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Von »Rechescherm« und »Wettermädscher«

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Wenn Tilman Birr (l.) und Elis C. Bihn Robert Malbergers Lied singen, in dem es heißt: »Isch hab de Wachtmeister erschosse, aber nich den Typ vom Ordnungsamt«, dann hört man Welthits in bestem Hessisch. Eventuelle Ähnlichkeiten mit Bob Marleys »I Shot the Sheriff« sind wohl rein zufällig. © Andrea Schinzel

Wallernhausen (asl). Ein lauer Sommerabend, ein gemütliches Ambiente und dazu bekannte Pop- und Rockstücke hören, die in vergangenen Jahrzehnten die Hitlisten anführten. Das allein wäre schon schön. Das Besondere am Abend im alten Dorfladen in Wallernhausen, dem Fresche Keller von Dorothee Arden und Michael Glebocki, aber war die eigenwillige Interpretation der Welthits.

Die Südhessen Tilman Birr und Elis C. Bihn trugen sie nämlich in hessischem Dialekt vor.

»Warum singen wir auf Hessisch? Weil ihr es dann versteht«, belehrte das Duo sein Publikum gleich nach den ersten Liedern. Zu einigen Stücken gaben die beiden auch kuriose Geschichten über deren Entstehung zum Besten. So erfuhren die amüsierten Zuhörerinnen und Zuhörer, dass einige international bekannte Sängerinnen und Sänger eigentlich aus Hessen stammten. »Wir sagen euch, wie es eigentlich gewesen ist«, erklärten Birr und Bihn. Wie bei Robert Malberger aus Hanau, der Ärger mit der Polizei bekommen und zur Waffe gegriffen habe. »Wir haben sogar dabeigestanden, als es passiert ist.« Also sei er nach Jamaika geflohen, habe sich Bob Marley genannt und das Lied »I Shot the Sheriff« geschrieben. Im hessischen Original hörte sich der Refrain demnach so an: »Isch hab de Wachtmeister erschosse, aber nich den Typ vom Ordnungsamt.«

Wie Rihanna

wirklich heißt

Und wer wusste schon, dass Hanna Richter aus Idstein ihren alten Namen aufgab und sich jetzt Rihanna nennt? Ihr Song »Rechescherm« wurde demzufolge zu »Umbrella«. Wohl niemand wusste außerdem, dass die »Caprifischer« ihren Ursprung in den Ederseefischern haben. Und noch etwas erfuhr das Publikum an diesem Abend: Viele Liedschreiber kämen aus Schweden, erzählte Bihn. »Na ja, Malmö mal weniger«, schränkte Birr die Behauptung seines Co-Musikers ein, was erst mit einigen Sekunden Verspätung beim Publikum ankam.

So blödelten sich Birr und Bihn rund zwei Stunden lang durch den Abend. Doch damit tut man den zwei genialen Musikern, die gesanglich sowie an Bass und Gitarre exzellent ihr Können bewiesen, unrecht. Die Übersetzungen der englischen oder auch italienischen Titel ins Hessische orientierten sich nahe am Original und belegten damit auch die viele Arbeit, die dahintersteckte. Daraus entstanden Texte, die zum Schmunzeln und Lachen provozierten. Ob das nun bei »Orinoco flow« von Enya war, wenn sie hier etwa säuselten: »Lass misch sescheln, lass misch sescheln, lass die Nidda weider fließe.« Oder bei »Money für Nothing« von den Dire Straits. »Isch will mei HR4«, forderten sie und beklagten, dass »mer jede Tach die Kühlschränk schleppe un als die Riesenfernseh«.

Dann wiederum verwandelten sich Birr und Bihn in die »Wettermädscher« und sangen von »Männern, die es reschnet«. Das Repertoire des Duos ist breitgefächert. Ob »Everybody Needs Somebody« aus dem Kinohit »Blues Brothers«, Michael Jacksons »Bad« - »Isch bin so bös, so bös« oder »YMCA« von den Village People - »Püppchen, es geht voll ab da im CVJM«. Gloria Gaynors »I Will Suvive« schrieben sie von einem Vierviertel- in einen Dreivierteltakt um und sangen selbstbewusst: »Ich werd’s überlebe«. Und selbst vor dem Falsett-Gesang der Bee Gees scheute Birr nicht zurück und wagte sich an »Stayin Alive« samt Schnellsprecheinlage. Und dass »Macarena« von Los del Rio auch auf Hessisch Spaß machen kann, bewiesen sie ebenfalls: »Schenk deinem Körper Freude, Uschi Meier«.

Ohne Zugaben ließ das Publikum das Duo dann natürlich nicht von der Bühne, und die Zuhörerinnern und Zuhörer belohnten beide mit viel Applaus. Die Idee, Welthits auf Hessisch vorzutragen, sei im Rahmen der »Lesebühne ihres Vertrauens« entstanden, berichtete Birr, der auch als Kabarettist und Autor von sich reden macht. Diese hatte er mit Bihn vor etwa zwei Jahrzehnten ins Leben gerufen. Besagte Lesebühne tritt dann am Freitag, 9. September, in Wallernhausen auf. Tilman Birr und Elis C. Bihn bringen dann als dritten im Bunde Severin Groebner mit.

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