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Was ein Ortenberger aus einem Jahrtausende alten Werkstoff macht

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Ganz persönlich das Familienschild von Daniel Geschwindner und Sandra Herzig mit den Namen der beiden Söhne Adrian und Jeamy. © Corinna Willführ

Daniel Geschwindner hat sich für seine Kunst ein ganz besonderes Material ausgewählt: Schiefer. Mit ihm stellt der Ortenberger spezielle und individuelle Werkstücke her.

Am Anfang war es eine Idee und durchaus auch ein Wagnis, als Daniel Geschwindner 2014 beschloss, eine eigene Firma zu gründen. Die Basis für diese: Schiefer als nachhaltigen Werkstoff zu nutzen und Mut zur Kreativität zu haben. Beides hat sich bewährt. So hat GH Schiefer Kunst & Design in Eckartsborn das Frankfurter Prinzenpaar für die Kampagne 2019/2020 mit individuellen Präsenten für ihre Auftritte ausgestattet und für Zoè Priscilla Hannemann die Glückwunschplatte zum Recall bei »Deutschland sucht den Superstar« (DSDS) auf Mykonos 2021 angefertigt. Seinen Erfolg führt der Jungunternehmer darauf zurück, »dass alle Produkte individuell nach Kundenwunsch gefertigt werden«.

Daniel Geschwindner wusste schon früh, dass er einmal in einem Beruf Meister werden will. Der Ortenberger, der in Konradsdorf zur Schule ging, absolvierte eine Ausbildung zum Dachdecker. »Sich in diesem Bereich mit einer Firma selbstständig zu machen, ist aber schwierig. Dazu braucht man viel Kapital.« Für Gebäude, Maschinen, vor allem für die »Manpower«, also um Mitarbeiter bezahlen zu können. Deshalb ist der 27-Jährige seit einem Jahr »Glücksbringer«, wie er selbst sagt. Denn am 1. Januar 2021 hat er eine weitere Ausbildung begonnen: zum Schornsteinfeger.

Jahrtausende- altes Material

Was ihn mit seiner ersten Lehre weiter verbindet, ist ein Werkstoff: Schiefer. Als Verkleidung an Hausfassaden, Giebeln und Dächern hat Geschwindner das Sedimentgestein kennengelernt. Mit seiner eigenen Firma GH Schiefer Kunst & Design hat er gemeinsam mit seiner Partnerin Sandra Herzig kreative Ideen für die Verwendung des jahrtausendealten Materials entwickelt. Und diese sind so vielfältig wie die Kunden, die sie bestellen. Zum Portfolio gehören Firmenschilder, Grabplaketten, Herzketten und Türschilder sowie Hochzeitsgeschenke. »Ihr Wunsch ist mein Ziel«, heißt es auf der Homepage und auf bilderreichen Flyern.

Doch wie sehen die Wünsche aus? »Einen großen Anteil an den Bestellungen nehmen Grabtafeln ein«, sagen Geschwindner und Herzig. Die 38-Jährige, im Hauptberuf Arzthelferin, hat alles im Blick, wenn es etwa um die Bestellungen und deren Versand geht. Dabei geht es vielfach um individuell gestaltete Erinnerungen an einen Verstorbenen für seine letzte Ruhestätte. Oft gewünscht sind auch dauerhafte Erinnerungen an ein Jubiläum, einen Geburtstag oder eine Hochzeit. Und manchmal auch an einen unvergessenen Moment. Etwa an den Fang eines »kapitalen« Karpfens, den die beiden passionierten Freizeitangler für einen Mitstreiter auf Schiefer bannten - nach einem Foto. Oder an eine gelungene Präsentation. 200 Tafeln (20x30 Zentimeter groß) sind aus der Werkstatt in Wächtersbach im Mainz-Kinzig-Kreis zu den Fastnachtskampagnen des Frankfurter Prinzenpaars Jonas I. und Prinzessin Sandra I. 2019/2020 in die Mainmetropole geliefert und bei deren Auftritten in der Fünften Jahreszeit verteilt worden.

Einladung vom Prinzenpaar

»Es war unser bislang größter Auftrag. Das war richtig, richtig viel Arbeit«, erinnern sie sich. »Dass uns dann das Prinzenpaar nach Frankfurt zu einer Veranstaltung einlud, hat uns sehr gefreut.« Wäre da noch die Gratulation an Zoe-Priscilla Hannemann »Du bist im Recall - Herzlichen Glückwunsch« für das Weiterkommen bei »Deutschland sucht den Superstar« in diesem Jahr.

Bis zum vollendeten Werk sind zahlreiche Schritte erforderlich. Daniel Geschwindner klopft auf eine Schiefertafel. »Wenn sie dumpf klingt, muss sie aussortiert werden«, hat er in seiner Lehre zum Dachdecker gelernt. Denn dann könnte sie einen Riss haben und für die weitere Bearbeitung untauglich sein. Weiter geht es mit dem Reinigen. Nur mit Wasser. Es folgt das Trocknen per Heißluft, bevor Steinlack aufgetragen wird. Danach geht es an die individuelle Gravur. »Das ist Arbeit am Computer«, sagt er. Da wünschen sich Kunden Symbole von der Mohnblume über Ringe bis zum Kreuz. Zu denen werden dann passende Schrifttypen gesucht und die Platzierung von Text und Gestaltungselementen festgelegt. Erneut wird die Platte poliert und mit Klarlack versehen - per Hand. Und gab es zuvor beispielsweise schon ein Herz aus dem porösen Sedimentgestein zu brechen, dann kamen spezielle Werkzeuge zum Einsatz, wie Schieferdeckerhaubrücke und -hammer. Damit jede Platte ein Unikat wird.

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