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Warum fallen Schüsse auf dem Parkplatz des Büdinger Gymnasiums?

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Auf das Pflaster des Parkplatzes am Wolfgang-Ernst-Gymnasium in Büdingen gesprühte gelbe Markierungen zeigen, wo drei Fahrzeuge standen, und markieren weitere Spuren der Ereignisse in der Nacht vom 4. auf den 5. Juni 2021, die jetzt vor Gericht geklärt werden sollen. ARCHIV © Oliver Potengowski

Welche Motive stecken hinter zwei Schießereien in Büdingen und in Altenstadt? Als mutmaßliche Täter stehen seit Mittwoch zwei junge Männer vor dem Gießener Landgericht.

Es sind zwei ähnliche Taten, die einem 26- und einem 28-Jährigen vorgeworfen werden: auf dem Parkplatz des Wolfgang-Ernst-Gymnasiums in Büdingen und in Altenstadt. Die beiden Männer müssen sich seit Mittwoch vor der 1. Strafkammer am Gießener Landgericht verantworten. Die Anklage wirft ihnen gefährliche Körperverletzung und unbefugten Waffengebrauch vor.

Auf dem Schulhof des Wolfgang-Ernst-Gymnasiums in Büdingen sollen sich die beiden Angeklagten am 4. Juni 2021 mit zwei weiteren Freunden getroffen haben. Warum, ist bisher nicht bekannt. Das wird möglicherweise im Verlauf des Prozesses geklärt werden können, denn die beiden Angeklagten haben durch ihre Anwälte erklären lassen, dass sie während der nächsten Verhandlungstage umfassende Geständnisse ablegen werden.

22-Jähriger wird angeschossen

Nachdem an dem besagten Abend gegen 22 Uhr ein Audi A4 auf den Parkplatz gefahren war, eskalierte die Situation plötzlich. Auch der Grund dafür ist bisher noch nicht bekannt. Ging es um Drogen, Waffen oder Hehlerware? Als der Audi auftauchte, soll der 26-jährige Angeklagte auf den Wagen zugegangen sein, die Tür geöffnet und den Fahrer mit vorgehaltener Waffe gezwungen haben, auszusteigen.

An der folgenden verbalen Auseinandersetzung soll sich dann auch der 28-jährige Angeklagte beteiligt haben. Dabei sollen Drohungen wie »Ich mach dich kalt« oder »Ich knall dich ab« ausgesprochen worden sein. Schnell folgte eine Rangelei unter den Beteiligten, in der Zwischenzeit waren auch die anderen Mitfahrer aus dem Audi gestiegen. Dann soll der 26-Jährige einem 22-jährigen Büdinger in den Oberschenkel geschossen haben. Anschließend soll er noch weitere Schüsse abgegeben haben, die jedoch niemanden verletzten. Die beiden jungen Männer, die nun auf der Anklagebank sitzen, flüchteten anschließend. Angeblich sollen sie unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden haben. Die Verletzung des 22-Jährigen war nicht lebensbedrohlich, Rettungskräfte brachten den Mann ins Krankenhaus.

Beim Vorfall in Altenstadt soll es zu einem Streit zwischen dem 26-jährigen Angeklagten und einem jungen Mann aus Altenstadt gekommen sein. Auch der Grund dafür ist bisher nicht bekannt. Der 26-Jährige soll den Altenstädter zunächst mit vorgehaltener Waffe bedroht haben. Da die Drohungen offenbar nicht fruchteten, soll er seinem Opfer die Waffe auf den Kopf geschlagen und anschließend versucht haben, ihm in den Oberschenkel zu schießen. Laut Anklage verfehlte er allerdings sein Ziel. Anschließend soll es zu einer Rangelei gekommen sein, in deren Verlauf das Opfer zu Boden gerungen wurde. Dem 28-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, auf das am Boden liegende Opfer eingetreten sowie seinen Fuß auf den Hals des jungen Mannes gestellt zu haben, sodass er vorübergehend nicht atmen konnte.

Den ersten Verhandlungstag prägten vor allem Verfahrensfragen. Nachdem Staatsanwältin Nathalie Dohmen die Anklageschriften verlesen hatte, ging es hauptsächlich um Absprachen zwischen dem Gericht, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Die Verhandlung wurde gleich mehrfach unterbrochen, um zu eruieren, ob es eine Verständigung bezüglich des Strafmaßes geben könnte. Eine weitere Unterbrechung stand an, nachdem der Anwalt des 28-Jährigen Auskunft über dessen bisheriges Leben gegeben hatte.

Da bei ihm allenfalls eine Bestrafung wegen Beihilfe zu den dem 26-Jährigen zur Last gelegten Straftaten infrage komme und deshalb auch eine Bewährungsstrafe möglich erscheine, wollte Richter Jost Holtzmann zunächst etwas über den Lebensweg des Mannes erfahren. Seine Eltern stammen aus dem Kosovo und kamen Ende 1980 nach Deutschland. Der 28-Jährige wurde in Deutschland geboren, absolvierte die Schule und machte anschließend eine Lehre. Weil er später unter einer Allergie litt, musste er den Beruf wechseln. Wegen der Corona-Pandemie wurde er vor zwei Jahren arbeitslos, er sucht aber wieder eine Festanstellung. Der Angeklagte ist bereits vorbestraft.

Eingehende Beratung

Nach eingehender Beratung machte das Gericht den Vorschlag, das Strafmaß für den 26-Jährigen bei einem umfassenden Geständnis auf einen Zeitraum zwischen vier Jahren und neun Monaten sowie fünf Jahren und sechs Monaten zu begrenzen. Für den 28-Jährigen sei eine Bewährungsstrafe zwischen fünf und acht Monaten möglich sowie eine Arbeitsauflage von 150 Stunden - ebenfalls ein umfassendes Geständnis vorausgesetzt. Dieser Vorschlag wurde von allen Seiten akzeptiert.

Für das Gericht ist die Verständigung aber nur bindend, wenn während der Verhandlung keine neuen Erkenntnisse auftauchen. Der Prozess wird am Mittwoch, 7. September, fortgesetzt. Dann sollen Zeugen befragt werden. VON JÜRGEN W. NIEHOFF

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