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Interview mit Laurena Röglin und Matthias Kallmeyer

Bad Vilbel: Das Hessentagspaar 2020 stellt sich vor

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Das Geheimnis ist gelüftet: Laurena Röglin und Matthias Kallmeyer sind die Gesichter der Vilbeler Festtage.

Auf diese beiden Namen hat die ganze Stadt gewartet: Laurena Röglin und Matthias Kallmeyer sind das Hessentagspaar 2020. Im Interview mit Redakteur Dominik Rinkart erzählen sie, wie ein Autounfall die Bewerbung begünstigte und klären die alles entscheidende Frage, ob sie auch privat ein Paar sind.

Ihr habt euch gegen 20 Mitbewerber durchgesetzt. Warum repräsentiert ihr Bad Vilbel so gut wie niemand sonst?

LAURENA RÖGLIN: Ob wir das so gut wie kein anderer machen, wissen wir nicht, aber wir haben uns nie verstellt. Wir waren immer so, wie wir sind: begeisterungsfähig! Wir freuen uns einfach sehr auf den Hessentag und sind schon jetzt sehr motiviert.

Musstet ihr erst überzeugt werden, euch zu bewerben?

MATTHIAS KALLMEYER: Wir haben uns ja zusammen beworben. Laurena musste mir einen kleinen Anstoß geben. Aber dann war ich auch sehr schnell Feuer und Flamme.

Es hat lange gedauert, bis sich überhaupt ein Mann beworben hatte. Die Stadt musste sogar einen zweiten Aufruf starten. 

RÖGLIN: Ich habe selbst erst relativ spät das Plakat gesehen und Matthias gleich ein Foto davon geschickt. Er hat vor allem darüber nachgedacht, ob wir überhaupt eine Chance hätten, KALLMEYER: Ich lag zu der Zeit im Krankenhaus, weil mich beim Joggen ein Auto angefahren hatte. RÖGLIN: Aber dann hast du gleich gesagt: "Das ist gut, jetzt haben wir genug Zeit für unsere Bewerbung."

Ein Hessentagspaar tritt traditionell im Kostüm auf. Seid wann kennt ihr euer Kostüm schon? 

RÖGLIN: Gott sei dank, schon länger. Wir hatten schon einige Anproben. KALLMEYER: Bei der Bewerbung wussten wir allerdings tatsächlich nicht, welches Kostüm uns erwarten würde. RÖGLIN: Ich habe auch mal die Outfits von vorherigen Hessentagspaaren gegoogelt, da waren einige dabei, die ich nicht gerne getragen hätte. So ein Outfit ist wirklich ungewohnt, aber inzwischen bin ich richtig verliebt in mein Kostüm.

Was bringt dich näher an die Ohnmacht: Der Anblick deines Hessentagmanns oder das enge Korsett deines Kostüms?

RÖGLIN: Beides lässt mein Herz höher schlagen (lacht). Wobei mein Korsett wirklich sehr eng ist. In Ohnmacht fallen, war für die Frauen damals kein Seltenheit, aber ich kann schon noch atmen und zur Not ist Matthias ja da und fängt mich auf.

Die Kostüme stehen ihnen gut.

Euer Kostüm ist der Gründerzeit der Heilwasserquellen gewidmet. Das heißt wir werden das Hessentagspaar stets mit einem Glas Wasser und nie mit einem Bier in der Hand antreffen? 

RÖGLIN: In Bier ist ja auch viel Wasser (lacht).

Auf die Frage "Was verbindet ihr mit Bad Vilbel?" habt ihr in eurem offiziellen Steckbrief beide "Heimat" geantwortet. Was bedeutet Heimat für euch? 

RÖGLIN: Ich bin in Karben aufgewachsen, aber meine Großeltern, haben in Bad Vilbel gewohnt. Ich verbinde daher viele Erinnerungen mit dieser Stadt. Als ich vor 10 Jahren Zuhause ausgezogen bin, war mit klar, dass meine erste Wohnung in Bad Vilbel sein muss. KALLMEYER: Ich wohne seit 1996 in Bad Vilbel, immer in verschiedenen Stadtteilen. Ich fühle mich wohl hier, mein komplettes soziales Umfeld ist hier. Das definiere ich als Heimat.

