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Vorsorge für einen möglichen Blackout

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myl_DGHGeiss-Nidda_25112_4c © Oliver Potengowski

Kein elektrisches Licht, kein Telefon, kein Internet und vor allem keine Heizung - am Mittwochabend probten Stadtverwaltung und Katastrophenschutz in Geiß-Nidda den Ausnahmezustand.

Seit rund 100 Jahren gibt es elektrischen Strom in der Region. Seitdem ist diese Energie unentbehrlich geworden. Selbst wenn mit Gas, Öl oder Pellets geheizt wird, eine Zentralheizung funktioniert wie die meisten technischen Systeme nur, wenn sie auch mit Strom versorgt wird. Doch was passiert, wenn das elektrische Netz in der Region über einen längeren Zeitraum zusammenbricht? Gemeinsam mit der Stadtverwaltung übte der Katastrophenschutz, ob die vorbereiteten Konzepte für einen solchen Blackout im Ernstfall ausreichen.

Als um 18.45 Uhr rund 30 Katastrophenschützer und Feuerwehrleute alarmiert werden, ist das Stadtgebiet Nidda nach dem angenommenen Übungsszenario schon einen Tag ohne Strom. Kein elektrisches Licht, kein Telefon, kein Internet und vor allem keine Heizung. Langsam werden die Wohnungen kalt. Deshalb gilt es zunächst einen sogenannten Versorgungsplatz 50 im Bürgerhaus Geiß-Nidda aufzubauen, eine beheizbare Notunterkunft für 50 Personen.

Duo: Aggregat und Haustechnik

Das direkt an das Feuerwehrhaus angrenzende Bürgerhaus ist auch deshalb geeignet, weil sich beide Gebäude extern mit Strom versorgen lassen. Doch wie viel Strom benötigt man, was lässt sich damit betreiben und funktioniert das Zusammenspiel von Notstromaggregat, externer Einspeisung und Haustechnik in der Praxis?

Deshalb wird zunächst das 14 Kilowatt-Aggregat, das zur Ausstattung des Feuerwehrautos LF 10 in Fauerbach gehört, in Betrieb genommen und angeschlossen. Das Licht im großen Saal des Bürgerhauses, in dem später 50 Feldbetten aufgebaut werden, wird auf die kleinste Stufe geschaltet. Und die Notversorgung arbeitet. »Das hat super funktioniert«, freut sich Bürgermeister Thorsten Eberhard. »Wir haben Licht, wir haben Wärme.«

Andreas Walz, der die Übung organisiert hat, stimmt zu. »Ich bin selbst überrascht, dass wir mit dem kleinen Aggregat das hier so betreiben können.« Dabei erkennt er aber auch, dass mit dieser Ausrüstung viel mehr nicht möglich ist. »Wir sind an der Belastungsgrenze. Wenn wir noch etwas dranhängen würden, würde es zusammenbrechen.« Also bleibt die Küche des Bürgerhauses kalt. Stattdessen versorgt die Feldküche der Feuerwehr Ulfa Helfer und Beobachter der Übung mit warmer Suppe.

Auch das macht die Übung deutlich: Bei allen technischen Möglichkeiten und aller Vorbereitung ist nur die Versorgung mit dem absolut Notwendigsten möglich. »Wir können es nicht schaffen, 18 000 Menschen zu versorgen«, stellt Eberhard fest. Deshalb müssten die Bürger in der Lage sein, sich so weit wie möglich selbst zu versorgen. Walz erläutert den Stadtverordneten und Mitgliedern des Magistrats, wie man einen sinnvollen Notvorrat zusammenstellt. Dabei weist er darauf hin, Futter für eventuell vorhandene Haustiere nicht zu vergessen.

Parallel zu der Übung im Bürgerhaus Geiß-Nidda hat Uwe Bonarius im Rathaus, Leiter Zentrale Dienste, den Verwaltungskrisenstab zusammengerufen. Auch hier gibt es eine externe Einspeisung, die das Gebäude über ein kleines zwei Kilowatt-Aggregat mit Strom versorgt. Als erste Maßnahme bereiten die sechs Mitglieder des Krisenstabs die Information der Bevölkerung vor. Flugblätter und Texte für Lautsprecherdurchsagen werden vorbereitet. »Die hätten wir dann mit Melderfahrzeugen zu den Feuerwehrhäusern gebracht«, erklärt Bonarius. Beheizt wird das Rathaus nicht. »Wir gehen davon aus, dass wir zwei Tage eine ausreichende Restwärme haben, danach würden wir den Krisenstab in den Feuerwehrstützpunkt verlegen.«

Der Krisenstab bildet im Ernstfall das Bindeglied zwischen den Helfern vor Ort und der Leitstelle des Wetteraukreises sowie der Polizei. Bonarius erläutert, dass von einem großflächigen Stromausfall auch das Mobilfunknetz und damit der Digitalfunk der Einsatzkräfte betroffen wäre. Alternative, um die Kommunikation sicherzustellen, könnten Satellitentelefone sein.

Eine weitere Schwachstelle, bei der die Einsatzkräfte auf übergeordnete Infrastruktur angewiesen sind, ist die Treibstoffversorgung für Stromaggregate und Fahrzeuge. Walz sieht hier ein »großes Fragezeichen. Im Kreis sind es nur zwei Tankstellen, die mit Notstrom versorgt werden.« Diese wären im Ernstfall für Behördenfahrzeuge reserviert.

»Hoffen wir alle, dass der Katastrophenfall nicht eintritt«, stellt Bonarius trotz der gelungenen Übung fest. Trotzdem bleiben Ungewissheiten. »Es ist im Detail nur sehr schwer vorzubereiten.« Eberhard zeigt sich zuversichtlich. »Es sieht nicht danach aus, dass wir einen flächendeckenden Blackout kriegen. Aber nach heute ist mir davor weniger bange.«

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myl_Kat-UebungGeiss-Nidda_4c © Oliver Potengowski

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