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Geben den Startschuss für die ersten Erschließungsmaßnahmen im Spring Park Valley: Projektentwickler Jörg-Peter Schultheis, Investor Achaz von Oertzen, Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr, Kreisbeigeordneter Matthias Walther, Stadtrat Klaus Minkel und Architekt Jörg Krämer.

Smart City - jetzt geht es los

Investoren und Politiker feiern Baggerbiss für Spring Park Valley 

In fünf Jahren soll die Smart City in Bad Vilbel stehen. Am Donnerstag rollte der erste Bagger an, heute starten die Erschließungsarbeiten.

Bad Vilbel - Die Investoren der CESA um Projektentwickler Jörg-Peter Schultheis stecken 800 Millionen Euro in das futuristische Arbeitsquartier, das sie Spring Park Valley getauft haben. Es soll Bad Vilbel weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt machen.

Am Ende wurde der Baggerbiss doch vertagt. In der Ferne war das schwere Gerät zwar zu erspähen, als Schultheis, Stöhr und Co. sich in Pose warfen, um gemeinsam das symbolische Band durchzuschneiden. Tatsächlich loslegen durften die Angestellten der Frankfurter Entsorgungsfirma Deponata aber tags darauf. Sie reißen ein ehemaliges Firmengelände und eine alte Scheune zwischen Rewe und B 3 ab – dort also, wo schon bald die Smart City entstehen wird.

Am Donnerstagvormittag fiel aber erst mal der Startschuss für die Erschließungsarbeiten. Ab Mitte 2020 dürften im Spring Park Valley die Gebäude in die Höhe wachsen, sollte der Kreis bis dahin die Baugenehmigung erteilen. Im Grunde ist dieser Schritt jedoch nur Formsache. Sind Straßen, Leitungen und Baugrund fertig, wird auch rechtlich kein Zweifel mehr daran bleiben, was die Verantwortlichen gestern immer wieder betonen: Dass Bad Vilbel mit diesem Projekt in bislang ungekannte Dimensionen vorstößt.

Über eine Tochterfirma investiert die Berliner Unternehmensgruppe CESA nach eigenen Angaben rund 800 Millionen Euro in das Mini-Silicon-Valley. 40 Millionen kassiert die Stadt Bad Vilbel laut Stadtrat Klaus Minkel (CDU) für das Grundstück, das an der B 3 zwischen Massenheim und Kernstadt liegt.

Mehrere Tausend Menschen – bevorzugt aus der Technologiebranche – sollen dort in einem hochmodernen Umfeld arbeiten, wohnen und ihre Freizeit verbringen. Schon Ende 2024 soll die Eröffnung steigen.

Mehr als 2000 Interessenten

Der Zeitplan sei, so wie das gesamte Projekt, ambitioniert, räumte Projektentwickler Jörg-Peter Schultheis bei seiner Rede zu den gestrigen Feierlichkeiten ein. An der Gottlieb-Daimler-Allee hatte CESA einen kleinen weißen Pavillon aufgebaut. Es gab Schnittchen und bestens gelaunte Gäste aus der kommunalen und regionalen Politik sowie aus der Bauwirtschaft.

: So soll es im Quellenpark 2025 aussehen:

Der Bad Homburger Schultheis, der das Bauvorhaben 2014 initiierte und heute als Gesellschafter auftritt, gab sich zuversichtlich für die großen Aufgaben der nächste Monate. 2000 Mitarbeiter verschiedener Partnerfirmen von Architekten bis Fassadenbauern sind demnach an der Entwicklung der Smart City beteiligt. Sie arbeiten nach einem Verfahren, das stärker auf vorab erstellten Zielgrößen und späterer Eigenverantwortung fußt. "Wir wollen in partnerschaftlicher, freundschaftlicher Atmosphäre zusammenarbeiten", betonte Schultheis. Das sieht er in gewisser Weise als wegbereitend für das gesamte Spring Park Valley, von dem er sagt: "Es soll Freude machen, zum Arbeiten dort hinzukommen." Als Zielgruppe hat er hauptsächlich Start-ups und Firmen aus der Technologie und Entwicklung ausgemacht.

In Bad Vilbel soll seiner Idee nach von den klügsten Köpfen Europas die Zukunft mitgestaltet werden. Ein Projekt mit Vorbildfunktion für den Kontinent, wie er gestern immer wieder anklingen ließ. "Es wird das größte Innovationshub Europas."

Wer genau in den sieben Domes des Campus arbeiten wird, ist weiter unklar. Mehr als 2000 Interessenten hätten sie bislang, ließ sich Schultheis zumindest entlocken, von jungen Tech-Firmen, aber auch größere Fische seien dabei, die sich nach Mitarbeiterkontingenten für 400 bis 600 Menschen erkundigt hätten.

