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Jörg Dreiling hat sich viel Mühe gegeben, um das Grab seiner Mutter ansprechend zu gestalten. Säcke mit Erde und Blumenkästen allein per Muskelkraft über den weitläufigen Parkfriedhof Heiligenstock zu transportieren, hält er aber für unnötig kompliziert. Er hat eine Idee, wie es leichter gehen könnte. 

An die Politik gewandt

Schlepperei erschwert Grabpflege

Jörg Dreiling hat keine Lust mehr, kiloschwere Erdsäcke und Blumenkästen über den Parkfriedhof Heiligenstock schleppen zu müssen. Der 52-Jährige hat mit der körperlichen Last zu kämpfen, die Grabpflege aufgeben will er aber auf keinen Fall. Deshalb hat sich der Bad Vilbeler jetzt mit einer findigen Idee an die kommunale Politik gewandt.

Bad Vilbel - Liebevoll hat Jörg Dreiling Zwergdahlien, Mädchenaugen, Dachwurz, Thymian und Nelken am Grab seiner Mutter arrangiert. Die Rosen hat er extra aus Steinfurth geholt. "Blumen hat sie sich immer gewünscht", sagt der 52-Jährige und geht in die Hocke, um die Pflanzen aus der Nähe zu begutachten. Es ist unschwer zu erkennen, wie viel Arbeit er in die Grabpflege steckt – weit mehr als sein müsste, wie Dreiling jetzt beklagt. 

Es ist ein heißer Juli-Vormittag. Auf dem Parkfriedhof Heiligenstock, gelegen am Ortsausgang des Bad Vilbeler Stadtteils Heilsberg, ist wenig los. Vereinzelt trotten Gärtner mit Gießkannen über die Wege, die Besucher verstecken sich im Schatten von Buchen und Eichen vor der Sonne. Es ist andächtig still am Gewann Neun, wo im März Dreilings Mutter beigesetzt wurde. 

Auch seine Schwiegereltern liegen hier begraben. "Das Grabfeld an sich ist wunderschön", sagt der Heilsberger und lässt sich auf eine Sitzbank nieder. Für ihn gibt es nur ein Problem: Den weiten Weg zum Haupteingang. Mit 17,4 Hektar Fläche und circa 7000 Grabstellen gehört der Parkfriedhof Heiligenstock zu den größeren der 37 kommunalen Frankfurter Anlagen. 

"Wenn ich älter werde, wie soll ich mich noch um die Grabpflege kümmern?"

Er befindet sich auf den Gemarkungen der Stadtteile Seckbach und Berkersheim. Dennoch haben auf dem Gelände wegen der direkten Nachbarschaft auch viele Bad Vilbeler ihre letze Ruhe gefunden. Berufsehre gekitzelt Fast täglich kommen Dreiling und sein Vater im Moment hierher. 

Der eine, um die Blumen zu wässern, die mit der Trockenheit zu kämpfen haben. Der andere, um seine Ehefrau zu besuchen. Bei seinem 82-jährigen Papa hat Dreiling, beobachtet, wie zehrend die knapp 300 Meter vom Parkplatz zu dem Grabfeld werden können. Nun fragt er sich: "Wenn ich älter werde, wie soll ich mich dann noch um die Grabpflege kümmern?" Dreiling hat Asthma. Erdsäcke, Blumenkästen und Werkzeuge quer über das weitläufige Gelände zu schleppen, fällt ihm zunehmend schwerer. 

"Das wird mir auf Dauer zu viel", sagt er. Mit dem Auto vorfahren dürfen nur Menschen mit Gehbehinderung. Ein Hintereingang ums Eck vom Gewann Neun ist abgeschlossen, der Weg dorthin zugewuchert. Der Blumenladen am Haupteingang hat nur zweimal die Woche geöffnet. Die Grabpflege jemand anderem zu überlassen, kommt für den Bad Vilbeler jedoch nicht infrage. Nicht nur weil es teuer wäre, jemanden damit zu beauftragen. 

Auch wegen seiner Berufsehre. Er arbeitet in einem Blumengroßhandel. "Die Mutter wünscht sich Blumen, der Sohn ist quasi Gärtner – wie sähe es denn aus, wenn ich das nicht selbst mache?", fragt Dreiling. Mehrmals im Jahr tauscht er die Bepflanzung auf den Gräbern seiner Familie aus. Beim nächsten Mal hofft er, sich nicht mehr so arg abrackern zu müssen. Er hat der Kommunalpolitik einen Vorschlag unterbreitet: 

Man könne auf dem Friedhof Heiligenstock doch ein Transportkarrensystem installieren. Drei Karren, die sich mit Münzgeld wie Einkaufswagen ausleihen ließen, wünscht er sich. "Das wäre ein Anfang und eine große Erleichterung", sagt Dreiling. Nicht nur für ihn selbst, glaubt er, sondern für alle Friedhofsgänger. Viel mehr als 1000 Euro werde das Projekt seiner Recherche nach nicht kosten. "Es wird für so viel Unsinn Geld ausgegeben. Warum nicht für so eine sinnvolle Sache?", fragt er. "Wir wollen doch alle, das die Friedhöfe sauber und gepflegt erscheinen." 

Ortsbeiräte gefragt

 Thomas Bäder, der im Frankfurter Römer für Friedhofsangelegenheiten zuständig ist, reagiert zurückhaltend. Ein Transportkarrensystem für den Heiligenstock könne man sich gut vorstellen, heißt es im Antwortschreiben. Auf kleineren Friedhöfen gebe es das schon. Aus Sicht der Stadt gehörten solche Wägen jedoch nicht zur Standardausstattung. 

Statt sie aus dem Gebührenhaushalt zu finanzieren, hätten in der Vergangenheit die jeweiligen Ortsbeiräte die Mittel bereitgestellt. Ganz nachvollziehen kann Dreiling diese Argumentation nicht. Mit dem Kauf der Gräber habe er sich verpflichtet, diese in Schuss zu halten. Im Gegenzug müsse das Friedhofsamt die passenden Rahmenbedingungen schaffen, findet er. 

Trotzdem hofft er, auf dem vorgeschlagenen Weg Erfolg zu haben. Formal zuständig ist der Ortsbeirat 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach), betroffen auch der Ortsbeirat 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim). 

Dessen Ortsvorsteher, Robert Lange (CDU) hat seine Unterstützung zugesagt und einen Prüfantrag in die Wege geleitet. Dreiling hofft nun, dass sich noch vor dem Winter etwas bewegt: "Ich will ja nichts Unmögliches."

von Alexander Gottschalk

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