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Wenn alle Regeln fallen

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Thomas Jager betreibt auf dem Hoherodskopf den Berggasthof »Zum Steira«. © Stefan Weil

Für Gaststätten- und Restaurantbetreiber hat eine neue Corona-»Zeitrechnung« begonnen. Die Regeln, die zum Schutz vor einer Infektion gedacht waren, sind weitgehend gefallen. Wie beurteilen heimische Wirte die neue Situation und wie gehen sie mit ihr um?

Nachdem die Bundesregierung mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes die rechtlichen Grundlagen für bisherige Corona-Regelungen gekappt und das Land Hessen das Ende der Verlängerungsfrist für den 2. April festgelegt hatte. sind bisherige Schutzmaßnahmen passé.

Auswirkungen auf viele Bereiche

Das hat erhebliche Auswirkungen für viele Lebensbereiche, so für den Handel, vor allem auch für die Gastronomie. Der Kreis-Anzeiger fragte in verschiedenen Betrieben nach, was das für das Alltagsgeschäft bedeutet. Wirte und Restaurant-Betreiber sind nun nicht mehr berechtigt, ihre Gäste zu kontrollieren, ob sie geimpft oder genesen sind. Auch der Nachweis eines negativen Corona-Tests muss nicht mehr erbracht werden, um eine Lokalität betreten zu dürfen. Dafür fehlt nach der Neufassung des Infektionsschutzgesetzes die gesetzliche Grundlage.

»Wir lassen alle Regelungen fallen«, sagt Arno Mangold, Betreiber des Hotel Haus Sonnenberg in Schotten. Lediglich beim Gang zum Buffet will der Gastronom von seinem Hausrecht Gebrauch machen. »Dabei bitten wir die Gäste, Masken zu tragen.« Dass das zu größeren Diskussionen führen wird, glaubt er nicht. »Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen«, sagt Mangold. Den Gästen sei natürlich selbst überlassen, grundsätzlich im Haus sich mit einer Maske zu schützen. »Aber das ist jedem natürlich freigestellt. Würden wir eine generelle Maskenpflicht vorschreiben, würde das voraussichtlich nicht jeder Gast befolgen wollen. Andere Gäste würden dann wahrscheinlich monieren, dass keine Masken mehr getragen werden. Das möchte ich allen Beteiligten ersparen.«

Auch den Mitarbeitern werde man nicht vorschreiben, Masken zu tragen. »Ich gehe aber davon aus, dass die meisten freiwillig einen Mund-Nasen-Schutz anziehen werden«, sagt der Hotelier.

Ähnlich bewertet Karl Appel, Inhaber des gleichnamigen Hotels und Restaurants in Betzenrod, die Situation. »Wir überlassen es unseren Gästen, wie sie mit der neuen Regelung umgehen. Was der Gesetzgeber erlaubt, werden auch wir erlauben. Wir könnten zwar auf unser Hausrecht bestehen und Masken vorschreiben, aber das führt nur zu unnötigen Diskussionen.« Mit der neuer Regelung beziehungsweise der Aufhebung der seitherigen Beschränkungen seien die Menschen jetzt selbst mehr gefragt. »Das muss jeder in eigener Verantwortung entscheiden. Appel vermutet, dass die Infektionszahlen in den nächsten Tagen wieder in die Höhe gehen werden. »Da muss man abwarten, was dann weiter passiert.«

Axel Winter vom Landgasthof »Zur Birke« in Burkhards begrüßt, dass die strengen Corona-Vorschriften jetzt nicht mehr gelten. »Es war schon ein ziemlicher Aufwand, die 3G-Regel zu kontrollieren. Hatte ein Gast mal seinen Nachweis vergessen und musste ihn erst aus dem Auto holen, hat das manchmal schon etwas aufgehalten, zumal wir zwei Eingänge in unserem Restaurant haben, die wir kontrollierten mussten.«

Viele Gäste werden wahrscheinlich nicht abrupt auf das Tragen von Masken verzichten. »Das habe ich mehreren Gesprächen entnommen. Das ist auch die Bitte an unsere Gäste, weiterhin Vorsicht walten zu lassen. Aber das werden wir nicht zwingend verlangen.«

Für Axel Winter ist die aktuelle Situation sonderbar. »Die ganze Zeit mussten wir kontrollieren. Wir mussten sogar mit einer Bestrafung rechnen, wenn wir das nicht getan hätten. Jetzt fällt das alles weg, obwohl die Corona-Neuinfektionen weiterhin auf einem sehr hohen Niveau verharren.« Die Maskenpflicht hätte mindestens vier Wochen länger bestehen müssen. Das wäre sicherer gewesen. Ich persönlich plädiere sogar für das Tragen der Masken noch für das komplette Jahr.«

Für seinen Berggasthof »Zum Steira« auf dem Hoherodskopf bittet Thomas Jager seine Gäste weiterhin um das Einhalten der AHA-Regeln. Der Grund ist einleuchtend: »Die Infektionszahlen sind in den vergangenen Wochen extrem gestiegen. Daher sind wir weiter vorsichtig.« Thomas Jager hat neben dem Thema Corona derzeit noch andere Sorgen. »Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges spüren wir. Die Leute sparen den teuren Sprit und verzichten schon mal auf einen Ausflug auf den Hoherodskopf, weil sie auch an die Arbeit fahren müssen.«

Vom Hausrecht Gebrauch machen

Auch auf der benachbarten »Taufsteinhütte« wird die Maskenpflicht erst einmal beibehalten. Das betont Inhaber Jürgen Carnier. »Wir haben die ganze Zeit nach den Corona-Regeln kontrolliert. Jetzt geht es nach der neuen Gesetzeslage in die andere Richtung.« Aber die Schutzfunktion der Masken habe für ihn eine hohen Stellenwert. »Wir machen dabei von unseren Hausrecht Gebrauch. Die Maskenpflicht gilt beim Betreten des Restaurants bis zum Platz und beim Gang zur Toilette.« Allerdings mit »erhobenen Zeigefinger« werde er nicht darauf bestehen. »Wir werden das nicht erzwingen«, sagt Jürgen Carnier abschließend. VON STEFAN WEIL

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