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Visionen für eine Dorfmitte: Wohnen und Einkaufen

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Von: Petra Ihm-Fahle

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myl_BuergerversammlungOW2_4c © Petra Ihm-Fahle

Vielleicht ein Einkaufsladen oder gar ein Cafè? Die Besucher einer Bürgerversammlung sammelten für die Gestaltung des ehemaligen Nickel-Geländes Ideen. Vor allem interessierte der Wohnraum.

Nachdenklich steht Dr. Wilfried Schneider vor dem Plan des ehemaligen Nickel-Geländes. »Das war schon damals die Ortsmitte«, sagt der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste (BL). Schneider lebt im Niddaer Stadtteil Ober-Widdersheim und ist zur Sondersitzung des Ortsbeirates, einer Bürgerversammlung, gekommen. Es geht um die Entwicklung für die Fläche an der Unter-Widdersheimer und der Basaltstraße. Zwischen 60 und 70 Bürgerinnen und Bürger sind da, um zu hören, was die Kommune auf der städtischen Fläche plant. Ziel ist, wie Ortsvorsteher Michael Theel erklärt, Ideen für die Zukunft Ober-Widdersheims einzubringen.

Wohnraum und Dorfmitte anvisiert

Dreh- und Angelpunkt der Überlegungen sind zwei Aspekte. Zum einen ist dies eine anvisierte Wohnbebauung, insbesondere soll aber eine neue Dorfmitte im Fokus der Veranstaltung stehen. Das ist ein geplanter Platz an der Ecke der Unter-Widdersheimer -und Basaltstraße, vielleicht 20 mal 20 Meter groß, mit einem L-förmigen Gebäude. Das Bauwerk könnte im Erdgeschoss diverse Nutzungen für die Dorfgemeinschaft bieten und darüber Raum für Wohnen im Alter oder ähnliche soziale Zwecke.

Was die danebenliegende Wohnbebauung betrifft, sollen zwischen Straße und Schienen Doppel- und dahinter Reihenhäuser entstehen, getrennt durch Hinterhöfe. In ihrer Bauweise sollen sich neue Häuser - modern interpretiert - ans Dorfbild anpassen. Gegenüber, auf einem Geländestreifen in Richtung Basaltwerk, sieht die Stadt Einfamilienhäuser vor.

Als noch Bäcker und Metzger da waren

Laut dem künftigen Fachdienstleiter für die Bauverwaltung, Pablo Hildebrandt, will die Stadt Nidda die Bauplätze erschließen und idealerweise direkt an Privatpersonen verkaufen. Das Ganze soll für die Bauinteressenten erschwinglich bleiben.

In einer Pause schreiben die Bürger Ideen auf farbige Klebezettel und befestigen sie an die aushängenden Pläne. »Kneipe«, »Büchertausch« und »Co-Working-Space« sind einige der Stichworte.

Schneider lebte als Kind genau gegenüber von dem geplanten neuen Platz. Dort steht sein Elternhaus. Noch gut erinnert er sich an die Zeit, als Bäcker und Metzger nur ein paar Schritte entfernt lagen. »Und da war die alte Schule«, zeigt er auf ein Gebäude im Plan. Heute gibt es in Ober-Widdersheim keine Geschäfte mehr. Vorhanden sind Schule, Kita, Spielplätze und zwei Bahnhöfe. Das Dorf hat Potenzial zur Weiterentwicklung, schon aufgrund der Bahnanbindung und der Nähe zur Autobahn.

Ein Schallschutz ist erforderlich

Die drei Geräuschquellen Bahn, Basaltstraße und Basaltbetrieb machen laut Stadtplaner Matthias Rück aus Linden einen Schallschutz erforderlich, beispielsweise Lärmschutzfassaden und -fenster. Die Bürger wirken interessiert, in den Gesichtern liegt eine Mischung aus Skepsis und Wohlwollen. Dass die Stadt ihr Grundstück voraussichtlich auf eigene Faust vermarkten will, um die Preise moderat zu halten, kommt offenbar gut an. Die Zuhörerschaft ist denn auch eher am Thema Wohnbebauung interessiert, als an dem Dorfplatz. Was wird ein Bauplatz kosten? Wie viele Neubürger kommen? Reichen die Parkplätze? Wie ist die Erreichbarkeit der Kreisstraße, wenn auf dem Gelände gebaut wird und die Bahnschranke geschlossen ist?

Die Nahversorgung ist ein Thema

Am Ende appelliert Ortsvorsteher Theel, Ideen für die Ortsmitte einzubringen. Für einen Festplatz sei die Fläche zu klein, darüber ist sich die Versammlung einig.

Vor allem die Nahversorgung ist aber ein Thema. Ein Mann schlägt vor, Verkaufsautomaten und ein kleines Café zu etablieren. Eine Frau regt an, den Verkauf besser durch ehrenamtliche Kräfte zu stemmen. Ein Mann bringt die Jugend ins Spiel, vielleicht durch ein Jugendzentrum mit Platz für die Schulbetreuung. Um die Kinder und Jugendlichen zu erreichen, sollte die Stadt nach Ansicht einer Frau auf moderne Abfrage-Methoden im Internet setzen. Wie Ortsvorsteher Michael Theel bekräftigt, sind junge Menschen auf jeden Fall eingeladen, sich in den Prozess einzubringen.

Die Versammlung ist beendet. Auch Wilfried Schneider geht nach Hause, den Kopf voller Erinnerungen.

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myl_BUergerversammlungIde_4c © Petra Ihm-Fahle
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myL_BuergerversammlungOW5_4c © Petra Ihm-Fahle

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