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Wachsender Widerstand gegen Export von Vogelsberger Trinkwasser

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Dr. Günther Lißmann von der Interessengemeinschaft zum Schutz des Wasserhaushalts im Vogelsberg (IG Wasser) zeigt im Bachbett der Bracht oberhalb von Kirchbracht, wie Klimawandel und Grundwasserförderung zum Austrocknen der Wasserläufe führen. © Oliver Potengowski

Die Kritik am Wasserexport aus der Vogelsbergregion ins Rhein-Main-Gebiet wächst. Auch die IG Wasser aus dem Main-Kinzig-Kreis meldet sich zu Wort und lädt zu einem Info-Abend ein.

Die Sorgen, dass die Grundwasserförderung um das Rhein-Main-Gebiet mit Trinkwasser zu versorgen, zur Naturzerstörung im Vogelsberg führen, bewegen immer mehr Menschen. Neben der Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) fordert im benachbarten Main-Kinzig-Kreis die IG Wasser, dass die Fördermengen reduziert werden. Am heutigen Freitag, 2. September, möchte die IG in einer öffentlichen Veranstaltung über die Situation und Alternativen für einen sparsameren Umgang mit Wasser informieren.

Die aktuellen extrem trockenen Sommerwochen lassen die Alarmzeichen der letzten Jahre noch deutlicher erscheinen. Denn Naturschützer warnen schon lange, dass die genehmigten Fördermengen für Grundwasser im Vogelsberg und seinen Randgebieten viel zu hoch sind. »Durch den Klimawandel gibt es inzwischen deutlich weniger Niederschläge«, mahnt Dr. Günther Lißmann von der IG Wasser. Dadurch werde auch viel weniger Grundwasser neu gebildet.

Dass inzwischen die Nidda, der wichtigste Fluss der Region bis zum Stausee unterhalb von Schotten versiegt ist, hat in den Medien für viel Aufmerksamkeit gesorgt. »Unsere Hinweise, dass schon seit Jahren aus immer mehr Quellen im Vogelsberg über immer längere Zeiten im Sommer kein Wasser mehr fließt, blieben dagegen unbeachtet«, bedauert Lißmann.

Als Beispiel nennt er die Bracht, die bei Hartmannshain entspringt. Rund 300 Jahre lang führte der Bach ganzjährig genug Wasser, um die Mühlgräben von Horst- und Lahnemühle zu versorgen.

Inzwischen sind nicht nur diese Gräben trocken gefallen, so dass dort kein Korn mehr gemahlen werden könnte. Auch die Bracht selber ist über viele Kilometer oberhalb von Kirchbracht staubtrocken.

An Klimaänderung nicht angepasst

Wie die SGV sieht auch die IG Wasser einen Zusammenhang zwischen der Grundwasserförderung zur Versorgung des Ballungsraums Rhein-Main und der austrocknenden Natur im Vogelsberg.

Denn jedes Jahr würden 32 Millionen Kubikmeter Grundwasser aus dem westlichen und sechs Millionen Kubikmeter aus dem südlichen Vogelsberg nach Frankfurt gepumpt, erklärt Lißmann. Die IG Wasser kritisiert, dass die Wasserversorgung des Ballungsraums nicht an die Veränderungen von Klima und Niederschlägen angepasst wird.

Immerhin sei die Grundwasserneubildung in den letzten 20 Jahren um 30 Prozent zurückgegangen. Doch die genehmigten Fördermengen beruhten immer noch auf veralteten Daten aus den 90er Jahren.

Deshalb würden die Grundwassermengen, die abgepumpt werden dürfen auch nicht reduziert, sondern sogar noch ausgeweitet und teilweise verdoppelt.

Auch der Ballungsraum Rhein-Main setzt weiter auf Wachstum. »Die Mainmetropole benötigt fünfmal so viel Trinkwasser, wie sie selbst in ihrer Region fördern kann«, betont Lißmann.

Statt eigene Möglichkeiten für Trinkwasserbrunnen zu nutzen oder Wasserschutzzonen im Stadtgebiet und der nahen Umgebung auszuweisen würden Flächen versiegelt und der Boden nicht konsequent vor chemischer Verunreinigung geschützt.

Informativer Vortragsabend

»Die Flächen als Standorte für Wohnungsbau, Gewerbe- und Industriebauten sowie Infrastruktur zu nutzen ist für den Großraum Frankfurt offenbar weit lukrativer als ihn für die eigene Wasserversorgung zu schützen«, stellt Lißmann fest.

Bei einem Vortragsabend mit anschließender Diskussion heute um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle Neuenschmidten wird Lißmann darüber informieren, woher der Großraum Frankfurt sein Trinkwasser bekommt.

Wolf Rüdiger Hansen vom BUND Frankfurt wird erläutern, wie der Ballungsraum seine eigenen Möglichkeiten zur Wassergewinnung besser nutzen kann.

Ein dritter Vortrag von Dietmar Sperfeld vom Bundesverband für Betriebs- und Regenwasser wird darstellen, wie durch Betriebs- und Regenwassersysteme Grund- und Trinkwasser eingespart werden kann.

»Alle Menschen, denen das Vogelsbergwasser am Herzen liegt, sind zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen«, wünscht sich Lißmann ein möglichst großes Interesse.

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