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Waldbrandgefahr: Wetterauer Kreisbrandinspektor über Herausforderungen und Ausrüstung

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Für die Einsatzkräfte bedeuten Waldbrände eine große körperliche Anstrengung, auch die Anforderungen an das Material sind andere als bei einem üblichen Gebäudebrand. SYMBOL © Imago Sportfotodienst GmbH

Die Anzahl der Waldbrände steigt. Wie sind die Wehren in der Wetterau gewappnet, wie wird vorgesorgt? Kreisbrandinspektor Lars Henrich spricht im Interview über die Ausrüstung und die Herausforderungen für die Einsatzkräfte.

Wie sind die Feuerwehren in der Wetterau für Waldbrände aufgestellt, welche Anforderungen werden an die Einsatzkräfte und das Material gestellt? Diese Zeitung sprach mit Kreisbrandinspektor Lars Henrich.

Vegetationsbrände werden unter den Feuerwehren als neue Herausforderung gehandelt. Können Sie diese Dimension beschreiben?

Das Löschen von Vegetationsbränden kommt zu den seit vielen Jahren wachsenden Herausforderungen im Bereich der Brandbekämpfung und der technischen Hilfeleistung hinzu. Die Herausforderungen liegen in der taktischen Vorgehensweise und der notwendigen technischen Ausstattung der Feuerwehren. Für die Einsatzkräfte bedeutet dies: Die körperlichen Anstrengungen bei Hitze dauern länger.

Wir haben hohe Temperaturen, es ist sehr trocken, immer wieder kommt Wind auf. Wie groß ist das Risiko von großen Waldbränden in der Wetterau?

Grundsätzlich besteht die Gefahr auch im Wetteraukreis. Wir sind hier, wie auch die Nachbarlandkreise, nicht ausgenommen. Dies zeigt sich durch die Brände in den vergangenen Tagen im Hochtaunuskreis, Lahn-Dill-Kreis oder in Darmstadt-Dieburg. Das Risiko wird natürlich durch den Faktor Mensch beeinflusst. Seit Anfang Juli besteht die Waldbrandstufe A in Hessen. Das heißt, offenes Feuer ist verboten, teilweise sind öffentliche Grillplätze gesperrt. Um Brände zu vermeiden, ist ein umsichtiges Verhalten im Wald und auch in den angrenzenden Flächen ganz wichtig.

Welcher Boden begünstigt Brände, wie wirken sich topographische Unterschiede aus?

Die Bodenbeschaffenheit ist als sekundär anzusehen. Der wesentliche Faktor ist der Belag des Waldbodens. Durch die langanhaltende Trockenheit und die geringen Niederschläge in den Wintermonaten sind das vorhandene Totholz, das auf dem Boden liegende Laub und die Nadeln schnell entzündbar. Viele Bäume sind durch die Trockenheit geschwächt, von Schädlingen befallen und werfen bereits jetzt ihr Laub ab. Der Boden ist sehr trocken. Dadurch kann das Feuer auch in tiefere Erdschichten dringen und sich dort weiterverbreiten. Brandfördernd sind in der Regel torfhaltige Böden, wie in der Lüneburger Heide, und sehr harzintensive Baumbestände mit zum Beispiel Kiefern.

Wie sind die Einsatzkräfte darauf eingestellt? Gab oder gibt es spezielle Lehrgänge?

Die Mitglieder der Feuerwehren sind grundsätzlich gut ausgebildet und meistern seit Jahrzehnten ihre Aufgaben vorbildlich. Spezielle Lehrgänge sind bereits in der Vorbereitung. Dies wird auch durch die zentrale Ausbildungsstätte in Hessen, der Landesfeuerwehrschule in Kassel, unter Beteiligung des Fachausschusses Einsatz, Ausbildung und Wettbewerb des Landesfeuerwehrverbandes Hessen erarbeitet. Ziel ist, dies in den kommenden Wochen auf die Landkreise zu verteilen.

Welche Fahrzeuge und Ausrüstung benötigen die Wehren für einen Vegetationsbrand? Was ist im Vergleich zu einem Wohnungsbrand deutlich anders?