Der Hessentag ist als Fest, das Alteingesessene und Neubürger verbinden soll, erfunden worden. Heute scheint dieser Gedanke der Freude an einem Riesenspektakel gewichen zu sein. Welchen Sinn hat für euch dieses Fest? 

KALLMEYER: Wir wollen in Bad Vilbel gemeinsam das besondere 60. Hessenfest feiern. Jeder ist herzlich eingeladen, insbesondere natürlich alle Bad Vilbelerinnen und Bad Vilbeler. RÖGLIN: Beim Hessentag ist einfach für jeden etwas dabei, egal ob man es laut oder leise mag, ob man sich über etwas informieren möchte oder Party feiern will, jeder kann sich wohlfühlen, das ist das Ziel des Hessentags.

Eure Antworten klingen schon jetzt sehr routiniert und gut informiert. Wie viel musstet ihr über den Hessentag und die Stadt lernen? 

KALLMEYER: Das ging schon mit der Bewerbung los, wir haben uns gut vorbereitet und dafür zum Beispiel das Quellenmuseum besucht. RÖGLIN: Wir haben jetzt schon 15 bis 20 interne Termine hinter uns, aktuell machen wir ein Rhetorik-Training. Wir haben uns auch schon mit früheren Paaren getroffen und ausgetauscht.

Was wird die größte Herausforderung? 

RÖGLIN: Zum Einen der große Zeitaufwand. Zum Anderen, das frei vor vielen Menschen reden. Das ist auf jeden Fall eine Herausforderung. KALLMEYER: Ich bin einfach nur gespannt, was alles auf uns zu kommt und neugierig auf die ganzen Termine und wie die Leute auf uns reagieren.

Der bevorstehende Hessentag hat eine ganze Menge an städtebaulichen Plänen losgetreten. Welche Ideen begrüßt ihr? 

KALLMEYER: Es kommt nicht darauf an, ob irgendwelche Bauten stehen oder nicht stehen. Wichtig ist, dass wir einen schönen Hessentag feiern. Die Planung dafür laufen gut und Gebäude sind dafür wirklich nicht entscheidend. RÖGLIN: Ein Großteil unserer Aufgabe ist Werbung zu machen. Ich vertraue voll und ganz darauf, dass die Stadt weiß, was sie tut und es sehr gut machen wird.

Viele Menschen, die den Hessentag besuchen, werden die Stadt Bad Vilbel womöglich zum ersten Mal sehen. Als Hessentagspaar seid ihr das Gesicht der Stadt. Was würdet ihr gerne an Bad Vilbels erstem Eindruck verbessern? 

KALLMEYER: Wenn wir von dieser Stadt nicht voll und ganz überzeugt wären, würden wir das nicht machen. RÖGLIN: Bestimmt ist nicht alles perfekt, aber ich bin stolz auf Bad Vilbel und war es immer schon. Man hat hier eine schöne Altstadt, die Wasserburg, viele historische Orte und dann die moderne neue Mitte mit der beeindruckenden Bibliothek und drum herum viel Natur. Ich kann wirklich mit gutem Gewissen Menschen nach Bad Vilbel einladen.

Ein historisches Kostüm

Die Kostüme des Hessentagspaares entsprechen der wohlhabenden Mode in der Zeit um 1905, als Carl und Cäcilie Brod die erste Heilwasserquelle in Vilbel bohrten. Die Schnitte der Kostüme wurden von Schneiderin Christine Rademacher und Gewandmeisterin Marion Rutkowski nach historischen Vorgaben hergestellt, allerdings wurden Zugeständnisse zwecks Alltagstauglichkeit gemacht. Wer es sich leisten konnte, trug damals sehr edle Materialien. Der Modetrend bei den Damen war die sogenannte Stundenglasfigur. Mittels eines Korsetts wurde die Taille eng eingeschnürt, während der Hintern durch ein Kissen betont ausladend gestaltet wurde – Ohnmachtsanfälle waren da vorprogrammiert. Die Bluse hatte eine Stehkragen und unter dem weiten Gehrock schien ein Unterrock hervor. Der Hut war aus Stroh hergestellt. Auch der Mann ging nie ohne Hut aus dem Haus – meist mit einem Homburger, einem hohen Herrenhut aus Filz, mit hochgebogener, eingefasster Krempe. Zudem trug er Cut und Weste sowie ein Hemd mit Vatermörderkragen und einem Plastron-Krawattenknoten. red/rin

