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Vom Acker ins Gasnetz

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Von: Sabrina Dämon

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Das Areal der Biogasanlage in Berstadt. © Sabrina Dämon

Seit 2012 betreibt die Ovag-Gruppe in Berstadt eine Biogasanlage. Angesichts der aktuellen Erdgas-Situation rückt das Thema Biomethanerzeugung in den Fokus. Die Betriebsleiter berichten, wie die Anlage funktioniert, wieso nicht mehr Biogas erzeugt wird und wie die Betreiber der »Tank oder Teller«- Debatte begegnen.

Es ist nicht ganz so einfach, wie es klingt: »Dass vorne die Biomasse rein- und hinten das Gas rauskommt«, sagt Michael Schmidt. Dazwischen laufen viele Prozesse ab. Aber letztlich, erklärt der Betriebsleiter der Biogasanlage in Berstadt, funktioniert es nach diesem Prinzip: Aus Biomasse, sei es Mais, Hirse oder Gülle, wird in der Anlage Gas erzeugt und so aufbereitet, dass es ins Erdgasnetz eingespeist werden kann.

In diesem September sind es zehn Jahre: 2012 ist die Anlage in Betrieb genommen worden. Das Areal ist fünf Hektar groß, die eigentliche Anlage steht auf einem Hektar. An 365 Tagen wird hier Biogas erzeugt. In Energieeinheiten: rund 38 000 Megawattstunden. Das, erklärt Dr. Hans-Peter Frank von der Ovag, entspricht etwa dem Jahreserdgasverbrauch von 2000 Haushalten (in der Theorie könnte damit ein Fünftel von Wölfersheim versorgt werden). Zum Vergleich mit der Gesamtmenge, die durch das Netz des regionalen Versorgers Oberhessengas Netz fließt: 648 000 Megawattstunden, wie Frank berichtet. »Das hier erzeugte Biogas entspricht damit rund 6 Prozent dieser Menge.«

21 500 Tonnen Mais pro Jahr

Dass es nicht mehr sei, liege nicht an der Anlage selbst bzw. fehlender Erweiterung, sondern an den gesetzlichen Auflagen (siehe Info).

Der größte Teil der Biomasse ist Mais - pro Jahr rund 21 500 Tonnen. Zudem Hirse (3500 Tonnen), Putenmist (1500 Tonnen) und Rinder- und Schweine-Gülle (9000 Tonnen). Gülle und Putenmist werden das ganze Jahr über von Landwirten aus der Umgebung geliefert. Hirse- und Maislieferungen beschränken sich auf die Erntezeit. »Deswegen müssen wir sicherstellen, dass wir immer genug Substrat haben«, sagt Frank. Auf dem Areal der Anlage sind daher große Silos, in denen Mais aus dem Vorjahr gelagert wird. Wie Betriebsleiter Schmidt berichtet, beliefern 60 Landwirte aus der Umgebung die Anlage. Dass sie aus der Nähe kommen, sei wichtig - die Transporte zur Anlage sollen maximal zwölf Kilometer lang sein. Andernfalls wäre die Rechnung absurd: Einerseits Biogas erzeugen, andererseits Unmengen an Diesel verfahren.

Eine Kontroverse, die beim Thema Biogas aufkommt, ist die »Teller oder Tank«-Frage. Doch, sagt Stefan Hammer, auch Geschäftsführer der Anlage, gerade in der Wetterau sei diese Debatte hinfällig: »Hier gibt es nur noch wenig Tierhaltung.« Der Futtermais, der hier angebaut werde, könnte ohnehin nicht komplett verfüttert werden. Klar ist aber auch: Auf Äckern angebaute Pflanzen für die Energieerzeugung stehen in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Hammer entgegnet: »Der Anbau von Mais ist günstig für die örtliche von Weizen dominierte Fruchtfolge.« Und der empfohlene Anteil der Ovag pro Hof liege bei 10 Prozent der Anbaufläche.

Unabhängig von Sonne und Wind

Zur Erntezeit ist auf dem Anlagen-Areal viel los. Traktoren mit Hängern voller Mais kommen und fahren zum »Mais-Hügel« oder, wie der offiziell heißt: Fahrsilofläche. Dort laden sie ab. Andere Traktoren fahren über den Hügel - »um die Masse zu verdichten«.

Das verdichtete Substrat kommt in einen der Fermenter - in denen es mithilfe von Bakterien und unter Ausschluss von Sauerstoff gärt, erklärt Frank. »Von dort wird das gesamte flüssige Substrat, das nach rund 45 Tagen weitgehend ausgegärt ist, mithilfe einer Pumpanlage in die Nachgärer und dann in die Endlager gepumpt. Auch aus diesen Behältern werden noch die restlichen entstehenden Gase dem Aufbereitungsprozess zur Einspeisung zugeführt.«

Ein Teil des Rohbiogases werde direkt auf der Anlage zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt, der deutlich größere Teil werde zu Biomethan in Erdgasqualität aufbereitet. Dazu sind einige weitere Schritte notwendig ,es gibt u. a. eine Gasaufbereitungsanlage - damit das Biomethan direkt ins Erdgasnetz eingespeist werden kann.

Die in diesen Prozessen entstehenden Gärreste können als Dünger im Ackerbau verwendet werden.

Fünf Mitarbeiter sind in Berstadt beschäftigt und sorgen dafür, dass der Betrieb rund um die Uhr läuft. Sollte es zu einer Störung kommen, erhalten die Betriebsleiter eine Nachricht auf ihr Handy. So können sie von überall sehen, welches »Rädchen im Getriebe« den Fehler verursacht, und eingreifen.

Größere Zwischenfälle habe es in Berstadt noch nicht gegeben. Die Anlage unterliege höchsten Sicherheitsstandards und werde regelmäßig kontrolliert.

Der Vorteil von Biogasanlagen, wie Schmidt sagt: »Sie laufen jeden Tag, unabhängig von Wind und Sonne.«

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Stefan Hammer (l.), Dr. Hans-Peter Frank (M.) und Michael Schmidt erklären die Funktionsweise der Biogasanlage, die auf einem fünf Hektar großem Areal am Ortsrand von Berstadt steht. © Sabrina Dämon

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