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In Hessen hat sich Karben im Fahrradklimatest des ADFC stark verbessert. (Symbolbild)

Test des ADFC

Bad Vilbel und Karben schneiden beim Fahrradklimatest sehr unterschiedlich ab

In Hessen hat sich Karben im Fahrradklimatest des ADFC stark verbessert. Auf einer Schulnotenskala gaben die Befragten der Stadt eine 3,27. Die Nachbarstadt Bad Vilbel wurde mit einer 4 bewertet. Im bundesweiten Vergleich liegt Karben unter 311 Städten auf Rang 16, Bad Vilbel auf Rang 48.

Bad Vilbel/Karben: "Wir sehen das als einen großen Ansporn, die Förderung des Radverkehrs und den Ausbau der Fahrradinfrastruktur weiter voranzutreiben", zeigt sich Bürgermeister Guido Rahn überzeugt: "Die sehr gute Platzierung zeigt, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind."

Als Stärke Karbens wurden etwa die Erreichbarkeit des Stadtzentrums, der Spaß am Radfahren, zügiges Radfahren, geöffnete Einbahnstraßen und die Wegweisung benannt. "Zu diesen Themen haben wir bereits weitere Projekte auf den Weg gebracht", weiß der Bürgermeister zu berichten. "Der straßenbegleitende Radweg nach Ilbenstadt ist im Bau, der Ausbau zwischen Petterweil und Rodheim erfolgt im Sommer, und die Niddaroute zwischen Groß- und Klein-Karben wird ebenfalls fahrradgerecht ausgebaut." Auch innerstädtisch werde das "Karbenrouten-Konzept" umgesetzt, um die Stadtteile mit dem Stadtzentrum und den Schulen über sichere und fahrradfreundliche Radverkehrsverbindungen abseits des Kfz-Verkehrs zu vernetzen.

Leihfahrräder fehlen

Den beim Test ausgemachten Schwachpunkten will sich Karben besonders annehmen wie etwa "Führungen an Baustellen, Fahren im Mischverkehr mit dem Kfz oder fahrradfreundlichen Ampelschaltungen." Als größte Schwäche Karbens wurde das Fehlen öffentlicher Leihfahrräder ausgemacht. Dazu führt der Bürgermeister aus, dass die Stadt 2018 im letzten Sommer einen Probeversuch mit einem Fahrradverleih-Dienstleister unternommen hatte, der aufgrund zu geringer Nachfrage eingestellt werden musste. "Nicht immer lassen sich alle guten Ideen umsetzen, wenn die Nachfrage dann doch nicht so ist, wie man es sich manchmal wünscht", so Rahn.

Was die Werbung für das Radfahren betrifft, so stellen die Befragten laut ADFC der Stadtverwaltung ein deutlich besseres Zeugnis aus als ihre Mitbürgern in ähnlich großen Städten. Hingegen finden auch sie, dass die Verkehrsführung im Bereich von Baustellen ihnen das Leben häufig unnötig schwer machte.

Und auch die Bedingungen bei Fahrten im Mischverkehr ziehen laut ADFC Karbens Note nach unten. Karbens Resultat beruht nach Einschätzung des Karbener ADFC-Aktiven Karl Pfeil darauf, dass die Stadt im Bereich der Infrastruktur für Freizeitradelnde einiges getan hat. Doch auch zur Verbesserung der Situation für den Alltagsradverkehr will man viel bewegen. Dies haben die Karbener Bürger, die am Fahrradklima-Test teilgenommen haben, offensichtlich vorsorglich honoriert.

In der Nachbarstadt Bad Vilbel sind andere Probleme genannt worden. Am schlechtesten kommt dort die Kontrolle von Falschparkern weg. Häufig sind Radwege von Autos zugeparkt, aber auch Straßeneinmündungen und Teile der Gehwege. Zudem wurde die unzureichende Führung des Radverkehrs an Baustellen bemängelt. Eltern, die ihre Kinder mit dem Rad zur Schule fahren lassen, tun dies oft nur mit einem flauen Gefühl im Magen. Bad Vilbel wird denn auch von den Radfahrenden nicht als familienfreundliche Stadt wahrgenommen. Zentrum gut erreichbar

Vergleichsweise positiv wird die Erreichbarkeit des Stadtzentrums bewertet. Christian Euler, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Bad Vilbel, ist sich sicher, dass der Ausbau des Niddaradwegs zwischen Gronau und Dortelweil, der neu gestaltete Abschnitt zwischen Römerbrunnen und Rathausbrücke durch den Burgpark sowie die Sanierung der Wegeoberfläche zwischen Dottenfelder Hof und Büdinger Straße positiv registriert wurden. Ebenfalls positiv zu Buche schlagen dürften die in den letzten beiden Jahren hinzugekommenen, überdachten Radabstellanlagen an den Bahnhöfen sowie die Öffnung von vier Einbahnstraßen. Lob erhalten die Verantwortlichen im Rathaus dafür, dass der Wille erkennbar sei, mehr für den Radverkehr zu tun. Das sei gut, denn die radelnden Bürger seien sensibler geworden. Probleme wie fehlende, zu schmale, holprige oder zugeparkte Radwege und in Stoßzeiten überfüllte Abstellanlagen würden heutzutage immer weniger hingenommen.

von Holger Pegelow

Info: 

Der Fahrradklima-Test ist eine nicht repräsentative Befragung des ADFC, die im Zweijahresrhythmus durchgeführt wird und vom Bundesverkehrsministerium gefördert wird. Im Herbst 2018 wurden bundesweit per Online-Umfrage 32 Fragen zur Fahrradfreundlichkeit gestellt – etwa, ob das Radfahren Spaß oder Stress bedeutet, ob Radwege von Falschparkern freigehalten werden und ob sich das Radfahren für Familien mit Kindern sicher anfühlt. Mehr als 170.000 Bürger haben sich an der Umfrage beteiligt und die Situation in 683 Städten und Gemeinden beurteilt. Die Personen, die an der Umfrage teilgenommen haben, nutzen auch ein Auto: 94 Prozent von ihnen haben einen Führerschein, 75 Prozent steht ein Auto zur Verfügung. 15 Prozent sind Mitglied des ADFC.

red

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