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»Wähler nicht erreicht«

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Von: Petra Ihm-Fahle

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In Nidda sind die Würfel gefallen: Der 46-jährige Thorsten Eberhard (CDU) wird neuer Bürgermeister. Welche Auswirkungen erwarten führende Kommunalpolitiker aus Nidda für die künftige Zusammenarbeit der Fraktionen? Der Kreis-Anzeiger hat nachgefragt.

Mit 64,3 Prozent hat der 46-jährige Christdemokrat Thorsten Eberhard am Sonntag die Bürgermeisterstichwahl gegen Thomas Eckhardt für sich entschieden. Die Amtseinführung ist für den 5. April geplant. Wie beurteilen führende Parlamentarierinnen und Parlamentarier in Nidda das Ergebnis?

CDU-Fraktionsvorsitzender Hagen Puttrich erklärt: »Es ist schade, dass die Wahlbeteiligung so gering ist. Die Bürgermeisterwahl ist eine Stufe der Demokratie, bei der der Bürger direkten Kontakt hat. Dass sich viele nicht dafür interessieren, ist bedauerlich.« Über das Resultat ist Puttrich sehr froh, Eberhard habe mit einem sehr guten Ergebnis gewonnen. Der künftige Bürgermeister sei kein Mensch, der polarisiere, diese Linie fahre auch er. »Ich will mit den Fraktionen gemeinsam etwas für Nidda erreichen«, sagt Puttrich. Das wolle auch Eberhard, in diesem Stil wolle die CDU weiter Politik machen.

Fairer Wahlkampf

»Der Wahlkampf war sehr sachlich«, stellt der Fraktionsvorsitzende fest. Zum Schluss sei »eine kleine Unstimmigkeit reingekommen, wo sich Fraktionsmitglieder ein bisschen geärgert haben, aber das ist schnell wieder vergessen«. Bezüglich der bestehenden Zusammenarbeit mit der SPD wird sich das Klima nach Einschätzung von Puttrich nicht verändern. Weiterhin will Puttrich auch das Gespräch mit den anderen Fraktionen suchen, um eine gemeinsame Lösung für die Schwimmbäder-Problematik zu finden.

Die SPD-Vorsitzende Christine Jäger konstatiert, es sei ein fairer Wahlkampf ohne Hiebe unter der Gürtellinie gewesen. »Den Wählerwillen akzeptiert man«, erklärt sie. Sie geht davon aus, mit der CDU weiter zum Wohle der Stadt in den Punkten zusammenzuarbeiten, welche die Parteien vereinbart haben. »Bei den Themen waren wir nicht so weit auseinander, es gibt zwei, drei Punkte, aber diese haben wir in unserem Kooperationsvertrag außen vorgelassen.« Jäger erklärt, die SPD sei motiviert gewesen und habe geschlossen Wahlkampf gemacht. »Thorsten Eberhard gratuliere ich zur Wahl und freue mich auf eine weitere gute Zusammenarbeit«, sagt sie.

Für Dr. Wilfried Schneider steht fest: »Das Wahlergebnis war eindeutig zugunsten von Thorsten Eberhard.« Eins hat dem Fraktionsvorsitzenden der Bürger-Liste (BL) nicht gefallen: »Es ist nicht gelungen, in Nidda die Wähler zu erreichen. Während des Wahlkampfs gab es viele interessante Gespräche und Anregungen, aber wir sind auch auf viel Desinteresse und Ablehnung gestoßen. Leute haben uns direkt gesagt: ›Interessiert uns nicht‹.« Für eine lokal agierende Wählervereinigung wie die BL sei das enttäuschend gewesen. »Ich habe Thorsten Eberhardt gratuliert und freue mich auf eine positive Zusammenarbeit«, fährt Schneider fort. Der CDU sei es gelungen, alle wichtigen Ämter in Nidda zu übernehmen: »Bürgermeister, Stadtverordnetenvorsteherin, Erster Stadtrat und Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses.« Die BL werde ihre Entscheidungen »wie in der Vergangenheit auf die Wirtschaftlichkeit und Sinnhaftigkeit ausrichten«. Eine themenbezogene Zusammenarbeit mit anderen in Nidda arbeitenden demokratischen Parteien strebe die BL weiter an. Welche der vielen Wahlversprechen letztlich realisierbar seien, werde sich zeigen, fügt Schneider hinzu.

Kein Raum für Spekulationen

Nach Ansicht von Marcus Stadler (Grüne) ist ein eindeutiges Wahlergebnis für einen Bürgermeisterkandidaten immer sehr gut, weil es keinen Raum für Spekulationen lässt. »Der Wählerwille ist klar erkennbar. Das sind die besten Voraussetzungen, um im Konsens vernünftige Politik für Nidda zu machen.« In der parlamentarischen Zusammenarbeit heiße es nun für alle, den jungen Bürgermeister zu unterstützen. »Dann kriegen wir es gemeinsam hin. Die Zeiten des Gegeneinanders mit knappen Mehrheiten sind nicht mehr zeitgemäß«, stellt Stadler fest. Eberhard werde es nicht leicht haben angesichts der Aufgaben, die anstehen. »Nidda wird vom Klimawandel betroffen werden. Neuer Bürgermeister vor diesem Hintergrund zu sein, ist keine einfache Aufgabe mit den offenen Punkten, die anstehen, und den Beschlüssen, die es voranzubringen gilt.« Stadler wünscht gutes Gelingen.

Stella Luise Smith (Die Linke) ist vom Ergebnis nicht überrascht, denn bereits am 16. Januar habe sich ein eindeutiger Sieg für Eberhard abgezeichnet. »Die Wahl wird sich kaum auf die Zusammenarbeit zwischen der Linksfraktion und der CDU-Fraktion auswirken. In der Vergangenheit haben wir schon nicht zusammengearbeitet«, sagt sie. »Trotz alledem gratuliere ich dem neuen Bürgermeister zur Wahl.«

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