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Vorwurf: Fahrlässige Tötung

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Von: Rüdiger Geis

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Im November 2018 werden bei einem schweren Unfall auf der A 5 mehrere Menschen schwer verletzt. Ab Montag steht der Verursacher erneut vor Gericht, unter anderem wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung. ARCHIVFOTO: LBH © Lars Benedict Hoppe

Wetteraukreis (rüg/pm). Den Einsatzkräften bot sich ein Schreckensszenario auf der Autobahn 5 bei Münzenberg: Am 10. November 2018, einem Samstag, war ein Porsche Cayenne auf der Fahrspur in Richtung Frankfurt mit hoher Geschwindigkeit in einen Mercedes gekracht. Insgesamt sieben Menschen wurden bei dem Unfall schwer verletzt, ein Beteiligter ist im September vergangenen Jahres gestorben.

Der Verursacher, ein bei dem Unfall 22 Jahre alter Frankfurter, wurde im Februar 2021 vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung freigesprochen. Ab Montag, 9. Mai (9 Uhr, Saal 105), wird der Fall erneut verhandelt, diesmal vor der 3. kleinen Strafkammer des Landgerichts Gießen, wo es im Strafverfahren auch um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung geht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten eine Sorgfaltspflichtverletzung vor.

Laut Anklageschrift war der Porsche-Fahrer am Unfalltag gegen 20 Uhr auf der linken Spur der A 5 bei Münzenberg in Richtung Frankfurt mit etwa 200 Stundenkilometern unterwegs. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung sei in diesem Bereich der Autobahn nicht angeordnet gewesen.

Bremsmanöver kam zu spät

Einige Hundert Meter vor dem Angeklagten sei dann ein 50-Jähriger mit seinem schwarzen Mercedes im Baustellenbereich auf der Höhe der Anschlussstelle zur A 45 auf den linken Fahrstreifen gewechselt.

Der Angeklagte habe die Lichthupe betätigt, um den anderen Verkehrsteilnehmer zu einem erneuten Wechsel zurück auf die zuvor befahrene Spur zu bewegen, wozu es allerdings nicht gekommen sei.

Das Bremsmanöver des Porschefahrers, dem die Anklagebehörde »eine den Örtlichkeiten unangepasste Fahrweise« vorwirft, kam zu spät, sodass der Wagen des Angeklagten auf das Heck des vor ihm fahrenden Wagens aufgefahren sei. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Mercedes auf die Gegenfahrbahn geschleudert. Dort kam es zur Kollision mit einem entgegenkommenden Mercedes, den ein 77-Jähriger aus Eschborn fuhr.

Der 22-Jährige verlor ebenfalls die Kontrolle über seinen Porsche und kollidierte auf seiner Fahrbahn mit einem in gleicher Richtung fahrenden VW Golf, an dessen Steuer ein 67-Jähriger saß. Der 50-jährige Mercedes-Fahrer habe infolge der Kollision schwere Verletzungen insbesondere im Becken- und Wirbelsäulenbereich erlitten, so die Anklage.

Der Fahrer des entgegenkommenden Fahrzeugs erlitt unter anderem schwere Kopfverletzungen, die einen Hirnschaden zur Folge hatten. Zudem habe ihm ein Fuß amputiert werden müssen. Er starb im vergangenen September.

Das Amtsgericht Friedberg hatte den Angeklagten mit Urteil vom 10. Februar 2021 (Az. 43a Ds - 403 Js 3151/19) vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung freigesprochen, da sich ein Sorgfaltspflichtverstoß des Angeklagten nicht habe feststellen lassen.

Gegen das Urteil haben sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die beiden als Nebenkläger an dem Verfahren beteiligten anderen Verkehrsteilnehmer Berufung eingelegt.

Die 3. kleine Strafkammer hat den Angeklagten darauf hingewiesen, dass auch eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit fahrlässiger Gefährdung von Leib und Leben eines Menschen und mit Todesfolge in Betracht komme.

Folgende Fortsetzungstermine sind bisher festgelegt worden: Mittwoch, 11. Mai, ab 9 Uhr (Saal 015), Freitag, 13. Mai, ab 9 Uhr (externer Sitzungssaal Stolzenmorgen 68) und Mittwoch, 18. Mai, ab 9 Uhr (Saal 207).

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