1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Virtuose Gitarrenklänge

Erstellt:

Kommentare

jub_engelthal_310822_4c_1
Das Barrios Guitar Quartett mit Martin Wentzel, Kalin Yanchev, Eugen Drabynka und Ulf Borcherding (v. l.) präsentiert in der Klosterkirche der Benediktinerinnenabtei Kloster Engelthal die Vielfalt des Gitarrenspiels. © Andrea Schinzel

Im Veranstaltungskalender der Region hat sich die Altenstädter Gesellschaft für Geschichte und Kultur mit einem qualitativ hochwertigen Kulturprogramm längst einen Namen gemacht. Auch bei den 7. Engelthaler Musik- und Kulturtagen am vergangenen Wochenende wurde dem Publikum eine erstaunliche musikalische Vielfalt geboten.

Sie werden begeistert sein von der Leidenschaft und Präzision der Musiker. Sie werden Musik hören und erleben«, versprach Hans Erich Seum, Vorsitzender der Altenstädter Gesellschaft für Geschichte und Kultur (AGGK), bei der Begrüßung zum zweiten Konzrt der 7. Engelthaler Musik- und Kulturtage am Sonntagabend in der Klosterkirche der Benediktinerinnenabtei Kloster Engelthal. Zu Gast war das Barrios Guitar Quartet in dem von vielen Besuchern geschätzten Ambiente.

Am Abend zuvor war dort die Capella Musica aus Dresden zu Gast, die mit »Musik zum Sommernachtstraum« Werke von Vivaldi, Telemann, Mozart und Bach interpretiert hatte. Beide Ensembles mit ihren preisgekrönten Musikern zeichnen sich durch ihre Virtuosität und Spielfreude aus, bewiesen ein ganz unterschiedliches Ausdruckspotenzial.

Hans Erich Seum freute sich über den großen Zuspruch nach zwei Jahren coronabedingter Pause. »Am Samstag waren wir mit 170 Besuchern ausverkauft, Sonntag verbuchte Schatzmeister Manfred Hauke-Lühr etwas weniger«, berichtete Seum am Rande der Veranstaltung.

Und auch für nächstes Jahr versprach er bereits wieder »ein großartiges Programm«.

Bevor das Gitarrenensemble den Altarraum betrat, hieß Seum noch den Vorsitzenden der Sparkasse Oberhessen, Frank Dehnke, und Kommunikationschefin Stefanie Müller willkommen. Das Geldinstitut gehört neben Unternehmen der Region zu den Hauptsponsoren, die das beeindruckende Programmangebot möglich machen.

Klangerlebnis »unplugged«

Einen Dank richtete Seum auch an Äbtissin Elisabeth Kralemann, »dass sie uns wieder die Pforten ihrer Kirche geöffnet haben«. Und er würdigte das Engagement von Vorstandsmitglied August Trützler, der sich jährlich um das Programm kümmert und die Auswahl zusammenstellt.

Mit viel Beifall begrüßte das Publikum dann die vier Gitarrenvirtuosen. Ulf Borcherding, Eugen Drabynka, Kalin Yanchev und Martin Wentzel bescherten diesem ein abwechslungsreiches Klangerlebnis, unplugged, ohne jegliche Verstärker, auf ihren klassischen Gitarren, darunter auch eine Bass- und eine Barockgitarre. Die Kistentrommel, das sogenannte Cajon, sorgte für weitere Akzente.

Den Lobreden im Vorfeld ließ das Quartett Taten folgen und begeisterte seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit seiner Kunst. Die Musiker erschlossen mit ihren Instrumenten neue klangliche Dimensionen durch außergewöhnliche Arrangements und bewiesen beim Spiel eine unglaubliche Leichtigkeit und nahezu blindes Verständnis untereinander.

Für ihren Auftritt, den sie selbst moderierten, hatten sie Musik aus der Barockzeit bis hin zu Stücken zeitgenössischer Komponisten ausgesucht, die sie zum Teil für ihr Gitarrenspiel extra umgeschrieben haben, da nicht alle ursprünglich für Gitarre komponiert wurden. Wie die Fuge BWV 539 von Johann Sebastian Bach für die Orgel.

Die Vier wagten sich an Ausschnitte aus der Oper »King Arthur« von Henry Purcell, mit der Bassgitarre als »Sänger«. Für Klavier waren die »Variations sur une theme de Scriabine« von Alexandre Tansman. Und auch »Ein Abend in Grenada« von Claude Debussy »wurde nicht für Gitarre geschrieben. Wir haben uns erlaubt, das für uns zu arrangieren«, erklärten die Musiker. Wer der Phantasie freien Lauf ließ, fühlte sich wie auf einer spanischen Placa an einem lauen Sommerabend.

Sehnsucht nach Regen

Nach dem Ausflug in die Musik vergangener Jahrhunderte standen zeitgenössische Komponisten auf dem Programm. Den Auftakt machten Stücke von Stephen Goss, der selbst in Gitarrenensembles spielt. Es folgten Sequenzen aus »Estampas« von Federico Moreno. Dass Musik des Broadway-Komponisten George Gershwin auch auf der Gitarre gut klingen kann, bewies das Quartett ebenfalls und hatte sich für ein Prelude für Klavier entschieden »mit einem starken Bluesaroma«. Sehnsucht nach Regen kam auf bei der Komposition von Leo Brouwer »Landschaft mit Regen«, bei der sich erste Tropfen zu einem Gewitterregen entwickeln, großartig interpretiert von dem Quartett. Kulinarisch wurde es mit »Stir fry«, einer ins musikalische umgesetzten asiatischen Kochtechnik, von Dusan Bogdanovich. Und auch ein »Smoothie«, komponiert von Liro Rantala, durfte nicht fehlen,

Mit der Komposition »Summit« von Astor Piazolla beendete das Barrios Quartett seinen Auftritt in der Engelthaler Klosterkirche, durfte aber erst nach zwei Zugaben tatsächlich gehen.

Auch interessant

Kommentare