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Waldpark soll Heilwald werden

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Von: Hedwig Rohde

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Von der so genannten Skiwiese bis zu den Waldteichen reicht das 200 Hektar große Areal des künftigen Heilwaldes. © Hedwig Rohde

Bad Nauheim (doe). Nicht nur Erholung, sondern Heilung finden: Mit der Fortentwicklung ihres denkmalgeschützten Waldparks zum Kur- und Heilwald will die Stadt Bad Nauheim ihr Profil als »Gesundheitsstadt« weiter schärfen. »Wir wollen den von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen kreierten Waldpark auf die Neuzeit abstimmen«, erläutert Harald Hock.

Der Geschäftsführer des Stadtmarketing Bad Nauheim und seine Leitungskollegen aus dem Fachbereich Stadtentwicklung sowie dem Kur- und Servicebetrieb sind aktuell dabei, mit der verantwortlichen Landesforstbehörde Kriterien für die Zertifizierung zu entwickeln, die es in Hessen bislang nicht gibt.

So soll im Rahmen eines Pilotprojekts aus dem Waldpark der erste Heilwald in Hessen werden. »Damit wird das Gebiet in seine ursprüngliche Dimension zurückgeführt. Dazu gehört auch, diesen Teil des Waldes nicht mehr forstwirtschaftlich zu nutzen«, betont Bürgermeister Klaus Kreß.

Westlich der Innenstadt, auf dem etwa 200 Hektar großen Gelände zwischen der sogenannten Skiwiese und den Waldteichen, will man auf der bereits vorhandenen Infrastruktur aufbauen. Schon heute gibt es im Waldpark, dem zukünftigen Heilwald, drei Terrainkurwege, die zum Wandern, Joggen und Nordic Walking geeignet sind.

Auch der 2,7 Kilometer lange »Besser-Lernen-Pfad« beginnt im Waldpark. Das Angebot ist beliebt. Erholungsuchende erfreuen sich hier nicht nur am Wald an sich, sondern auch an den schönen Landschaften und den bei entsprechender Witterung bis zum Vogelsberg reichenden Panoramaaussichten.

Mehrere Schutzhütten und Bänke am Wegesrand laden zum Verweilen ein, und die von einer Bürgerinitiative mitbetreute Skiwiese mit ihrer vielfältigen Flora und Fauna zieht zu jeder Jahreszeit Spaziergänger und Naturfreunde an. Auch speziell der Barfußpfad erfreut sich großer Beliebtheit. Auf dem Weg zum therapeutisch nutzbaren »Heilwald« soll dieses Angebot um mehrere Komponenten ergänzt werden.

Erlebnis der

Naturnähe

Seit vor Jahren die ersten Berichte über die positiven Effekte des in Japan populären Waldbadens in Europa zirkulierten, hat sich der Blick auf den Erholungsraum Wald verändert. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass schon ein halbstündiger Aufenthalt im Wald Puls- und Atemfrequenz sowie den Blutdruck zu senken vermag.

Im künftigen Heilwald soll deshalb nicht nur das vorhandene Netz an Hütten und Aussichtspunkten ausgebaut, sondern außerdem ein sogenanntes Waldbadezimmer eingerichtet werden mit Liegen und Sitzmöglichkeiten für einen entspannenden Aufenthalt. »Wir wollen den Menschen, den Bad Nauheimerinnen und Bad Nauheimern ebenso wie Kur- und Klinikgästen, das Erlebnis von Naturnähe ermöglichen. Sie sollen die Gelegenheit erhalten, Ruhe, Einflüsse und Eindrücke des Waldes auf sich wirken zu lassen«, beschreibt Harald Hock das ambitionierte Vorhaben.

Im Fokus haben die Verantwortlichen unter anderem Menschen, denen der Stress des Alltags zu schaffen macht, sei es in Form von Tinnitus, psychischen oder anderen stressbedingten Erkrankungen. Die Angebote, die eng mit den ortsansässigen Kliniken angestimmt werden sollen, will man so konzipieren, dass sie individuell, aber auch unter Anleitung eines Waldbade-Trainers oder eines Psychotherapeuten nutzbar sind.

Schwebebalken für Gleichgewichtsübungen will man installieren, außerdem Komposttoiletten aufstellen und Rettungspunkte definieren, damit Rettungswagen und Arzt im Bedarfsfall zügig helfen können. Bei allen Maßnahmen soll der Denkmalschutz nicht zu kurz kommen. Denkmalpflegerisch besonders wertvolle Bereiche wurden bereits im Waldparkpflegekonzept als »sinnstiftende Elemente« definiert, um aktuelle Erholungsnutzungen und forstliche Belange denkmalgerecht zu integrieren. Für die Pflege und Instandhaltung der Infrastruktur des Heilwaldes will die Stadt künftig jährlich 100 000 Euro bereitstellen.

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Für die Einrichtung des Heilwaldes soll das vorhandene Netz aus Bänken und Hütten ausgebaut werden. © Hedwig Rohde

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