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Wasserampel wird nicht rot geschaltet

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Die beiden Trinkwassergewinnungsanlagen der Oberhessischen Versorgungsbetriebe in Rainrod sind nach Darstellung des Unternehmens weiterhin ergiebig. © Red

Schotten (sw). Zwischen Schottens Rathauschefin Susanne Schaab und mehreren ihrer Vogelsberger Kollegen haben sich die Fronten mit der Oberhessischen Versorgungsbetriebe AG verhärtet. Grund dafür ist die von der Ovag installierte Wasserampel. Die Verwaltungschefs Sascha Spielberger (Freiensteinau), Sebastian Stang (Grebenhain), Bernhard Ziegler (Herbstein), Edwin Schneider (Ulrichstein) und Dr.

Olaf Dahlmann (Wartenberg) und Schaab haben mit Schreiben vom 4. August gefordert, die Wasserampel von derzeit Gelb sofort auf Rot zu stellen.

Als Begründung führen sie die »extrem heiße und trockene Wetterperiode« in diesem Jahr an. Das habe Folgen. Die ohnehin schon vorgeschädigten Böden trockneten weiter aus und verlören in immer größeren Ausmaß ihre Wasseraufnahme- und -speicherfähigkeit. »Somit ist für den Vogelsberg und für seine Randgebiete in der Wetterau selbst dann mit einer schlechten Grundwasserneubildung zu rechnen, wenn es im Herbst und Winter ausgiebig regnen würde«, betonen Schaab und Kollegen.

Sie weisen zudem darauf hin, dass die Niederschläge im Vogelsberg die tieferen Grundwasserstockwerke vielfach erst mit einer Zeitverzögerung von mehreren Jahren erreichen würden. Daher dürfte der Zufluss von Grundwasser zu den Ovag-Brunnen erheblich nachlassen.

Die Rathauschefs prognostizieren, dass die Grundwassermengen, die die Ovag auf absehbare Zeit umweltverträglich fördern könne, weiter absinken würden. »Wir Vogelsberg-Kommunen sehen für die nahe Zukunft die Grundwasserverfügbarkeit der Ovag daher als kritisch an«, betonen die sechs Bürgermeister. »Die Ovag sollte dies ihren Kunden möglichst umgehend signalisieren, indem sie die Wasserampel auf Rot stellt und den belieferten Kommunen nahelegt, ihren Trinkwasserverbrauch einzuschränken.«

In einem Antwortschreiben vom 26. August verweist der zuständige Ovag-Abteilungsleiter Franz Poltrum zunächst auf die im Internet einsehbare »Funktionsweise« der Wasserampel. Zur weiteren Information sind zwei Vorträge des hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie aus dem Vorjahr zu den Themen »Wasser im Vogelsberg« sowie »Wasser im Vogelsberg und der Klimawandel« beigefügt - zusammen rund 50 Seiten mit vielen Grafiken.

Unternehmen sieht keinen Anlass

Die Ovag beruft sich in ihrer Antwort auf die beiden Vorträge und lehnt die Umstellung der Wasserampel auf Rot ab. »Aufgrund der derzeitigen und für die nächste Zeit prognostizierten Grundwasserstände in unseren Gewinnungsgebieten, gelegen in der Wetterau und im westlichen unteren Vogelsberg, sehen wir uns fachlich und vertraglich nicht in der Lage, substanziell begründet, die derzeit bis November angezeigten Phasen der Wasserampel zu ändern.« Eine weitere Begründung erfolgt nicht.

Ende August vergangenen Jahres hatte die Stadt Schotten bereits gefordert, die Wassergewinnung in den beiden Brunnen der Ovag im Gewinnungsgebiet Rainrod sofort vorläufig einzustellen. Ihre Begründung hatte Bürgermeisterin Schaab auf ein vom Umweltbüro Schotten erstelltes Gutachten gestützt. Unter anderem befürchtete sie nicht nur Auswirkungen für den umgebenden Naturraum, sondern mittelfristig auch auf die Brunnen der Stadt Schotten.

Auf den Tag genau ein Jahr später verweist Ovag-Vorstand Joachim Arnold in seiner Antwort an die Stadt Schotten auf die wasserrechtliche Bewilligung und Erlaubnis für das Wasserwerk Rainrod, die erst nach Durchführung einer Umweltverträglichkeitsstudie und einer FFH-Prüfung erteilt worden sei. Zudem erfolge die Wasserförderung nach den Vorgaben der umweltschonenden Grundwassergewinnung. »Die Ergiebigkeit der Brunnen Rainrod lässt nicht nach. Eine Einstellung der Gewinnung ist nicht notwendig und kommt aus Gründen der Versorgungssicherheit nicht in Betracht.«

Um die aktuelle Witterungsentwicklungen zu berücksichtigen, hatte Schaab neue, aktualisierte Untersuchungen unter den Bedingungen des schlimmsten anzunehmenden Falles gefordert.

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