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»Von Bach ist jedes Stück ein Hit«

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Von: Hanna von Prosch

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Ehrgeiziges Projekt: Kantor Frank Scheffler (l.) hat Bachs sämtliche rund 220 Orgelwerke noch auf der alten Walcker-Orgel gespielt. Beim Abschlusskonzert am Sonntag, 20. November, moderiert noch einmal Prof. Albrecht Beutelspacher. © Hanna von Prosch

Frank Scheffler ist einer der wenigen Organisten in Deutschland, die sich des kompletten Bachzyklus’ angenommen haben. Ein sehr ehrgeiziges Projekt. Am Sonntag, 20. November, beschließt der Kantor in der Dankeskirche den Zyklus. Damit hat er nach mehr als zwei Jahren in verschiedenen Konzerten alle Orgelwerke Bachs gespielt. Zeit für einen Rück- und Ausblick.

Was hat Sie dazu bewegt, sich diesen rund 220 Orgelkompositionen zu widmen?

Mir ging es darum, aus der inzwischen schwierigen Orgelsituation in der Dankeskirche noch das Beste für mich und die Zuhörenden herauszuholen. Romantische Werke waren einfach nicht mehr spielbar und so wollte ich das Machbare ausloten. Außerdem war es für mich als Organist sehr reizvoll, dieses große Werk in seiner Gesamtheit in Angriff zu nehmen.

Mussten Sie Kompositionen neu oder wieder einstudieren?

Ich hatte etwa die Hälfte aller Bach’schen Orgelkompositionen schon einmal gespielt, manche sogar sehr gründlich. Aber es blieben mir trotzdem noch über 100 Kompositionen mit etwa acht bis neun Stunden Spieldauer neu zu lernen und den Rest bis zur Konzertreife zu üben. Das war im laufenden Modus mit vielen anderen parallelen Aufgaben anspruchsvoller, als ich dachte.

Was sind Ihre Lieblingskompositionen aus dem Bach’schen Orgelwerk?

Die Triosonaten und der Dritte Teil der Clavierübung mit dem großen Präludium und Fuge Es-Dur gehen mir besonders nahe. Auch das Orgelbüchlein ist mir sehr wertvoll. Aber von Bach ist beinahe jedes Stück auf seine Art ein »Hit«.

Gab es Resonanz aus dem Bad Nauheimer Publikum auf diesen Zyklus?

Es gab häufig sehr positive Resonanz. Manchmal auch die Bemerkung: »Vor 50 Jahren hat man das alles langsamer gespielt.« Und immer wieder die Frage: »Wie wird das erst auf der neuen Orgel klingen?«

Was macht Bachs Orgelmusik so einmalig und faszinierend?

Es ist mir nicht gegeben, das in Worte zu fassen. Es ist eine ungeheure geistige und seelische Größe, die in dieser Musik durchscheint. Und eine enorme Tiefe, emotional und theologisch.

Die Orgel in der Dankeskirche ist schon seit etlichen Jahren nicht mehr voll einsatzfähig. Haben Sie bei Konzerten Überraschungen erlebt? Wie sind Sie mit den Herausforderungen umgegangen?

Das hat mich immer wieder an meine Grenzen gebracht. Beim vorletzten Konzert sind drei Pedaltöne ausgefallen. Wirklich immer hingen Register oder Koppeln. Teilweise hat die Orgel kurz vor dem Konzert ganz ihren Dienst versagt. Da half mir nur der Blick nach vorn.

Was haben Sie sich für den letzten Teil aufgehoben?

Die wunderbaren sechs Schübler-Choräle, das große Präludium und Fuge in e-Moll sowie die sogenannte »Geigenfuge« in d-Moll. Dazu noch ein Präludium in a-Moll aus Bachs Lüneburger Zeit. Ein Programm, das zum Ewigkeitssonntag passt, aber eher hoffnungsvoll als traurig klingt.

Werden Sie andere Konzerte anbieten können, bis die neue Klais-Orgel erklingen wird?

Die lange Zeit der Orgel-Solokonzerte auf der Walcker-Orgel, die seit 1965 ein Markenzeichen für die Musik in der Kurstadt waren, wird mit dem 20. November erst einmal enden. Dann bleiben uns für eineinhalb Jahre noch Chorkonzerte, Cembalokonzerte und Konzerte, in denen die Orgel noch begleitend oder gar nicht zu hören ist.

Was schwebt Ihnen außerdem vor?

Ich plane die Weiterführung der Bach-Reihe mit allen Klavierwerken auf dem Cembalo. Und schon jetzt dürfen sich alle Kirchenmusikliebhaber auf die Saison 2024/2025 freuen, in der bereits die neue Orgel erklingen kann, wenn alles nach Plan läuft. Das wird wunderbar werden.

Dabei sind auch Benefizkonzerte?

Ja, unbedingt. Wir sind sehr dankbar, dass es Solisten und Ensembles gibt, die uns hochkarätige Benefizkonzerte anbieten. So kommen zum Beispiel am 20. Januar 2023 der Cellist Manuel Fischer-Dieskau und seine Celloklasse der Musikhochschule Mainz mit einem Requiem für den Wald, ein aktuelles Thema, behandelt in einem 50-minütigen Werk aus Lyrik, Gemälden und Musik, die er selbst komponiert hat. Fischer-Dieskau ist ja auch Unterstützer des Orgelprojekts.

Was ist dahingehend geplant?

Ein weiterer Höhepunkt wird am 7. September 2023 das Konzert des großen Kammermusikensembles der Bundeswehr mit einem klassischen Programm sein. Benefizkonzerte sind fester Bestandteil unserer Spendenkampagne für die neue Orgel in der Dankeskirche. Denn uns fehlen noch knapp 300 000 Euro bis zur Fertigstellung 2024.

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