Gleich mehrere Schlaganfälle zwingen Roland Schall in den Rollstuhl
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Gleich mehrere Schlaganfälle zwingen Roland Schall in den Rollstuhl

Das Abholen wird zum Albtraum

Bad Vilbel: Rollstuhlfahrer kämpft um eigenen Parkplatz – bislang vergeblich 

Roland Schall sitzt im Rollstuhl und wird viermal pro Woche abgeholt, um zum Arzt gefahren zu werden. Doch an der Rodheimer Straße in Bad Vilbel ist einiges los, die Bagger rollen, es wird gebaut. Deshalb gestaltet sich das Abholen immer wieder schwierig. 

  • Ein Rollstuhlfahrer in Bad Vilbel kämpft vergeblich um einen eigenen Parkplatz
  • Immer wieder wird der Zugang zum Eingang seines Hauses blockiert. 
  • Betreuer müssen ihn weit tragen, damit er zum Arzt kann. 

Bad Vilbel – Nach draußen schafft es Roland Schall aus seiner Erdgeschosswohnung in der Rodheimer Straße 10d nur noch, wenn er zum Arzt muss. „Meine Frau kann mich alleine die paar Treppen zum Eingang nicht tragen“, bedauert er. „Das schafft nur der Pflegedienst.“ Und der schaut viermal die Woche bei dem 67-Jährigen vorbei, um ihn abzuholen. Eine Woche ohne Reha- und Arzttermine sind für den Vilbeler undenkbar. Gleich drei Schlaganfälle zwingen ihn in den Rollstuhl, schränken seine Bewegungsfähigkeit enorm ein.

Bad Vilbel: Mehrere Schlaganfälle zwingen Roland Schall in den Rollstuhl 

AG steht in seinem Schwerbehindertenausweis, das steht für „Außergewöhnliche Gehbehinderung“. „Und deshalb steht mir auch ein eigener Parkplatz vor dem Eingang in Bad Vilbel zu“, sagt Schall und deutet auf einen Zeitungsartikel, der ein Gerichtsurteil in einem ähnlichen Fall behandelt. Denn das Ein- und Ausladen ist vor dem Eingang kaum möglich. 

Die Stadt hat den 67-jährigen Bewohner auf diesen Weg verwiesen. Für Roland Schall im Rollstuhl ist dieser allerdings zu uneben.

„Meist ist die Tür zugeparkt, dann kommen wir gar nicht vorne raus“, sagt Schall. „Dann müssen mich die Betreuer, die mich abholen, bis hoch auf den Parkplatz tragen.“ Dabei sei es auch schon einmal zum Sturz gekommen. „Aber ich kann denen auch kein Vorwurf machen, mehr als 100 Kilogramm durch den Matsch tragen, wo teilweise der Boden abgesunken ist – das ist schwer genug.“ 

Bad Vilbel: Vermieterin möchte Schild anbringen

Ein Behindertenparkplatz würde helfen. Deshalb hat sich der 67-Jährige an die Stadt Bad Vilbel gewandt. „Ein gemeinsamer Ortstermin kam leider bisher noch nicht zustande“, bedauert der Vilbeler, der seit zehn Jahren mit seiner Frau an der Rodheimer Straße wohnt. „Mir wurde gesagt, es wäre genug Platz vor dem Haus und deshalb brauche ich keinen eigenen Parkplatz.“ Unterdessen hat die Stadt „Parken auf dem Seitenstreifen“-Schilder aufgestellt. „Die bringen ja nichts, wenn die Tür blockiert ist“, moniert Schall. Aus dem Rathaus heißt es dazu: „Da diese Thematik Gegenstand einer Diskussion mit der Rechtsanwältin von Herrn Schall ist und möglicherweise ein entsprechendes laufendes Verfahren hieraus wird“, könne man dazu derzeit keine weitere Stellung beziehen. 

An der Rodheimer Straße wird momentan kräftig gebaut, das macht den Weg mit dem Rollstuhl nicht gerade einfacher.


Schall sagt, man habe ihn auf den Weg auf dem Gelände des Hauses verwiesen und dafür ist seine Vermieterin verantwortlich. „Der ist leider etwas zu uneben für mich.“ Gemeinsam habe man über die Variante einer Balkon-Rampe nachgedacht. „Sie hat mir die Möglichkeit gegeben, eine bauen zu lassen, allerdings wäre die Eigenbeteiligung viel zu hoch. Das kann ich mir leider nicht leisten.“ Also ist er weiterhin auf den Trage-Service des Abholdienstes angewiesen. „Ich denke ja nicht nur an mich und den Parkplatz, sondern auch daran, dass mich die armen Mitarbeiter immer den Weg hochtragen müssen.“ Die Baustelle in Bad Vilbel vereinfache das nicht gerade.

Bad Vilbel:  „Vielleicht finden wir ja eine passende Lösung für alle Seiten“

Das weiß auch Vermieterin Christel Dick. „Aber da muss man so ehrlich sein, das gehört einfach auch dazu, wenn gebaut wird“, sagt sie. „Was mit einem solchen Parkplatz vor dem Haus ist, liegt nicht in meiner Macht, da es sich nicht um mein Gelände handelt.“ Sie könne ja nicht einfach einen Stellplatz ausweisen. Dennoch hat die Vermieterin eine Idee: „Ich werde ein Schild an der Tür anbringen, dass man zumindest diese nicht zuparkt. Dann müsste das Einladen zwar unter Umständen dennoch auf der Straße stattfinden, aber so könnte man den Weg nach oben sparen.“

Roland Schall fühlt sich dennoch unfair behandelt. „Bis im vergangenen Jahr konnte ich noch laufen, aber seitdem ich im Rollstuhl sitze, habe ich einfach ein Recht auf diesen Parkplatz.“ Mit seiner Anwältin hofft er nun besonders auf einen Termin mit den Verantwortlichen vor Ort. „Das wäre mir lieber als Schriftverkehr mit Fotos, die nicht einmal die Situation korrekt darstellen“, sagt er. „Vielleicht finden wir ja eine passende Lösung für alle Seiten.“

Von Patrick Eickhoff

Im Gewerbegebiet Rosengarten in Bad Vilbel wird sich einiges ändern. Die Firma Brother verlässt ihr angestammtes Domizil und macht Platz für eine Firma, die stetig wächst: Hassia.

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