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Wenn die Datensammler klingeln

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Von: Hedwig Rohde

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Wer eine Terminankündigung erhalten hat, bekommt in der Regel eine Woche später Besuch von den Zenus-Erhebungsbeauftragten. SYMBOLFOTO: IMAGO © Imago Sportfotodienst GmbH

Vor wenigen Tagen hat eine 34-jährige alleinerziehende Mutter eine »Wichtige amtliche Information für Ihren Haushalt« im Briefkasten ihrer Wohnung im Wetteraukreis vorgefunden, dazu eine Terminankündigung. Und so läuft er ab - der Zensus 2022.

Volkszählungen sind keine Erfindung der Moderne. Jedes Jahr zu Weihnachten wird in christlichen Kirchen die Geschichte von Maria und Josef vorgetragen, die sich im unter römischer Verwaltung stehenden Palästina auf den Weg in ihre Geburtsstadt machen mussten, um dort registriert zu werden. Hintergrund damals: Daten für die Steuererhebung zu sammeln.

Heute heißt das ganze Zensus, und es geht es um aktuelle Bevölkerungszahlen, Daten zur Demografie (etwa zu Alter, Geschlecht und Staatsbürgerschaft) und zur Wohn(ungs)situation (durchschnittliche Wohnraumgröße, Leerstand, Eigentümerquote).

Im früheren Bundesgebiet fand die letzte sogenannte Vollerhebung (die Befragung jedes einzelnen Haushalts) 1987 statt, in der ehemaligen DDR 1981.

Nach der Einführung des Euro 2002 sowie der vierten bis sechsten Erweiterung der Europäischen Union (1995 bis 2007) gab es 2011 den ersten EU-weiten Zensus. Er soll seither alle zehn Jahre stattfinden und wurde 2021 wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben.

Vorher noch nie davon gehört

Notwendig sind die regelmäßigen Bestandsaufnahmen, um verlässliche Basiszahlen für Planungen zu haben, für die Einteilung von Wahlkreisen ebenso wie für die anteilige Verteilung von Steuergeldern oder die Stimmenverteilung im Bundesrat. In erster Linie werden hierfür die Daten aus vorhandenen Verwaltungsregistern genutzt. Für die stichprobenartige Ergänzung durch Haushaltsbefragungen wurden zwölf Prozent der Bevölkerung ausgewählt, die zur Auskunft verpflichtet sind.

Bevor sie Brief und Terminankündigung in der Post fand, hatte Sandra Müller vom Zensus nie etwas gehört. »Ich war ganz schön unsicher, ob da irgendeine Betrugsmasche dahinter steckt«, berichtet sie nun ihrer Interviewpartnerin Sabine Meier. Für die kontaktfreudige 63-jährige pensionierte Lehrerin, die sich über die abwechslungsreiche Aufgabe freut, haben wir sicherheitshalber ebenfalls einen fiktiven Namen gewählt, denn alle amtlich bestellten Erhebungsbeauftragten mussten sich im Vorfeld zur absoluten Verschwiegenheit verpflichten.

An der Haustür - die Erhebungsbeauftragten sind unter anderem aus Hygienegründen angehalten, Wohnräume nur im Ausnahmefall zu betreten - entspinnt sich ein kurzes freundliches Gespräch zwischen den beiden Frauen.

Nach zehn Minuten ist alles vorbei

Sandra Müller konnte ihre Zweifel im Vorfeld ausräumen. Sie hatte sich zwar den dem Anschreiben beigefügten Info-Flyer durchgelesen, aber erst der Anruf bei einer guten und politisch interessierten Freundin, die in den Nachrichten vom Zensus gehört hatte, beruhigte sie wirklich.

Nun geht es zehn Minuten lang um Namen, Geburtsdaten, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Familienstand und Wohnsitz der dem Haushalt angehörigen Personen, in diesem Fall um Sandra Müller und ihren achtjährigen Sohn Max. Maßgeblich dabei ist - unabhängig vom Datum der Befragung - die Situation am Stichtag 15. Mai 2022.

Nachdem die Antworten eingetragen sind, geht es für die 34-Jährige in die nächste Runde.

Ihr Haushalt gehört zu den 80 Prozent der ausgewählten Haushalte, deren Mitglieder bestimmt wurden, zusätzlich online jeweils einen erweiterten Personenfragebogen auszufüllen. Der Zugangscode der beiden Online-Fragebögen wird auf dem bereits schriftlich ausgefüllten Mantelbogen vermerkt, dann hat Sabine Meier ihren Job bei diesem Haushalt getan. »Das lief doch gut«, sagt sie zufrieden und macht sich auf den Weg zum nächsten Termin.

INFO:

Das Vorgehen der Erhebungsbeauftragten, die einen speziellen Ausweis mit sich führen, ist genau geregelt. Als erstes begehen sie auf Basis einer vorgefertigten Liste die ihnen zur Befragung zugeteilten Haushalte, überprüfen anhand der Klingelschilder und sonstiger Merkmale die Korrektheit der Auflistung. Etwa eine Woche vor dem geplanten Interviewtermin werfen sie den amtlichen Umschlag mit Info-Material und Terminzettel in den Briefkasten. Wem der Termin nicht passt, der kann unter der angegebenen Telefonnummer einen neuen vereinbaren. Es reicht, wenn pro Haushalt eine erwachsene Person Auskunft erteilt. 80 Prozent der für die Stichprobe ausgewählten Haushalte sind ausersehen, zudem online erweiterte Personalfragebogen auszufüllen. Außerdem findet eine Gebäude- und Wohnungszählung statt. Zur Teilnahme verpflichtet sind alle Eigentümer, Verwalter, sonstige Verfügungs- und Nutzungsberechtigte. Zugangsdaten für den Online-Fragebogen werden vom Statistischen Landesamt per Post versandt.

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Ausführliche Informationen unter www.zensus2022.de.

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