Urteil im Doppelmord-Prozess von Ilbenstadt ist gefallen

Bad Vilbeler bekommt lebenslang

Zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt das Gießener Landgericht den 59-Jährigen aus Bad Vilbel. Er hat im April vergangenen Jahres zuerst seinen Bruder erstochen und anschließend durch das Inbrandsetzen seines Elternhauses in Ilbenstadt auch noch seinen Vater umgebracht.

„Es ist eine schlimme Familientragödie, weil nicht nur zwei Mitglieder der Familie in der Nacht durch die Handlungen des Angeklagten ums Leben gekommen sind, sondern er ebenfalls von der Tat gesundheitlich schwer gezeichnet ist“, bemerkt Richterin Enders-Kunze am Ende der Urteilsverlesung im Doppelmord-Prozess gegen den 59-jährigen Bad Vilbeler. Neun Jahre Haft wegen Totschlages an seinem zwei Jahre jüngeren Bruder und lebenslang für den Mord an seinem 89-jährigen todkranken Vater bedeuten für den Mann, dass er zumindest die nächsten 15 Jahre nicht auf freiem Fuß verbringen wird.

Das Gericht sei im Wesentlichen der Staatsanwaltschaft gefolgt, allerdings habe es von der besonderen Schwere der Tat abgesehen, weil der Angeklagte durch die Tat nicht nur selber erheblich gesundheitlich geschädigt worden sei, sondern weil auch der Familie insgesamt unermessliches Leid zugefügt worden sei.

Anders als die Verteidigung, die auf Notwehr plädierte und deshalb lediglich wegen Brandstiftung eine Bewährungsstrafe für ihren Mandanten gefordert hatte, geht das Gericht in seinem Urteil davon aus, dass der Angeklagte in der Nacht vom 16. April 2016, nachdem ihm und seiner Schwester der Besuch bei dem sterbenskranken Vater vom Bruder untersagt wurde, mehrere folgenschwere Fehlentscheidungen getroffen hat.

Nach einem langen Telefonat mit seiner Lebensgefährtin sei er gegen 22 Uhr noch einmal zurück nach Ilbenstadt zum Elternhaus gefahren, um den Vater, egal wie, noch einmal lebend zu Gesicht zu bekommen. Weil er von dem erneuten Widerstand des Bruders ausging, habe er sich mit einem Messer mit einer 19 Zentimeter langen Klinge bewaffnet.

Er sei dann trotz Hausverbot in das Elternhaus eingedrungen und dort auf seinen Bruder gestoßen. Es muss dann sofort zu dem tödlichen Kampf gekommen sein, denn die waagerechten Einstiche in den Kopf des Bruders lassen keine andere Erklärung zu. Das Gericht werte die Einlassung des Angeklagten, er sei seinem Bruder in den Keller gefolgt und dann von ihm angegriffen und gewürgt worden, als reine Schutzbehauptung.

Es sei wenig glaubwürdig, dass der Bruder am frühen Abend dem Geschwisterpaar den Zutritt zum Haus mit allen Mitteln verwehrt habe und dann in der Nacht plötzlich unverrichteter Dinge in den Keller gegangen sei. Wenig Sinn ergebe es ebenso, dass der Angeklagte dem Bruder in den Keller gefolgt sei, wo doch der Weg zum Vater frei war. Das Gericht geht deshalb von einer vorsätzlichen Tötungshandlung durch den Angeklagten aus – zumal der Bruder nach Aussage der Gerichtsmediziner noch vier Stunden lang gelebt haben muss. Wenn die Tat im Affekt oder gar als Abwehrmaßnahme geschehen sein sollte, dann hätte der Angeklagte viel Zeit gehabt, um sich nach der Tat zu beruhigen und Hilfe zu holen.

Stattdessen habe er den Tod des Bruders abgewartet, ihn dann mit neun Schnitten und Sägevorgängen zerteilt, mit der Mülltonne zu seinem Auto gefahren und alle Tatwerkzeuge verstaut. Auch danach habe er sich nicht vom Gesundheitszustand des Vaters überzeugt, sondern zur Beseitigung der Tötungsspuren an seinem Bruder das Haus in Brand gesetzt.

Weil der Vater zu diesem Zeitpunkt noch gelebt haben muss und den Kampf zwischen den beiden Brüdern sowie die Beseitigung der Spuren des Geschehens durch den Angeklagten zumindest hätte hören können, schloss das Gericht das Mordmerkmal „Heimtücke“ aus, bejahte hingegen ein anderes Mordmerkmal, nämlich das zur Verdeckung einer Straftat.

Da der Angeklagte zur Tatzeit voll schuldfähig war, blieb dem Gericht keine andere Wahl als das Verhängen einer lebenslangen Gefängnisstrafe gegen den Angeklagten. Bis zur Rechtskraft des Urteils wird der Haftbefehl aufrechterhalten.

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