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Von Ortenberg nach Disney World in Florida

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Sein Debüt-Album war ein Erfolg, und nun geht es weiter in den USA: Sammy Milo wird in Disney World in Orlando/Florida acht Wochen lang mit seiner Band die deutsche Musik repräsentieren. © Ingeborg Schneider

In der Pandemie, die anderen Künstlern schwer zusetzte, veröffentlichte Sammy Milo aus Ortenberg sein Debüt-Album und feierte Erfolge. Nun steht eine weitere Karrierestufe an - in den USA.

E r legte bei der Frankfurter Jazzlegende Michael Sagmeister sein erstes Staatsexamen ab und erhielt zahlreiche Auszeichnungen für sein Album »20«. Aktuell setzt Gitarrist und Singer-Songwriter Sammy Milo aus Ortenberg mit seiner Band zum Sprung über den großen Teich an: Acht Wochen lang werden die jungen Musiker deutsche Songs im Disney World Resort in Orlando/Florida präsentieren. Vor dem Start der Traumreise sprach diese Zeitung mit Sammy Milo über seine Anfänge, die Zäsur durch die Pandemie und die große Vorfreude.

Wie prägte Sie Ihre Kindheit in Ortenberg musikalisch?

Durch meine Eltern waren meine Kindheit und Jugend durchweg musikaffin. Speziell durch meinen Vater Georg Crostewitz, der ebenfalls Gitarrist ist, kam ich in den Genuss von George Benson, Pat Metheny, Joe Pass, Jimi Hendrix, Eric Clapton und ihren Songs. Als ich drei Jahre alt war, schenkte mir mein Vater eine Plastikgitarre, die von da an immer mit mir am Start war. Seit ich denken kann, war ich mit meinem Vater auf Tour - das ging so weit, dass ich mich einmal ohne sein Wissen mit der Plastikgitarre auf die Bühne hinter ihn schlich und so tat, als würde ich mitspielen. Zu meinen persönlichen Heroes gehören John Mayer und D’Angelo.

Was bedeutet es für Sie, selbst Kinder im Rahmen musikalischer Früherziehung zur Musik zu bringen und junge Gitarristen an der »Rock Pop Jazz Academy of Music« auszubilden?

Es macht großen Spaß, an der RPJAM zu unterrichten. Die Studierenden sind total wissbegierig, ich wiederum liebe es, zu missionieren, meine Erfahrungen als Musiker weiterzugeben und auch mein Wissen, das ich durch mein Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt erlangte. Es ist toll, junge Musiker und Musikerinnen auf ihrem Weg zu fördern und zu unterstützen.

Viele Künstler denken ungern an das Corona-Jahr 2020 zurück - Sie nutzten es, um Ihr erstes eigenes Album zu produzieren und erfolgreich auf den Markt zu bringen, das bezeichnenderweise »20« heißt. Was verlieh Ihnen diesen Schwung?

Der Schwung bestand einfach in der Zeit, die ich hatte. So konnte ich meine vielen Ideen und Demos endlich produktiv in Musik umwandeln und die Songs selbst im Homestudio produzieren. Dieser Prozess ist quasi Quarantäne - man ist 24/7 im Studio am Arbeiten. Ansonsten legte ich mein Erstes Staatsexamen an der Hochschule für Darstellende Kunst und Musik bei Professor Michael Sagmeister ab und meine Examensarbeit über Jimi Hendrix. »20« heißt das Album, weil 2020 für mich ein musikalischer und persönlicher Meilenstein war und außerdem, weil meine Mama an einem 20. Geburtstag hat.

Was sind die Charakteristika von »20« und wovon erzählen die Songs?

Ich denke wenig in Schubladen, aber wenn ich meinen Stil beschreiben müsste, sage ich: »Ich mache Popmusik, die Funk-, Jazz und Soul-Elemente atmet.« Meinen Mix aus Funk, Jazz und Neo Soul gibt es so in der deutschen Musiklandschaft nicht. Tatsächlich schrieb ich die Texte erst auf Englisch. Auf Deutsch zu schreiben, empfinde ich als viel schwieriger, weil man sich erstens extrem nackt macht und zweitens 1000 Gedanken im Kopf hat, was man wie genau ausdrücken möchte. Denn man muss schauen, wie man das Ganze poetisch verpackt, ohne es zu sehr zu verbildlichen, da es sonst sehr schnell »schlageresk« klingen kann. Und das macht die Sache spannend. Ich lasse den Zuhörern gerne ihren Interpretationsspielraum. Die Songs sind alle autobiografisch und erzählen eine persönliche Geschichte. Natürlich ist die Liebe ein Riesenthema. Das Schöne an diesem Gefühl ist, dass es so viele verschiedene Perspektiven bietet, die man nur musikalisch verarbeiten kann - zumindest ist dies bei mir so. Musik ist Medizin für mich.

Wer war an der Produktion des Albums beteiligt?

Ein großer Dank geht an Tom Krüger, der das Mastering übernahm. Er ist ein renommierter Produzent und arbeitete mit Kalibern wie Fanta 4, Jan Delay, Yvonne Catterfeld und Max Herre zusammen. Ansonsten ist Tony Lakatos, der Lead-Saxofonist der HR-Big-Band dabei, Jazzpreisgewinner 2021, der etwa bei Max Herre und Max Mutzke spielt. Bastian Rossmann spielte die Drums ein und Marc Inti Männel bei zwei Stücken den Bass.

Wie fühlen sich die Erfolge von »20« und die folgenden Auszeichnungen an - und wie nahm Disney mit Ihnen Kontakt auf?

Ja, das Album konnte Erfolge feiern. Es schaffte es auf offizielle Online-Playlisten wie »Bravo Hits 2021«, »Deutsch Pop Spotify«, »Deutsche Charts 2020 & 2021« - und war für einen Tag auf Platz 33 der deutschen Album-Hitparade in Deutschland, ebenso in der Bravo Hits Playlist. Zudem habe ich mit dem Album den Deutschen Pop- und Rockpreis gewonnen in den Kategorien: »Bester Deutscher Singer & Songwriter« und »Bestes Album des Jahres 2021«, wodurch Disney auf mich aufmerksam wurde. Acht Wochen deutsche Musik in der Disney World Orlando zu repräsentieren, das wird eine Klassenfahrt für die Jungs und mich. Am Schlagzeug wird Jonatan Schuchardt zu hören sein, am Bass Steffen Worch und an den Keys Alexander Isenhardt.

Was erwartet Sie und Ihre Bandkollegen in den USA?

Ich hoffe, wir haben neben dem Musikmachen die geilste Zeit. Ich bin gespannt, wie die Leute auf die Musik reagieren und hätte nie gedacht, dass es meine Songs in irgendeiner Form mal über den großen Teich schaffen würden. Deutschsprachige Musik ist in ihrem Radius limitiert, es sei denn, man ist Rammstein.

Wo kann man Ihre Auftritte in Disney World verfolgen - und was kommt nach dem Ende dieser Traumreise?

Wir werden natürlich über die Social-Media-Kanäle viel von unseren Erlebnissen und unserem Leben dort berichten. Fernsehsender wurden auch schon darauf aufmerksam, weshalb TV-Beiträge geplant sind sowie ein Bandtagebuch auf Youtube. Und was die Zukunftspläne angeht: Ich bin ein ziemlicher Gegenwartstyp, aber das zweite Album ist schon in der Mache.

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