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Wasserlauf: Ein paar Liter kehren zurück

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Beim Aufbruch in Assenheim ist der Weg zum Nidda-Stausee noch weit, es bläst ein strammer Wind. Doch die Vogelsberger Ski- und Sportfreunde aus Mücke haben genug Puste, um mit Trillerpfeifen den Wassermangel-Alarm zu pfeifen. © Klaus Nissen

Am Aufwand gemessen, hätten sich mindestens 1000 Radler auf den Weg von Frankfurt zur Niddaquelle im Vogelsberg machen müssen. Doch der Wasserlauf fand weniger Teilnehmer als erhofft.

Eine Demo hat es im Vereinsleben der Vogelsberger Ski- und Sportfreunde noch nie gegeben. Normalerweise machen die Frauen und Männer aus Mücke dienstags und mittwochs Radausflüge. Im Winter stehen sie auf Alpin-Ski. Doch am Samstag stiegen sie um 7.30 Uhr in den Bus nach Frankfurt, im Anhänger ihre ziemlich edlen Mountainbikes. Mit Ansprachen und Chormusik wurden die Radler am Nidda-Unterlauf empfangen. Sie bekamen weiße Warnwesten und große blaue Aufkleber mit einem radelnden und einem laufenden Wassertropfen. »Wir tragen das Wasser von Frankfurt zurück in den Vogelsberg« lautete das Motto des seit drei Jahren von gut 20 Naturschutzverbänden, dem Verein Oberhessen und zahlreichen Kommunen organisierten Wasserlaufs.

Appelle ans

Rhein-Main-Gebiet

Das Event hatte einen ernsten Hintergrund. Der Umgang mit dem Trinkwasser aus dem Vogelsberg muss sich stark verändern, fordert das Bündnis. Die Menschen und Betriebe im Raum Frankfurt sollen mehr Wasser aus der eigenen Region nutzen. Und für alle gelte: Das Lebensmittel Nummer eins sei zu knapp, um damit Autos zu waschen, Rasen zu nässen oder Pools zu füllen. Zu viele Menschen täten trotz der aktuellen Trockenheit noch so, als sei das Trinkwasser unbegrenzt verfügbar. Dr. Hans Otto Wack, wissenschaftlicher Berater der Schutzgemeinschaft Vogelsberg, sagte: »Abends springen die Gardena-Automaten an und bewässern das Rhein-Main-Gebiet.« Die privaten Pools seien voll. Der Pro-Kopf-Verbrauch steige auf gut 250 Liter pro Tag, beklagte Wack.

Im Winter ist laut Bernhard Klug von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ein Pro-Kopf-Trinkwasser-Verbrauch von knapp über 100 Litern normal - doch in Frankfurt liege er bei 152 Litern. Das müsse sich ändern. Klug forderte unter anderem eine Pflicht zur Installation von Zisternen und Toilettenspülungen mit Brauch- oder Regenwasser.

Das wertvolle Trinkwasser aus dem Vogelsberg und Mittelhessen dürften die Frankfurter nicht mehr zur Wässerung ihrer Grünanlagen verschwenden.

Das Frankfurter Rohrnetz sei löchriger als anderswo, ergänzte Cécile Hahn von der Schutzgemeinschaft Vogelsberg. So gingen dort jährlich 3,14 Millionen Kubikmeter verloren - etwa 20 Prozent der Wassermenge, die die Frankfurter von der Ovag beziehen.

»Wir befinden uns schon seit 2003 in der längsten Trockenperiode der Neuzeit«, mahnte auch Ovag-Vorstandschef Joachim Arnold jüngst bei einem Treffen mit den Bad Vilbeler Naturfreunden. 2021 habe die Ovag weniger Trinkwasser als in den Vorjahren an die Haushalte und Betriebe zwischen Frankfurt und Alsfeld liefern können.

Die jährliche Fördermenge sank laut Arnold in den Fördergebieten auf 29,2 Millionen Kubikmeter. Zusätzlich bezog die Ovag 3,9 Millionen Kubikmeter vom Zweckverband Mittelhessischer Wasserwerke, um den Frankfurter Ballungsraum versorgen zu können. Die Ovag drosselt laut Arnold die Pumpen, sobald sich der Grundwasserpegel dem Minimalwert von 145 Metern über dem Meeresspiegel nähert. An vielen Messstellen werde er intensiv beobachtet. In wenigen Jahrzehnten könnten die Regenfälle nicht mehr für den Nachschub aus den Wasserhähnen reichen.

Der Ovag-Vorsitzende unterstützte die Forderung von Naturschutzverbänden, hessenweit mit einer neuen Abgabe auf Grundwasser-Entnahmen (»Wassercent«) den Bau von Rückhaltebecken und Systemen zur Brauchwassernutzung zu finanzieren.

Nidda-Wasser

übergeben

Später als erwartet erreichten die Ski- und Sportfreunde Mücke und einige Mitradler aus der Wetterau und Frankfurt am Samstagmittag die Nabu-Station in Assenheim. An der Mündung der Wetter in die Nidda trank man etwas, ruhte sich aus. Wer dort die Tour beendete, übergab das in Plastikflaschen mitgebrachte Nidda-Wasser an die etwa 60 Leute, die weiter auf dem Radweg zur Quelle fuhren, um es dorthin zurückzubringen. VON KLAUS NISSEN

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