Die Feuerwehren können bereits aktuell die Bekämpfung von Vegetationsbränden vornehmen und bewältigen. Die technische Ausstattung wurde in den vergangenen Jahren auf kommunaler Ebene, aber auch durch das Land Hessen im Katastrophenschutz ergänzt. So wurden spezielle Löschrucksäcke, kleinere Schläuche und weitere Ausstattung beschafft. Diese erleichtern die körperlichen Anstrengungen. Kleinere wasserführende Tanklöschfahrzeuge sind notwendig, da die derzeitigen Fahrzeuge in der Regel für befestigte Verkehrswege ausgelegt sind.

Ein Unterschied zum »herkömmlichen Wohnungsbrand« ist die Löschwassermenge. In Wäldern und Flächenbereichen gibt es keine Löschwasserhydranten. Da muss das Löschwasser über lange Strecke an die Einsatzstelle transportiert werden.

Gibt es ein einheitliches Koordinatensystem oder Gegenden, wo dies überhaupt nicht möglich ist?

Das Land Hessen, vertreten durch Hessen-Forst, hat bereits seit 2014 Forstrettungspunkte erarbeitet. Diese wurden den Feuerwehr- und Rettungsleitstellen und den kommunalen Feuerwehren zur Verfügung gestellt. Darauf aufbauend wurden Waldbrandkarten erstellt, woraus die Feuerwehren und Rettungsdienste die notwendigen Informationen über Wege, Löschwasserentnahmen und der Befahrbarkeit erhalten. Sie wurden letztmalig 2020 aktualisiert.

Bei üblichen Bränden werden oft schwere Kleidung und Atemschutzgeräte angezogen. Das hört sich sehr kraftraubend und sauerstoffarm an…

Ja, dem kann man zustimmen, jedoch sind die Einsatzkräfte im Umgang mit der Sonderausrüstung geschult und auch körperlich trainiert. Die Schutzkleidung kann je nach Anforderung an den Einsatz gewechselt werden. Neben der Feuerschutzkleidung für den Innenangriff in Gebäuden verfügen die Feuerwehren auch über dünnere Einsatzkleidung.

Hätten die Wehren die Möglichkeit, Löschflugzeuge oder -hubschrauber anzufordern?

Eine Anforderung ist grundsätzlich möglich. Dies erfolgt dann über das Hessische Ministerium des Inneren und für Sport. Löschflugzeuge sind in Deutschland oder Hessen jedoch nicht vorhanden. Diese können nur aus dem Ausland angefordert werden. Löschhubschrauber mit Außenlastbehältern werden durch die Polizeifliegerstaffel zur Verfügung gestellt, sofern diese in ausreichender Anzahl vorhanden sind. Eine weitere Ausstattung ist bei der Bundespolizei vorhanden beziehungsweise möglich. Dies ist aber einsatztaktisch zu bewerten. Unter anderem muss hier ausreichend Löschwasser aus Gewässern vorhanden sein. Lange Flugzeiten, zum Beispiel vom Edersee oder dem Nidda-Stausee in den Wetteraukreis, sind nicht zielführend.

Wie können Hausbesitzer, die an einem Waldrand wohnen, vorsorgen?

Den Hausbesitzern ist eine gewisse Grundausstattung zu empfehlen. Näheres dazu ist auf der Homepage des Bundesamts für Bevölkerungsschutz nachzulesen. Die Einsatzleitung warnt mit ausreichender Vorlaufzeit die Bevölkerung. Die sollte die notwendigen persönlichen Unterlagen greifbar haben.

Immer wieder taucht die berüchtigte Glasscherbe als Ursache für Waldbrände auf. Wie belegbar ist das?

Das kann pauschal nicht bestätigt werden. Es ist jedoch in Einzelfällen wohl als Ursache bestätigt worden.

Was steht zum Thema Waldbrand als nächstes auf Ihrer Agenda als Kreisbrandinspektor?

Es werden derzeit die überörtliche Einsatzplanung kreisweit erarbeitet. Dies betrifft jedoch nicht nur den Bereich der Waldbrandbekämpfung, sondern auch weitere Aufgaben wie zum Beispiel Sturm oder Starkregen. Hier werden in Zusammenarbeit mit den Kommunen Konzepte aufgestellt. Aufgrund der Entwicklung in den vergangenen Monaten sind mehrere Aufgabenbereiche parallel in der Vorbereitung. VON MYRIAM LENZ

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