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Gespräch mit Stadt

Eltern der Massenheimer Kindergartenkinder fühlen sich im Stich gelassen

Kinder brauchen Verlässlichkeit, je jünger, desto mehr. Dass diese in den Kitas in der Stadt aufgrund fehlenden Personals schon seit langer Zeit nicht sichergestellt werden kann, verärgert nicht nur die betroffenen Eltern. Nach einem Krisengipfel zur Situation in der Massenheimer Kita Zwergenburg keimt nun wenigstens Hoffnung auf.

Seit 2016 gibt Natalie Klatte ihre Tochter in die tägliche Betreuung der Kita Zwergenburg in der Massenheimer Gartenstraße. "Ich kann mich kaum an Zeiten erinnern, in denen alles optimal gelaufen ist", stellt sie ernüchtert fest. Was beileibe nicht am Engagement des Personals liegt, sondern nur an der Anzahl der Erzieherinnen. Für jede der drei Gruppen der Kinder über drei Jahren mit jeweils 22 Kindern sind zwei Erzieherinnen vorgesehen, insgesamt besteht das Team aus elf Erzieherinnen und einer Hauswirtschaftskraft. "Doch meist war es nur eine Erzieherin pro Gruppe, oft wurden die drei Gruppen zusammengelegt und dann von nur zwei Kräften betreut", beschreibt Klatte die Situation. 

Turnstunden fallen aus

Regelmäßig vorgesehene Turnstunden fallen aus, auch ein Ausflug zu einem benachbarten Spielplatz ist schwer zu stemmen, will man alle Kinder im Blick behalten. Zumal auch die Aufgaben der Hauswirtschaftskraft zeitweise durch die Erzieherinnen mitgetragen werden mussten. Schuld daran sind lange Fehlzeiten des Personals, ob durch Elternzeit oder Erkrankung. Doch die Stadt Bad Vilbel, die den Kindergarten in Trägerschaft des Vereins Elterninitiative Heilsberg personell ausstattet, hat auch seit Jahren mit einer Unterbesetzung zu kämpfen. So sieht der aktuell gültige Stellenplan für den Kita-Bereich 156 Jobs vor, davon unbesetzt sind derzeit 15 Stellen. 

Situation eskaliert

Meist wird das vor Ort mit viel Einsatz, aber auch mit Ersatzkräften ausgeglichen. Doch in Massenheim eskalierte die Situation. Die Betreuungszeiten für die gesamte Einrichtung musste für zwei Wochen eingeschränkt werden, das Zwergennest für unter Dreijährige hatte einen Tag komplett geschlossen. Für Natalie Klatte und Karin Kötzner vom Elternbeirat der Kita ist das keine tragbare Situation. "Viele Eltern hier brauchen zwei Jobs, nicht jeder Chef hat Verständnis für die Situation. Großeltern sind auch nicht immer verfügbar. Und für Alleinerziehende ist das eine Katastrophe", sagt Kötzner. Sie schildert, dass viele Alleinerziehende, die gerade im Berufsförderungswerke eine Umschulung absolvieren, ihr Kind in der Zwergenburg betreuen lassen. 

Studierende helfen aus

Sie haben Präsenzpflicht im BFW, können ihr Kind nicht früher abholen. Doch es ist nicht nur das: "Oft gibt es keine fachgerechte Lösung", sagt Kötzner. Die entstandenen Lücken werden notdürftig aufgefüllt, durch Abiturientinnen, die vor Aufnahme ihres Studiums stehen, eine Studentin oder Teilzeitkräfte. Den Mangel an ausgebildetem Personal wird die Stadt nicht ohne weiteres beheben können, zu lange schon schwelt die Diskussion um die Personallage. Trotz jährlichen Bewerbertags, einem Image-Film und einer Wohngemeinschaft für Erzieherinnen ist der Markt hart umkämpft. Die Nase vorne hat dabei regelmäßig Frankfurt, denn die Mainmetropole zahlt mehr. Auf ein Wettbieten will sich Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) aber nicht einlassen. "Wenn wir die Löhne erhöhen und Frankfurt erneut anhebt, was dann?", fragt er. Doch Lösungen müssen her. Und erstmals fühlen sich Eltern und in diesem Fall die Betreiber einer Kita nicht einfach abgebügelt. 

Gespräch zwischen Stadt und Trägerverein

Denn bei einem Gespräch zwischen der Stadt und dem Trägerverein zeigten Stöhr, Sozialdezernentin Heike Freund-Hahn (FDP) und Sozialamtsleiter Jörg Heinz Lösungen auf. Ein konstruktives Gespräch sei es gewesen, betonen alle Beteiligten. Ein "Bündel an Maßnahmen" hat Stöhr zugesichert, um Schließungen in Zukunft zu verhindern. So soll es einen Pool an pädagogischen Zusatzkräften geben, die je nach Personallage in verschiedenen Kitas eingesetzt werden können. Auch sollen die bislang eingesetzten Zusatzkräfte ohne pädagogischen Abschluss Förderungen erhalten, um Zusatzausbildungen zu erhalten. Das will Stöhr in die Haushaltsberatungen einbringen. Neue Fachkräfte könnten zudem über europaweite Ausschreibungen gewonnen werden. Dafür sollen bürokratische Hürden überwunden werden, nennt Stöhr noch ein Beispiel, das aus der Elternschaft kam. 

Günstige WG als Anreiz Für Erzieherinnen sollen zudem weitere günstige Wohnmöglichkeiten über die bestehende WG hinaus geschaffen werden. Das kann etwa in den im Bau befindlichen oder geplanten städtischen Immobilien in Dortelweil-West oder auch im Lehnfurther Weg in Dortelweil geschehen. Um auch weiterhin Lücken zu schließen, muss die Stadt aber laut Heinz auch weiterhin auf Hilfskräfte setzen. Studentische Kräfte aus dem pädagogischen Bereich könnten zudem für 20 Stunden pro Woche in die Bad Vilbeler Kitas geholt werden. Derzeit sind Zeitarbeitsfirmen eingesetzt, um Lücken zu schließen. Stöhr: "Wir arbeiten daran, die Lage zu stabilisieren. Doch ganz verhindern können wir solche Situationen nicht." Den Eltern gibt das Gespräch Zuversicht. Doch sie wollen auch nachhalten, bestehen auf einer raschen Rückmeldung seitens der Stadt. Denn nicht nur für Karin Kötzner gilt: "Das wichtigste für Kinder ist Routine. Ein ständiger Personalwechsel ist die Hölle."

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