander. Toleranz, das Beachten von Regeln und gegenseitige Hilfe müssen da hoch im Kurs stehen", erzählt er. Und mehr noch: Für ihn sollten Nachbarn nicht bloß Nachbarn, sondern im Idealfall Freunde sein. Also ergriff Bodirsky die Initiative und veranstalte ein erstes Grillfest in seinem Garten. Es sollte sich lohnen. "Rosa Reihe" nennen die Anwohner im Elsterweg ihre rosa angestrichenen Häuser heute liebevoll.

Freundschaften entstehen beim Grillen

Das sommerliche Grillfest ist Tradition. "Und im Winter gibt’s auf der Straße Glühwein und Suppe, zu deren Gelingen jeder mit einer Handvoll Gemüse beiträgt", erzählt Bodirsky. Längst organisiert er die regelmäßigen Treffen und Events nicht mehr allein. Die Nachbarn machen es gemeinsam, über die Jahre sind tatsächlich Freundschaften entstanden. 

Es sind tatsächlich Freundschaften entstanden. 700 Nutzer in Bad Vilbel Den Geist der "Rosa Reihe" soll nun ein neues Projekt der Nachbarschaftshilfe nach ganz Bad Vilbel hinaus tragen. Bodirsky’s Frau Christa Hillenbrand hat maßgeblich daran mitgewirkt.

Sie gehört zu einer Arbeitsgruppe aus Haupt- und Ehrenamtlichen, die in der Quellenstadt ein Online-Nachbarschafts-Netzwerk etablieren möchte. Unterstützt wird dieses Vorhaben auch vom Seniorenbüro der Stadt. Der offizielle Startschuss für die Informationskampagne fällt am Donnerstag, 23. Mai. Konkret geht es der Nachbarschaftshilfe darum, mehr Bad Vilbeler auf die Internetplattform nebenan.de zu locken.

nebenan.de ist lokal

Die Webseite eines Berliner Start-up-Unternehmens funktioniert ähnlich wie Facebook & Co., nur dass sich das soziale Netzwerk ausschließlich an Nachbarn wendet. Wer sich anmeldet, muss seine Wohnadresse angeben und kann dann ein Profil erstellen und dort – wenn gewollt – Interessen, Hobbies, Familienstand und vieles mehr eintragen. Der Clou: Den Nutzern werden nur die Accounts derer angezeigt, die in der direkten Nachbarschaft wohnen. 

In sieben Quartiere teilt nebenan.de, das es auch als App fürs Smartphone gibt, Bad Vilbel ein. Anwohner können sich auf der Onlineplattform mit ihren Nachbarn in offenen und privaten Gruppen zum Doppelkopf-Spielen verabreden, Fahndungen nach weggewehten Grill-Abdeckungen oder gemeinsame Theaterbesuche planen und auf den nächsten Stammtisch hinweisen. 

Sie gehören zur Arbeitsgruppe, die nebenan.de in Vilbel etablieren will (von links): Iris Stockbauer, Dieter Richardt, Christa Hillenbrand und Ursula Schmalbach. Schonmal reingeklickt hat Hannelore Lotz vorn am Computer

"Der Vorteil zu Facebook ist, dass nebenan.de lokal ist", sagt Ursula Schmalbach vom Seniorenbüro. "Sie kennen die Gesichter dort. Außerdem sind alle persönlichen Daten, die angegeben werden, sicher." 700 Bad Vilbeler sind laut ihr schon auf der Plattform unterwegs, außerdem Organisationen wie die Nachbarschaftshilfe. Auch Unternehmen können sich dort einloggen. "Alles in allem ist das eine gute Basis", sagt Hillenbrand. "Aber wir wollen, dass noch viel mehr Leute aktiv werden." 

Junge Menschen ansprechen Die Nachbarschaftshilfe will Neugierigen den Weg in das Online-Netzwerk erleichtern. Sie stellt Berater, für alle die noch unsicher im Umgang mit nebenan.de sind. Vor fünf Monaten hat der Verein außerdem die gemeinnützige Frankfurter GmbH "Lust auf besser Leben" engagiert, die helfen soll, nebenan.de in Bad Vilbel bekannt zu machen. Auf eineinhalb Jahre ist das Gesamtprojekt ausgelegt. 

Ein digitaler Weg zum Kontakt

Danach, so die Hoffnung aller Beteiligten, sollen so viele Bürger sich auf der Website angemeldet haben, dass alles weitere zum Selbstläufer wird. "Wir wollen den Leuten einen niedrigschwelligen, digitalen Weg bieten, in Kontakt zu kommen", erklärt Hillebrand. Eine Hauptzielgruppe sind Senioren. Bei einer Befragung 2016 hatten viele betagte Bad Vilbeler angegeben, Angst vor der Einsamkeit im Alter zu haben. 

Das war der Stein des Anstoßes, sich mit nebenan.de auseinanderzusetzen. "Wir hoffen aber auch, jüngere Menschen ansprechen zu können", sagt Hillenbrand. Schließlich sei Einsamkeit nicht nur für Senioren ein größer werdendes Thema. "Früher im Dorf kannte man sich noch. Heute wissen wir oft nicht mehr, wer die Nachbarn sind. Dabei sind Nachbarn für mich neben Familien und Freunden die dritte wichtige Säule für ein gutes Leben." 

Das sieht Ehemann Günter Bodirsky, gerade nach den Erfahrungen mit der "Rosa Reihe, genauso. Es lohne sich über seinen Schatten zu springen, und auf andere zuzugehen. Aber: "Wer lieber etwas auf Distanz bleiben möchte, auch kein Problem. Die Hauptsache ist, wir sind eine gute und harmonische Nachbarschaft, in der sich auch neu Zugezogene wohlfühlen."

Infoveranstaltung am 23. Mai

Allen Neugierigen stellt die Nachbarschaftshilfe die Onlineplattform nebenan.de am Donnerstag, 23. Mai, ab 18.30 Uhr im Haus der Begegnung, Marktplatz 2, vor. Eine Anmeldung ist nicht nötig, die Teilnahme ist kostenfrei. 

Auch wer bereits in einer aktiven Nachbarschaft wohnt, ist als Mutmacher herzlich willkommen und kann sich per Mail an nebenan@nachbarschaftshilfe-bv.de melden. Infos zum Verein gibt’s außerdem unter 06101 60 48 90 oder www.nachbarschaftshilfe-bv.de. ag

VON ALEXANDER GOTTSCHALK

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