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Vom Schicksal zweier alter Mühlen in Nidda

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»Ein uralter Stich« ist diese Ansicht der Krötenburg, die in dem Band »Geschichte der Familie Berg« dokumentiert und in einer Abbildung auch im Heimatmuseum zu sehen ist. FOTOS: WILLFÜHR © Corinna Willführ

Die Räder zweier Mühlen drehten sich früher in Nidda. Doch während das Mühlrad der Stadtmühle ein häufig verwendetes Fotomotiv ist, finden sich kaum Hinweise auf die ältere Krötenburgmühle.

N idda - die Stadt am Fluss - hat viele historische Sehenswürdigkeiten: die Johanniterkirche, das Schloss, die Stadtkirche, das Heimatmuseum im ehemaligen Stadtwirtshaus »Zum goldenen Stern«, den Marktplatz, die Fachwerkhäuser der Altstadt. Eine weitere befindet sich direkt am Fluss: das Wasserrad der Stadtmühle.

Bis ins Jahr 1537 reicht die Geschichte der vorindustriellen Produktionsstätte »als Mahlmühle mit zwei Gängen« zurück, wie dem Mühlenkataster zu entnehmen ist. Mit Unterstützung des Rotary-Clubs konnte das Rad 2016 wieder instandgesetzt werden - und ist heute eine Attraktion an einer »markanten Eingangslage der Stadt«, der damit »auch ein städtebaulicher Erhaltungswert zukommt«, wie es in der Chronik »Nidda - Die Geschichte einer Stadt und ihres Umlandes« heißt. Damit es heute bestaunt werden kann, musste das Rad komplett überholt werden. So galt es für die Firma Gockenbach Kraftwerkservice GmbH, eine neue Welle und neue Rosetten anzufertigen. »Da der ehemalige Raum für die Welle nicht mehr zur Verfügung stand, ist das Wasserrad von uns auf eine hydrostatische Kraftübertragung umgebaut worden«, heißt es auf der Homepage des Unternehmens.

Den Eindruck einer Fachwerkidylle vermittelt das Gebäude längst nicht mehr. So heißt es im Jahr 1937: »Wohl rauscht auch hier ein Mühlenbach vorbei, das Mahlwerk poltert im Innern und in Winkeln geistern kleine Mühlenkobolde, aber von außen gesehen ist es ein nüchterner Bau.« Vor dem sich indes von der Brücke schöne Blicke auf das Wehr und zur anderen Seite bis zur Johanniter-Anlage ergeben. Ein Ort, der für die Planer des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (Isek) Potenzial hat, um als Aufenthaltsort für Bürger wie für Besucher noch attraktiver zu werden. Befindet sich doch gegenüber des Mühlrads auf der Hauswand eine Plakette, die eine weitere Bedeutung dieser Stelle in der Stadtgeschichte markiert: den Standort der Münzpräge.

Zerstörung im 30-jährigen Krieg

Weil sich das Wasserrad wieder dreht, dürfte die Stadtmühle die bekannteste ihrer Art in Nidda sein. Die älteste Mühle ist indes die Krötenburgmühle. Sie wird erstmals 1319 erwähnt, hatte gleich zwei Wasserräder und wurde im Laufe der Jahrhunderte als Getreide-, Schlag-, Loh- und Walkmühle genutzt. Erster Besitzer war der Johanniter-Orden, dessen Geschichte heute in der Stadt mit Turm und Kirche präsent ist. Die Mühle indes gibt es in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr. Während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) vernichtete ein Brand alle Gebäude.

Reinhard Pfnorr, Leiter des Heimatmuseums Nidda, hat die Namen der Mühlenbesitzer nach ihrem Wiederaufbau ab 1800 zusammengestellt. Von 1918 bis 1966 gehörte sie den Familien August und Wilhelm Mann. Auch wenn sie ihre eigentliche Funktion nicht mehr erfüllte, betrieben Gero und Idis Gaede, geborene Mann, über viele Jahre dort noch die »gern besuchte, idyllisch gelegene Gastwirtschaft ›Zur Krötenburg‹«. Der Name hat sich erhalten. Ein gleichnamiges Schild weist heute den Weg zu einer Reitsportanlage.

Zwei große Mühlen nicht weit voneinander entfernt, das konnte nicht konfliktfrei ablaufen. Gab es doch bis 1819 den Mühlenzwang. So waren die Einwohner Niddas auf die Stadtmühle »gebannt«. Der Mühlenzwang verpflichtete die Untertanen eines Grundherrn, ihr Getreide nur in ihrer Bannmühle mahlen zu lassen. Eine schwierige Lage für Johannes Schmidt als Pächter der Krötenburgmühle, der, nachdem diese 1634 total vernichtet worden war, drei Jahrzehnte später versuchte, »zu seinem Mühlenbann über das Dorf Wallernhausen noch den über Kohden zu bekommen.«

Anregung für Landesgartenschau

Aus der Historie der Niddaer Mühlen gibt es viele Geschichten zu berichten: von Armut und Reichtum, Rechten und Verpflichtungen, Sozial- und Industriegeschichte »Der Stadt am Fluss« (und ihrer Stadtteile). Wenn 2027 die erste hessische interkommunale Landesgartenschau in Oberhessen veranstaltet wird, wäre die Mühlen-Historie ein interessanter Aspekt in »Einer Landschaft geprägt von Wasser«.

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Ein beliebtes Fotomotiv ist das sich drehende Wasserrad der Stadtmühle, das 2016 wieder instandgesetzt wurde. © Corinna Willführ

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