1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Vorratskäufe und leere Regale wegen Ukraine-Krieg - Öl und Mehl ausverkauft

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sabrina Dämon

Kommentare

Kein Sonnenblumenöl: Da es aktuell kaum verfügbar ist, sind die wenigen Flaschen schnell weg - das merkt auch Lars Koch in seinem Edeka in Friedberg.
Kein Sonnenblumenöl: Da es aktuell kaum verfügbar ist, sind die wenigen Flaschen schnell weg - das merkt auch Lars Koch in seinem Edeka in Friedberg. © Nicole Merz

Das Mehl, das in heimischen Vorratskammern lagert, fehlt in den Supermärkten, die Regale sind leer. Zwei Wetterauer berichten von der Situation in den Märkten.

Wetterau – Es ist ein Teufelskreis: Mit der Sorge vor Knappheit steigen die Vorratskäufe - und beschleunigen oder verursachen dadurch Knappheit. So war es zu Beginn der Corona-Pandemie mit dem Toilettenpapier: Im Grunde gab es kein Angebotsproblem, doch durch Hamsterkäufe kamen Hersteller und Lieferanten mit dem Nachschub nicht mehr hinterher, die Regale waren für eine gewisse Zeit leer.

Ein ähnliches Bild bietet sich heute vor den Ölregalen. Zwar ist die Situationen eine andere, dennoch tun Vorratskäufe ihr Übriges dazu.

Beim Öl ist vor allem das Sonnenblumenöl betroffen, sagt Lars Koch, geschäftsführender Inhaber von Edeka Koch in Friedberg. Die Rohstoffe dafür kommen zu einem großen Teil aus der Ukraine und aus Russland - und seien entsprechend im Moment nicht verfügbar. Denn der Sonnenblumenöl-Bedarf Deutschlands wird zu 94 Prozent über Importe gedeckt, wie es kürzlich in einem Bericht der »Tagesschau« hieß.

Wetterauer Kunden haben Verständnis für beschränkte Abgabemengen

Alternativen, zum Beispiel Olivenöle, seien zwar nicht betroffen, doch da kein Sonnenblumenöl zu bekommen sei, griffen viele Kunden zu anderen Ölen, berichtet Koch - diese fehlten dann wiederum auch. Und in dem Moment, in dem sich herumspreche, dass es ein Problem mit der Verfügbarkeit gebe, setze der Effekt ein: Viele kauften eben zwei Flaschen statt einer. »Wenn das 200 Personen machen, sind auch 200 Flaschen mehr weg.«

Aber, sagt Koch: Mit Kisten voller Öl sei bisher noch kein Kunde aufgefallen, die meisten hätten Verständnis, dass die Abgabemenge im Markt reduziert ist. Zeitweise auf eine Flasche, nun will Koch auf zwei Flaschen erhöhen.

In der Masse betrachtet, ergebe sich durch die Öl-Vorräte, die manche zu Hause anhäuften, ein weiteres Problem: Es fehle an Verpackungen - Flaschen, Deckeln, Etiketten. »Die Hersteller haben zum Teil gar kein Glas mehr.« Das gleiche Problem zeichne sich bei den Gasflaschen für Grille ab: Nicht das Gas fehle, sondern die Behältnisse.

Büdinger Supermarkt testet neue Vertriebswege, um an Mehl zu kommen

Auch die Mehlregale sind zurzeit häufig leer. Hier, sagt Koch, sei das Problem aber nicht der fehlende Rohstoff: »Deutschland hat für sich ausreichend Weizenmehl zur Verfügung, es gibt keinen Rohstoffmangel.« Das Nachschub-Problem liege eher, bedingt durch Vorratskäufe, in der Logistik und bei der Verpackung.

Im Rewe-Markt in Büdingen sieht es ähnlich aus: »Wir versuchen, über verschiedene Vertriebswege an Mehl zu kommen«, sagt Jannic Gottmann, der für den Einkauf der Rewe-Märkte von Rainer Lapp zuständig ist. Doch das sei aktuell kaum möglich. »Es kommt nur tröpfchenweise - und das wird auf die Rewe-Märkte verteilt.« Das merken Endverbraucher vorm Regal, aber auch Großbetriebe: »Wenn das Hamstern den Markt vor kurzfristige Verknappungen stellt, müssen zum Beispiel Bäckereien oder Kantinen auch schauen, dass sie ihre Ressource sichern.«

Auch beim Öl geht es dem Einkaufsleiter wie den Kollegen: »Wir haben massive Schwierigkeiten, welches zu bekommen. Meiner Meinung nach ist das dem Umstand geschuldet, dass die Leute verunsichert sind, deswegen nehmen sie mehr mit, als sie eigentlich bräuchten.«

Was Gottmann glaubt: Beim Öl und Mehl werde es ähnlich wie beim Toilettenpapier laufen: Rückblickend sei der Jahresverbrauch damals kaum von anderen Jahren abgewichen. Denn: Als wieder Toilettenpapier verfügbar gewesen sei, sei weniger gekauft worden - »weil viele zu Hause ja einen Vorrat hatten«. Beim Mehl, vermutet er, könnte sich das ähnlich entwickeln.

Rewe in Büdingen: Lebensmittelpreise steigen wegen Ukraine-Krieg

Beim Sonnenblumenöl allerdings seien keine Prognosen möglich - weil es zu viele Unsicherheitsfaktoren gebe, die sich gegenseitig bedingen. Dass die Ukraine und Russland als größte Rohstofflieferanten wegfielen, sei ein Faktor. Doch auch andere spielten hinein. So seien schon vor dem Krieg Importe aus Kanada - auch ein Sonnenblumenöl-Lieferant - wegen eines Ernteausfalls ausgeblieben. »Daher kam es im Vorfeld schon zu Knappheiten.«

Zu Preissteigerungen wegen des Missverhältnisses von Angebot und Nachfrage sei es noch nicht gekommen, sagt Gottmann. Allerdings steigen Lebensmittelpreise im Moment ohnehin - einerseits wegen der hohen Inflationsrate. Andererseits wegen des Transports der Waren: Die hohen Spritkosten treiben Preise in die Höhe.

Und auch der Finanzmarkt trage seinen Teil bei: »Die Krise macht sich auch an der Börse bemerkbar - da sind Grundnahrungsmittel Spekulationsgüter.« (Sabrina Dämon)

Auch interessant

Kommentare