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»Wasserlauf«: Protest gegen Abpumpen ins Rhein-Main-Gebiet

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Abschließender Höhepunkt des Wasserlaufes war das Zurückgießen von Niddawasser in die Quelle. © Stefan Weil

Der extrem trockene Sommer 2022 befeuerte auch die Diskussion ums Trinkwasser - genauer um die Lieferung aus dem Vogelsberg ins Rhein-Main-Gebiet. Ausdruck des Protests war der »Wasserlauf« im Juli.

Ein besonderes Zeichen gegen zunehmenden Wasserexport aus dem Vogelsberg in die Rhein-Main-Region: So zumindest haben die Organisatoren von mehreren regionalen Umweltverbänden und Kommunen die lange geplante Aktion unter dem Motto »Wir tragen das Wasser von Frankfurt zurück in den Vogelsberg« bewertet.

Wegen Corona musste die Demonstration zweimal vertagt werden - vielleicht auch ein Grund dafür, dass insgesamt weniger Menschen sich an diesem Tag öffentlich für eine Änderung der Trinkwassergewinnung im Moloch Frankfurt und Umgebung eingesetzt haben, als eigentlich erwartet. Rund 200 Menschen hatten sich bei der zentralen kleinen Kundgebung am Nidda-Stausee versammelt.

Eine Gruppe von rund 40 Radfahrern der Vogelsberger Ski- und Sportfreunde aus Mücke hatte den umgekehrten Weg des in Rainrod und Kohden durch die Ovag geförderten Grundwassers abgefahren und wurde mit viel Beifall begrüßt. Mit dabei waren auch einige Aktive von der Niddaer Gruppe der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), die allerdings später auf den Radsattel gestiegen waren.

Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab kritisierte den Wasserexport in Richtung Frankfurt. Das unter intensiver Beteiligung der Schutzgemeinschaft Vogelsberg entwickelte »Integrierte Wasserressourcenmanagement Rhein-Main« sei aus oberhessischer Sicht lediglich ein Minimalkonsens. Auch das »Geschäft mit dem Wasser« der Versorgungsunternehmen Mainova und Hessenwasser sei ein Missstand.

Trinkwasser nicht für Toilette benutzen

»Das Trinkwasser in den Kommunen im Vogelsberg ist wegen der aufwendigen Infrastruktur teurer als in Frankfurt. Die Menschen dort sollten bereit sein, mehr Geld für ihr Trinkwasser zu bezahlen«, betonte die Bürgermeisterin. Kein Trinkwasser für Toilettenspülungen und generell ein zweites System mit Brauchwasser forderte Rüdiger Hansen vom BUND Frankfurt.

Höhepunkt und Abschluss des Aktionstages war das symbolische Zurückgießen des in Frankfurt aus der Nidda geschöpften Wassers in die Nidda-Quelle im hohen Vogelsberg. Rund 80 Pedaleure hatten sich vom Stausee - mit und ohne elektrische Motorunterstützung - auf den Weg gemacht.

Trotz der deutlich geringeren Resonanz als ursprünglich erwartet, war Gabriele Geiß (Feldatal) mit dem Ablauf des Wasserlaufes am Abend des Aktionstages zufrieden.

Die Organisatorin verwies vor allem auf das Hessische Fernsehen, das in der Hessenschau einen längeren Beitrag - auch mit Protagonisten aus der Region - gesendet hatte, in dem Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) einräumte, dass Deutschlands fünftgrößte Stadt ihren Trinkwasserbedarf nur zu einem Viertel aus eigenen Ressourcen decken könne.

Große Resonanz in den Medien

Auch mit mehrmonatlichem zeitlichen Abstand bewertet Geiß den Wasserlauf wegen der großen medialen Resonanz als »großen Erfolg«, wie sie gegenüber dem Kreis-Anzeiger betonte. Nicht nur das Hessenfernsehen, auch das ZDF habe die Problematik thematisiert, die zudem in mehreren Dokumentationen umfassend zur Sprache gekommen sei.

»Wir haben es zudem auf den Titel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und die Zeit geschafft«, freut sich die Organisatorin. Sie ist darüber hinaus überzeigt, dass »die gemeinsame Aussage und der gemeinsame Auftritt der großen Umweltverbände große Kraft entfaltet« habe.

In der öffentlichen Wahrnehmung sei die Grundwasserproblematik durch den Wasserlauf mehr bei den Menschen angekommen. »Ich denke, dass viele Wähler in Hessen jetzt wissen, wo das Wasser für Frankfurt herkommt.«

Auch die Landespolitik habe sich verstärkt des Themas angenommen, so Geiß weiter. Es hätten verschiedene Online-Gespräche mit hochrangigen Vertretern von Hessenwasser, den Wasserbehörden und dem Umweltministerium stattgefunden. Zudem gebe es Interesse an einem Infoangebot der Umweltverbände zum Thema Brauchwasser.

Kritik äußerte Geiß an der Ovag. Das den drei Landkreisen Wetterau, Vogelsberg und Gießen gehörende Versorgungsunternehmen habe nach dem Wasserlauf dargestellt, dass der Grundwasserspiegel im Vogelsberg erst in mehreren Jahrzehnten in Gefahr sei.

»Das ist nicht richtig«, betont Geiß. Hessenwasser habe dagegen eine Studie in Auftrag gegeben, die zu ähnlichen Rückschlüssen wie eine Analyse des Bundes für Umwelt und Naturschutz komme.

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