Vor euch stehen nun 100 bis 150 Veranstaltungen bei denen ihr euch zeigen müsst. Welche Aufwandsentschädigung erhaltet ihr dafür?

KALLMEYER: Grundsätzlich ist es ein Ehrenamt, aber wir bekommen eine Aufwandsentschädigung. Wie hoch die ist, kann ich aber noch nicht sagen.

Wann schätzt ihr wird euer Limit an Selfies erreicht sein? 

RÖGLIN: (lacht) Ich glaube bei mir nie! KALLMEYER: Und mich reißt Laurena im Zweifel immer mit.

Ihr seid gleich alt, findet euch offensichtlich sympathisch und werdet in Zukunft viel Zeit miteinander verbringen. Täuscht der Eindruck oder liegt hier mehr als nur Freundschaft in der Luft? 

KALLMEYER: Ich habe mich schon gefragt wann diese Frage kommt (lacht). Wir sind beide ledig und beste Freunde! RÖGLIN: Schon seit 14 Jahren. KALLMEYER: Wir haben uns damals an der Kurt-Schumacher-Schule in Karben im Französischunterricht kennengelernt und sind seitdem beste Freunde.

Und eure Freundschaft wird den Stress der kommenden Monate überstehen?

KALLMEYER: Wir kennen uns sehr, sehr gut und wissen genau, wann wer wie drauf ist. Es wird sicher auch Situationen geben, in denen es mal knirschen kann, aber es wird nie zu einem Zerwürfnis kommen. RÖGLIN: Wir haben schon viele Projekte gemeinsam gestemmt. Wir waren zum Beispiel mal sechs Wochen als Betreuer bei Ferienspielen, Da gab es zwangsläufig mal den Punkt, an dem man vom anderen genervt ist, aber am nächsten Tag ist alles wieder gut. Und da ist es auch ein Vorteil, dass wir als Hessentagspaar keine echtes Paar sind und nach einem Termin getrennt nach Hause gehen und auch mal durchatmen können.

Worauf freut ihr euch am meisten? 

KALLMEYER: Ich habe keine konkrete Veranstaltung auf die ich mich am meisten freue. Auch wenn es kitschig klingt, aber ich würde mich freuen, wen

n wir einfach einen schönen und vor allem friedlichen Hessentag feiern. Und über zehn Tage gutes Wetter natürlich. RÖGLIN: Auf das Essen! (lacht) Die lange Straße mit vielen Köstlichkeiten, auf ganz viele neue Gesichter, die wir kenne lernen dürfen, auf viele freundliche Menschen, gute Stimmung und das jeder Spaß hat.

Steckbrief: Lesebegeistert und sportlich

Laurena Röglin ist am 19. August 1989 geboren. Heute lebt sie in der Bad Vilbler Kernstadt und arbeitet als Arzthelferin in der gynäkologischen Onkologie der Uni-Klinik Frankfurt. Ihre Hobbys sind Tanzen und Lesen. Die Stadtbibliothek ist daher auch ihr unangefochtener Lieblingsplatz in Bad Vilbel. Könnte sie sich einen Act für den Hessentag wünschen, wären es die Backstreet Boys. --> Matthias Kallmeyer ist am 24. November 1889 in München geboren. Heute arbeitet der 29-jährige Verwaltungswirt beim Frankfurter Jugendamt im Bereich Kinder- und Jugendhilfe. Er lebt ebenfalls in der Kernstadt und nutzt seine Freizeit zum Joggen, Schwimmen und Radfahren. Darüber hinaus engagiert er sich im Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde in Dortelweil.

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