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Bodenwelle auf der B3 (Symbolbild)

"Priorität falsch gesetzt" 

Tausende Autofahrer geblitzt: 596 Fahrverbote wegen B3-Bodenwelle  

Seit Kurzem gilt auf der B 3 hinter dem Preungesheimer Dreieck auch in nördlicher Richtung wieder "freie Fahrt", die Bodenwelle ist vorerst Geschichte. Für mehr als 3000 Autofahrer wird sie jedoch in Erinnerung bleiben, denn sie wurden geblitzt. Für den Bad Vilbeler Landtagsabgeordneten Jörg-Uwe Hahn ist das ein Affront.

Bad Vilbel - Der FPD-Landtagsabgeordnete Jörg-Uwe Hahn bezeichnet es in einer Mitteilung wohl nicht zu Unrecht als die "Zahl des Monats": Satte 596 Fahrverbote dürften im Zuge von Geschwindigkeitskontrollen an der Bodenwelle auf der B 3 bei Bad Vilbel ausgesprochen werden. Das ergab eine Anfrage, die Hahn, der auch im Vilbeler Stadtparlament sitzt, an das Hessische Verkehrsministerium gestellt hat. 

Demnach wurde auf dem Streckenabschnitt der Bundesstraße 3 zwischen dem Preungesheimer Dreieck und der Quellenstadt im Zeitraum von Juni 2018 bis April 2019 fünfmal geblitzt. Einmal im Dezember, zweimal im Februar und zweimal im April. Insgesamt 3357 Fahrzeuge gerieten dabei in die Radarfalle. 

Sauer: Jörg-Uwe Hahn

Gezählt wurden 778 Tempoverstöße die ein Verwarnungsgeld nach sich ziehen. Die Fahrer waren bis zu 20 Kilometer pro Stunde zu schnell unterwegs. Bis zu 30 Euro werden fällig. Hinzu kommen 2579 Fälle, in denen Strafen im Bußgeldbereich zu erwarten sind. Je nachdem, wie weit die Geschwindigkeit über dem Erlaubten lag, kann das außerorts bis zu 600 Euro kosten und bis zu zwei Punkte in Flensburg nach sich ziehen. 

Lokale Berühmtheit 

Ab 40 km/h über dem Tempolimit drohen außerdem Fahrverbote. Fast 600 werden es im Falle der B 3-Kontrollen sein. Wie hoch die Bußgeldsumme insgesamt ist, konnte das Ministerium wegen des hohen Aufwandes und der Kürze der Zeit nicht auswerten. Kurios ist der Fall, weil Hessen Mobil die Geschwindigkeitsbegrenzung auf dem betroffenen Teilstück der B 3 eigentlich nur übergangsweise hatte einrichten wollen. Normalerweise dürfen Autofahrer auf der zweispurigen und damit autobahnähnlichen Straße so schnell unterwegs sein, wie es ihnen gefällt. 130 km/h gilt nur als Richtgeschwindigkeit. 

Im April vergangenen Jahres beschädigte jedoch ein Telekommunikationsunternehmen bei Arbeiten an Leitungen unter der Bundesstraße die Fahrbahn. Es entstand eine Bodenwelle, die sich in der Folge zur lokalen Berühmtheit mauserte, weil sie mehr als ein Jahr lang nicht entfernt wurde. 

Es entbrannte ein Rechtsstreit zwischen der Firma, die den Schaden hinterlassen hatte, und Hessen Mobil. Letztere sah den Verursacher in der Pflicht, die Straße zu reparieren. Dieser weigerte sich aber so lange, bis die Straßenverkehrsbehörde nach wiederholter Kritik – unter anderem von Jörg-Uwe Hahn – die Initiative ergriff. 

Wer muss bezahlen? 

Ende diesen Junis wurden die Erneuerungsarbeiten in beide Fahrtrichtungen abgeschlossen. Die Bodenwelle ist vorerst Geschichte. Bis heute ist nicht abschließend geklärt, wer für die Maßnahmen zahlen muss. Hessen Mobil fordert, dass das Telekommunikationsunternehmen für seine Verfehlungen gerade steht. 

Verschwunden ist mit der Delle auch die vorübergehende Geschwindigkeitsbegrenzung. Hessen Mobil hatte aufgrund des Gefahrenpotenzials und um weitere Schäden zu vermeiden im Frühjahr 2018 Tempolimit 80 auf der hochfrequentierten Pendler-Route nach Frankfurt verhängt. Wie die Auswertung der Kontrollen jetzt zeigt, offenbar mit drastischen Folgen für viele unachtsame Fahrzeugführer. 

"Der Schaden bestand über ein Jahr. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen wurde dieser nicht repariert, aber blitzen, Bußgeldbescheide und Fahrverbote verhängen konnte man", kritisiert Hahn. Als ehemaliger hessischer Justizminister wisse er, dass Geschwindigkeitskontrollen an Gefahrenschwerpunkten sinnvoll seien. "Dennoch hätte das Verkehrsministerium proaktiv handeln und den Gefahrenpunkt schneller beseitigen lassen können", führt der Liberale aus. "So wurden die Prioritäten völlig falsch gesetzt." Er freue sich, dass auf der B 3 wieder freie Fahrt gelte, sei aber empört über die "langsame Abwicklung".

Alexander Gottschalk 

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