Ministerpräsident nimmt Bauern gegen Kritik in Schutz

Volker Bouffier besucht landwirtschaftlichen Betrieb in Butzbach

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Die Kampagne des Bundesumweltministeriums, in der etwa von zu viel Dünger oder von zu kleinen Ställen die Rede ist, bewogen Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gestern zum solidarischen Besuch des Lindenhofs in Butzbach-Nieder-Weisel. Beim Morgenspaziergang mit Natur- und Tier-Impressionen machte der Landesvater den Bauern Mut.

Ein Traktor brummt, Vögel zwitschern. Die Teilnehmer des Rundgangs über den Lindenhof von Bernd und Jan Winter im Butzbacher Stadtteil Nieder-Weisel haben feste Schuhe an. Besonders fest ist das knöchelhohe Schuhwerk der Landwirte, die mit der Gruppe auf Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) warten. Dabei ist auch der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal. Um 9 Uhr soll es losgehen mit dem Rundgang über den Ackerbaubetrieb mit Schweinehaltung, Direktvermarktung und Biogasanlage, der mit den benachbarten Bauernhöfen von Norbert Reitz und Burkhard Zimmer kooperiert.

Pünktlich fährt die Limousine aus Wiesbaden vor, Bouffier sagt „Guten Morgen“. Anlass des Besuchs ist das förmlich formulierte Thema „Perspektiven der Tierhaltung in Hessen“, aber der Ministerpräsident spricht gleich Tacheles. „Was die Bundesumweltministerin gemacht hat, ist ein Schlag ins Gesicht.“

Es gehe nicht an, einen Berufsstand auf die „Seite der Deppen“ zu stellen, so seine Meinung zu den „neuen Bauernregeln“ von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), einer Plakatkampagne mit Sprüchen wie „Zuviel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt“ und „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.“ Das war bei Landwirten auf heftige Kritik gestoßen, unter anderem beim Hessischen Bauernverband. Auch vorzuschreiben, wie man sich zu ernähren habe, beispielsweise vegan, hält der Ministerpräsident für falsch. „Das sind Symbolhandlungen, die das Klima nicht retten – das kann es nicht sein.“

Auf dem Hof der Winters werden Schweine gehalten: 80 Zuchtsauen, 350 Mastschweine, 250 Ferkel und ein Zuchteber. Der Lindenhof ist EU-Schlachtbetrieb, „der Wetteraukreis hat uns dabei geholfen“, schildert Bernd Winter. Im Hofladen werden die Produkte verkauft. An Haken hängen Würste, in den Regalen stehen viele andere Leckereien. Die Politik müsse sich kümmern, sagt Bouffier, kommt auf den Zukunftspakt Landwirtschaft der Landesregierung zu sprechen: „Wir haben ein klares Bekenntnis, dass die Landwirtschaft eine Zukunft hat.“ Die Politik habe starkes Interesse am Fortbestand der landwirtschaftlichen Betriebe, „es geht nicht nur um die Produktion, sondern um die Pflege der Landschaft und der Tiere.“ Der Hofladen gefällt Bouffier, „das hier ist ja ein Multi-Betrieb“, sagt er anerkennend. Es gelte, solche Initiativen zu stabilisieren und die Betriebe zu begleiten.

Anschließend geht es in die Stallung. Der Blick fällt auf den einzigen Zuchteber, danach besichtigt die Gesellschaft die Kastenstände, in denen die Zuchtsauen für drei bis vier Wochen in ihrem Gestell liegen oder stehen, sofern sie geworfen haben. Die Ferkel liegen unter einer Wärmelampe. „In dem Kastenstand muss die Sau sein, damit die Ferkel eine Chance haben, auszuweichen“, erläutert Bauernpräsident Schmal. Andrea Rahn-Farr vom Regionalbauernverband Wetterau/Frankfurt ergänzt: „In Haltungen, die auf einen solchen Stand verzichten, haben sie 30 Prozent Ferkelverlust.“

Sauen, die nicht gerade kleinen Nachwuchs haben, können auch ins Freilaufgehege – wenn sie das wollen. Da es unter Schweinen eine Rangordnung gebe und auch schon mal „gezickt“ werde, wie Rahn-Farr sich ausdrückt, haben die Tiere oft das Bedürfnis, sich zurückzuziehen. Nach einem Imbiss mit Wurst und Brot lobt Bouffier die Landwirte für ihren unternehmerischen Geist, Mut und den hohen Einsatz, bevor er sich verabschiedet.

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