Stöhr ist hoffnungsfroh

Am Rande des Events kamen vereinzelt weitere Details zum Stand der Planungen zur Sprache: So äußerte sich der sichtlich euphorisierte Schultheis erstmals zu möglichen Mietpreisen, verriet, dass es eine Station für Flug-Taxis geben könnte und präzisierte die bisher bekannte Zahl der Wohneinheiten (siehe Box).

Als zweiter Redner trat Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) ans Mikrofon. Er sagte, es sei ein "freudiger und hoffnungsfroher Tag" für die Stadt Bad Vilbel. Vom Spring Park Valley erhoffe er sich, dass es eine Strahlkraft über die Grenzen Hessens hinaus habe. Die Quellenstadt könne langfristig enorm von den entstehenden Arbeitsplätzen und dem vielfältigen Angebot profitieren. CESA sicherte er weiter die Unterstützung der Kommune zu, ergänzte aber: "Dass die Investoren die Erschließung übernehmen, ist ein Zeichen dafür, dass jetzt vieles in der Hand der Investoren liegt." Die Erschließung des Baugebiets ist normalerweise Aufgabe der öffentlichen Hand. CESA hat mit der Stadt aber ausgehandelt, die Infrastruktur selbst zu übernehmen. Die Kommune machte dafür Zugeständnisse bei kurzfristigen Planungsänderungen.

So war es eine passende Randnotiz, dass ein fröhlicher Jörg-Peter Schultheis halb im Scherz erklärte, warum der Baggerbiss ausfallen musste: Die 25-Tonnen-Maschine vor den Pavillon vorfahren zu lassen, wäre recht sinnfrei gewesen, wird sie doch auf der anderen Seite des Feldes gebraucht. Allein für den Show-Effekt habe man nicht riskieren wollen, den Radweg durch den Quellenpark zu beschädigen.

Flugtaxis, Themen-Domes, 5G: So irre sind die PLäne für die Smart City in Bad Vilbel

Das Spring Park Valley in Bad Vilbel wird eine Smart City, also ein Quartier, in dem innovative und zukunftsorientierte Konzepte umgesetzt werden. Auf 90000 Quadratmetern Fläche entstehen sieben futuristische Gebäude, sogenannte Domes, die jeweils nach einem Thema gestaltet sind. 

Im Action-Dome soll es beispielsweise Sportangebote wie Paddel-Tennis und eine Kletterwand geben. Der Quiet Dome soll hingegen der Entschleunigung dienen, dort wird der Handy-Empfang fehlen. Und im Crazy-Chaos-Dome darf mit Farben an die Wände geworfen werden. 6500 Menschen sollen in der Smart City arbeiten. Feste Büroräume sind nur wenige vorgesehen, stattdessen sollen sich diese sogenannten Innovatoren aus der Tech- und Entwicklungsbranche flexibel und nach Wunsch ihren Arbeitsplatz suchen. Die Domes haben 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche geöffnet. 

850 Euro pro Monat wird die Unternehmen es laut Schultheis kosten, dass einer ihrer Mitarbeiter diese modernen Coworking Spaces nutzen darf. Zum Konzept gehört explizit die Kombination von Arbeit, Leben und Wohnen. Es soll überall WLAN und ein 5G-Netz geben. Geplant sind auf dem campusartigen Gelände neben einem zentralen Platz mit Gastronomien auch eine Kita, ein Sportstudio, ein Ärztehaus und Veranstaltungsräume. Spring Park Valley soll fast ohne Verkehr auskommen. 

Zu Fuß, mit dem Rad oder in einem selbstfahrenden Elektro-Auto werden sich Besucher am schnellsten durch den Gewerbepark bewegen können. 1500 Stellplätze für Fahrräder werden gebaut, außerdem wird es ein Parkhaus mit 3500 Stellplätzen geben. In diesem ist auch ein Terminal für Flug-Taxis vorgesehen, wie Projektentwickler Jörg Schultheiß gestern enthüllte. Alle Smart-City- Gebäude sollen großflächig begrünt werden. Ziel ist außerdem, dass die Smart City energetisch autark ist und emissionsfrei wird. 

Neben einem Hotel mit 300 Zimmern wird es auch mehr oder weniger feste Wohneinheiten geben. In drei Türmen entstehen laut Schultheis insgesamt 360 private Dauerwohnungen. Zudem wird es rund 1000 Serviced-Appartements für gewerbliche Nutzer geben. Wer nur für ein paar Monate in der Smart City arbeitet, wird demnach eines der Zimmer für rund 650 Euro im Monat mieten können.

von Alexander Gottschalk

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