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Vision vom sozialen Wohnen: Suche nach einem Investor für Neubau

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Das Haus in der Schulstraße 30 ist seit einem Dreivierteljahr in der politischen Diskussion in Büdingen. Sozialer Wohnraum soll dort entstehen. © Petra Ihm-Fahle

Das städtische Gebäude in der Düdelsheimer Schulstraße 30 soll wieder dem sozialverträglichen Wohnungsbau dienen. Die Wohnungsbaugenossenschaft übernimmt das Projekt aber nicht.

Das Haus in der Schulstraße 30 im Büdinger Stadtteil Düdelsheim ist stark sanierungsbedürftig, insofern soll baulich dort etwas passieren. Bereits seit vergangenem Herbst spricht das Stadtparlament auf Initiative der SPD darüber. In dem Gebäude sind sechs Wohnungen angesiedelt, die die Stadt bis dahin vermietete. Die Mieten waren sozial verträglich.

Wegen des schlechten baulichen Zustands bot die Kommune den Bewohnerinnen und Bewohnern dann aber neue Wohnungen an, wofür sich Robert Preußer (CDU Düdelsheim) engagierte. Eine Instandsetzung gilt als wirtschaftlich uninteressant, Ziel ist, das Haus abzureißen und neu zu errichten.

Über die künftige Ausrichtung bestand nicht auf Anhieb Konsens. Denn nach Ansicht des städtischen Haupt- und Finanzausschusses sollten in einem Neubau nur noch die Hälfte der Wohnungen zu sogenannter bezahlbarer Miete zu haben sein. Manfred Scheid-Varisco hielt mit der SPD erfolgreich dagegen, unterstützt durch Preußer und die CDU.

Das Parlament beschloss daraufhin mehrheitlich, alle Wohnungen sozialverträglich zu vermieten. Die Rathausspitze sollte Verhandlungen mit der Wohnungsbaugenossenschaft Büdingen aufnehmen, um zu eruieren, ob Interesse an dem Projekt besteht. Falls nicht, soll der Magistrat einen anderen Investor finden (diese Zeitung berichtete).

Neubauprojekt nicht zu stemmen

Zum Kontakt mit der Wohnungsbaugenossenschaft ist es mittlerweile gekommen, wie Bürgermeister Benjamin Harris (CDU) auf Anfrage erklärte. »Es hat ein Gespräch stattgefunden. Dabei haben wir neben allgemeinen Themen der Zusammenarbeit auch das Thema Schulstraße 30 angesprochen.«

Laut dem Rathauschef ist die Wohnungsbaugenossenschaft sehr damit beschäftigt, die Bestandsgebäude bei Wohnungswechseln sukzessive zu sanieren, modernisieren und energetisch auf neuesten Stand zu bringen.

Von der Menge und dem personellen Aufwand sei es nicht zu stemmen, ein Neubauprojekt in Auftrag zu geben. »Interesse besteht zwar immer, aber in dieser Phase können sie es vom Zeitlichen her nicht leisten«, erläuterte Harris.

Nun müsse die Stadt ein anderes Konzept überlegen, um das Gebäude zügig abzureißen und neue Wohnungen zu errichten. »Einen Investor suchen wir momentan.

Das Bauamt ist beauftragt, alles Weitere in die Wege zu leiten«, sagte Harris. Allerdings gilt es in der Stadtverwaltung seinen Worten zufolge, Prioritäten zu setzen, »Feuerwehrbau und Hochwasserschutz sind priorisiert«. Das Vorhaben Schulstraße 30 werde angegangen, sobald es die personelle Situation zulässt.

Wohnungen im Eigentum der Stadt belassen

Der Düdelsheimer CDU-Mann Preußer freut sich, dass die bisherigen Bewohner durch die Stadt eine Wohnung bekommen haben. »Dafür habe ich mich engagiert«, sagte er. Das Haus sei nicht mehr bewohnbar gewesen, Preußer sprach von »unzumutbar«.

Das sieht laut dem Christdemokraten auch der Ortsbeirat so. »Gerade in einer Zeit, in der die Kosten für Energie und Mieten steigen, ist es wichtig, dass die Wohnungen im Eigentum der Stadt belassen werden«, sagte er gegenüber dieser Zeitung.

Dass das Gebäude vollkommen baufällig sein soll, bezweifelt Sozialdemokrat Scheid-Varisco. »Wie konnten dann bis zuletzt Menschen darin wohnen?« Er kann sich nicht vorstellen, dass die Kosten der Instandsetzung einen Neubau übersteigen, wie er erklärt. »Mein wichtigstes Thema ist aber, dass der soziale Wohnraum wieder zur Verfügung steht.«

Info: Nachbarn machten darauf aufmerksam

Den Stein ins Rollen brachte in Sachen Schulstraße 30 die städtische SPD. Im Rahmen der Sommertour von Bundestagsabgeordneter Bettina Müller kamen die Büdinger Sozialdemokraten im vergangenen September auch in den Stadtteil Düdelsheim, wie Fraktionsvorsitzender Manfred Scheid-Varisco schildert.

Auch durch die Schulstraße gingen die Genossen dabei. »Nachbarn sprachen mich an, was mit dem Haus wäre. Die Kündigungen dort sorgten für große Aufregung«, erzählt er. Das Thema war ihm vorher nicht bekannt, er habe sich anschließend damit beschäftigt. Wie sich herausstellte, war der Verkauf durch die Kommune bereits geplant.

Im November hielt er den ersten Redebeitrag in der Stadtverordnetenversammlung, wodurch er die Veräußerungsabsichten stoppen konnte.

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