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Wasser sparen - das Gebot der Stunde in Wetterau und Vogelsberg

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In den Hitzesommern 2018 bis 2020 und auch in diesem Jahr leidet die Region unter besonderer Trockenheit. Da stellt sich die Frage, wie sicher die Trinkwasserversorgung jetzt und in Zukunft ist, auch vor dem Hintergrund der Wasserlieferungen an Frankfurt. SYMBOL © DPA Deutsche Presseagentur

Der Klimawandel ist da. Wasser wird ein knappes Gut. Da erntet die Ovag für ihre Lieferung an Frankfurt Kritik. Wie steht Vorstand Joachim Arnold dazu, wie knapp wird Wasser und was muss man tun?

D en Klimawandel zieht mittlerweile keine ernstzunehmende Wissenschaftlerin und kein ernst zu nehmender Politiker mehr in Zweifel. Und seine Auswirkungen bekommen auch wir immer stärker zu spüren. Mit den Hitzesommern 2018 bis 2020 und einer sich abzeichnenden Neuauflage dieses Jahr stellt sich für die Region die Frage, wie sicher ist die regionale Wasserversorgung jetzt und in Zukunft?

Einer, der es wissen muss, ist Ovag-Vorstand Joachim Arnold. Die Oberhessische Versorgungsbetriebe AG beliefert zahlreiche Kommunen der Region mit dem Lebensmittel Nummer eins - und darüber hinaus auch die Stadt Frankfurt. Ein Umstand der der Ovag Kritik einbringt. Denn viele werfen dem Unternehmen vor, mehr Wasser aus dem Vogelsberg in Richtung Frankfurt zu liefern, als gut wäre. Erst kürzlich bei der ersten Klimaschutzkonferenz des Wetteraukreises warf man der Ovag vor, sie fehle bei dieser wichtigen Veranstaltung und scheue so eine Stellungnahme zur dramatischen Entwicklung des Vogelsberger Wassers,

»Das stimmt nicht«, stellt Arnold im Gespräch mit dieser Zeitung klar. »Natürlich waren wir vor Ort. Allerdings lag der Informationsschwerpunkt der Veranstaltung beim Thema ›Energie‹, weshalb sich die Mitarbeiterin nicht auf den Aspekt Trinkwasser vorbereitet hatte.« Und er ergänzt umgehend, dass man jederzeit auf Einladung bereit sei, zu dieser Thematik Stellung zu beziehen und Fragen zu beantworten. »Ich selbst habe heute Abend einen solchen Termin, bei einer Naturschutzgruppe«, ließ der Ovag-Vorstand wissen.

Und wie sieht es nun mit dem Grundwasser im Vogelsberg aus? Wie dramatisch stellt sich die Lage dar? Die Initiative »Wasserlauf 2022« erklärt, dass lediglich noch sechs bis acht Prozent der Niederschläge zur Grundwasserneubildung beitragen und 70 Prozent der Quellen im Gewinnungsgebiet Vogelsberg trockenfielen. Ein Grund, laut Initiative: die Wasserlieferung nach Frankfurt!

In seiner Antwort lässt Joachim Arnold durchblicken, dass er viele der Aussagen nicht anzweifelt, manche daraus gezogenen Schlüsse aber nicht teilt. »Es ist nichts Neues, dass im Vogelsberg nur sechs bis acht Prozent der Niederschläge zur Grundwasserneubildung beitragen. Das hat aber auch mit der Bodenbeschaffenheit zu tun. Dort fließt das Wasser schneller ab.« Arnold bestreitet nicht, dass es in der Vergangenheit Fehler beim Wassermanagement gab, indem man diesen Abfluss künstlich beschleunigte. »Ich befürworte Maßnahmen, die zur Versickerung vor Ort beitragen, da nur dies zur stärkeren Grundwasserneubildung beiträgt.« Wichtig seien in diesem Zusammenhang die Winter-Niederschläge, da sie langsamer abflössen. Doch hier zeige sich bereits der Einfluss des Klimawandels, der diese unstetiger mache. Auch die jüngsten Hitzesommer trugen das ihre dazu bei. »Drei überdurchschnittlich nasse Jahre wären nötig, um den Trockensommer von 2018 auszugleichen«, so Arnold.

Den Vorwurf, die Ovag leite zu viel Wasser aus dem Vogelsberg nach Frankfurt weist er aber zurück. »Wir haben mit Rainrod lediglich ein Wassergewinnungsgebiet im Vogelsberg. Hier dürften wir jährlich sieben Millionen Kubikmeter Wasser entnehmen, tatsächlich war es 2021 aber gerade einmal die Hälfte.« Das größte Wassergewinnungsgebiet liege mit Inheiden in der Wetterau.

Arnold stellt klar, dass die Ovag Trinkwasser unter grundwasserschonenden Gesichtspunkten fördere, anders bekäme man auch keine Genehmigung. Man kontrolliere und prüfe vorausschauend und durchgängig, wie viel Entnahme möglich sei, ohne die zulässigen Grundwasserstände zu unterschreiten, und passe die Entnahme an. Deshalb stehe auch im Liefervertrag für Frankfurt, dass die vereinbarten Höchstmengen der Förderung reduziert werden können, wenn es etwa ökologische Gesichtspunkte nötig machten. »Und das praktizieren wir schon. Dieses Jahr werden wir beispielsweise eine Million Kubikmeter weniger liefern als 2021.« Arnold stellt außerdem klar, dass die von der Ovag eingeführte Wasserampel auch für Frankfurt gelte. Wobei er noch einmal deren Bedeutung erklärt: »Grün heißt, es ist genug Trinkwasser da und wir können genauso viel Wasser wie im Vorjahr liefern. Das heißt, keine Einschränkungen für die Verbraucher. Gelb hingegen bedeutet schon, dass dies nicht mehr möglich ist, und die Empfängerkommunen Wasser sparen müssen. Rot wiederum stellt klar, dass ein erheblicher Wassermangel herrscht und die Einsparbemühungen umso größer sein müssen.«

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Joachim Arnold ARCHIV © pv

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