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Plattschwätzer Mundart-Wettbewerb

Die Wearrera soll leawe!

Ein Poetry Slam ganz anderer Art – im Wetterauer Dialekt – ging in Butzbach-Ostheim über die Bühne. Die Wetterauer Plattschwätzer wählten bei diesem fünften Mundartentscheid ausnahmslos weibliche Preisträgerinnen.

Von Kurt Sänger

Das Hessische als eigenständigen Dialekt gibt es nicht. Einen Beweis hierfür liefert seit fünf Jahren der Wetterauer Mundartwettbewerb Plattschwätzer. Die vom Wetteraukreis ins Leben gerufene Veranstaltung findet jährlich unter der Schirmherrschaft des Landrates an einem anderen Ort im Kreisgebiet statt, diesmal im Butzbacher Stadtteil Ostheim.

Ein Großereignis mit Volksfestcharakter bei Handkäs’, Ebbelwei und Kartoffelsupp’, das rund 350 Gäste in die Lagerhalle der Kelterei Müller lockte. Dazu die politische Prominenz. Neben Landrat Joachim Arnold (SPD) konnte der Moderator Friedel Werner, bekannt als singender Kartoffelbauer, die Vorsitzende des Kreistages, Stephanie Becker-Bösch (SPD), begrüßen. Bürgermeister Michael Merle (SPD) und Ortsvorsteher Hubert Meyer überbrachten die Grüße der Stadt Butzbach.

Die Idee, einen Wettbewerb der Wetterauer Plattschwätzer auszuloben, stamme ursprünglich von Erika Werner aus Florstadt, hob Arnold hervor. Er selbst ist zweisprachig aufgewachsen, demnach ihm heute noch das Wetterauer Platt munter von den Lippen purzelt. Mit Erika Werner „haben wir eine bedeutende Impulsgeberin“, sagte Arnold, die sich von Anbeginn für die Wetterauer Mundart über Florstadt hinaus engagiert habe. Gleiches gelte auch für Marlit Hoffman, die Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung der mittelhessischen Mundart und Kultur. Aber auch der ehemaligen Kreisarchäologin Vera Rupp und heutigen Leiterin der Keltenmuseums am Glauberg sei man zu besonderem Dank verpflichtet, betonte der Landrat. Hoffmann und Rupp wurden für ihr Engagement mit dem Ehrenpreis der Wetterauer Plattschwätzer ausgezeichnet.

Die Teilnehmer werden aus „einer Fülle“ von Beiträgen ermittelt. Eine interne Jury unter der Federführung des Sprechers des Wetteraukreises, Michael Elsaß, filtert die besten zehn Beiträge heraus, über die dann das Saalpublikum zu guter Letzt selbst entscheidet.

„Das ist nicht immer leicht“, sagte Jury-Mitglied Rupp. Standards an Qualität aber auch Originalität müssten stimmen, wobei das Spektrum der eingereichten Beiträge weit gefächert ist. Schrullige Burlesken, Anekdoten aus vergangenem Dorfleben und gereimte Histörchen treffen mit zeitkritischen und literarischen Beiträgen zusammen. „Die ganze Palette des Lebens in der Wetterau“, formuliert Rupp.

Doch sind es bevorzugt die Humoresken, die das Publikum zum Lachen bringen und die Gunst entscheiden. So ging auch in diesem Jahr der erste Plattschwätzer-Preis an Ewalda Klein aus Ockstadt. Sie befasste sich in Reimen mit alten Schimpfwörtern, deren Auslegung für krachende Lacher sorgte.

Der zweite Preis ging an Petra Graf aus Nidda-Ulfa mit ihren literarischen und nachdenklichen Betrachtungen über einen Küchentisch, sinnbildlich für alle Lebensschicksale im Haus, vom Arbeitsplatz beim Bohnenschneiden, dem Wickeltisch bis zur festlich geschmückten Tafel.

Platz drei ging an Karin Bach und Rebecca Kammer, ebenfalls aus Nidda-Ulfa. Oma und Enkelin setzen sich humorvoll mit den Widrigkeiten der Computersprache auseinander.

Denn wenn der Browser von der Oma im Dialekt lautmalerisch durchaus richtig als Dusche übersetzt wird, kann die Verwechselung schon mal in ein tränenreiches Lachen münden.

Alle Beiträge, auch die der vorangegangenen Preisträger aus den vier Plattschwätzer-Wettbewerben, können ab sofort als Buch erworben werden. Kreissprecher Elsaß hat mit seinem Wettbewerbs-Team in „mühevollster Kleinarbeit“, wie er betonte, die Texte redigiert und eine hochdeutsche Übersetzung beigesteuert.

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