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Wenn die »Lindheimer Hexen« anpacken und einrichten

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Der Karnevalsverein »Lindheimer Hexen« leistet ehrenamtliche Hilfe für die Ukraine-Flüchtlinge. Initiiert hat Mitglied Hannah Stroh (rechts kniend) diese Aktion. © Jürgen W. Niehoff

Nicht mehr nur zuschauen, sondern selbst helfen. Das wollte Hannah Stroh mit Blick auf die Tragödie des Kriegs in der Ukraine und zog dabei auch Mitglieder ihres Vereins »Lindheimer Hexen« mit.

Die Nachrichten und Bilder vom Krieg Russlands gegen die Ukraine bewegen nicht nur die Menschen in der ganzen Welt, sondern sie veranlassen auch viele zur beispielhaften Hilfsbereitschaft. So auch im Altenstädter Ortsteil Lindheim. Als eines Abends wieder von den Gräueltaten im Fernsehen berichtet wurde, wollte die Lindheimerin Hannah Stroh mitanpacken und Hilfe leisten.

Mit ihrer Mutter besprach sie zunächst mögliche Aktionen. Mit einem Bündel an Ideen ging sie dann in ihren Verein, den Karnevalsverein »Lindheimer Hexen« und entfachte dort Begeisterung mit ihrem Plan, Flüchtlingen aus der Ukraine tatkräftig unter die Arme greifen zu wollen. Etwa zehn Vereinsmitglieder erklärten sich sofort bereit, mitzuhelfen. Doch wie? Ein erster Gedanke galt den Wohncontainern, die die Gemeinde 2015 im Rahmen der ersten größeren Flüchtlingswelle aus Syrien als Sammelunterkunft angeschafft hatte. Da man die Container, die Platz für maximal 20 Personen bieten, schon damals gebraucht kaufte und sie inzwischen längere Zeit leer standen, befanden sie sich zum Teil in einem wenig wohnlichen Zustand. Also rückte die Gruppe um Hannah Stroh mit Besen, Putzeimern und den nötigen Einrichtungsgegenständen an und brachte die Container in Lindheim wieder auf Vordermann.

Vorarbeit durch die Gemeinde

»Das haben wir alle freiwillig gemacht und zwar neben unseren normalen 40-Stunden Jobs«, sagt Stroh. Sie hätten sich zwar noch ein wenig mehr Engagement der Gemeinde erhofft, doch Hauptamtsleiter Klaus Bube erklärt: »Mehr geht natürlich immer. Aber die Gemeinde sorgte zunächst einmal mit viel Geld für die Grundreinigung und die Grundausstattung der Wohnanlage.« Er stellt aber fest dass die »Lindheimer Hexen« anschließend die »Feinarbeiten« geleistet hätten. »Und dafür ist die Gemeinde sehr dankbar, denn ohne das Engagement der ehrenamtlich Tätigen ist das Zusammenleben in einer Kommune kaum vorstellbar«, so Bube. Zu einer derartigen freiwilligen Leistung, wie Stroh ausdrücklich bemerkt, zählt auch das Angebot von Sara Filges im Haarsalon »Hairzstück« in Lindheim. Vor Ostern will sie allen Flüchtlingen aus der Lindheimer Wohncontainer-Anlage kostenlos die Haare schneiden, färben und stylen.

Hilfestellung beim Behördengang

Mit dem Putzen und Einrichten der Container ist für die Hexen die Arbeit aber noch nicht getan. »Wir versuchen, dass jemand von uns möglichst täglich vor Ort ist, um bei Behördengängen oder Arztbesuchen Hilfestellung leisten zu können«, berichtet Stroh weiter. Hier schaltet sich auch Bürgermeister Norbert Syguda ins Gespräch ein: »Gerade in Sachen Bürokratie gibt es noch viel Verbesserungsbedarf.« So müssen sich etwa auch Ukraine-Flüchtlinge in der Wetterau zunächst bei der Ausländerbehörde in Friedberg registrieren lassen, bevor sie unter anderem eine Arbeitserlaubnis erhalten. »Dabei wollen viele von ihnen sofort arbeiten und ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen«, so Syguda. Das liege auch im Interesse seiner Gemeinde. Denn unter den Flüchtlingen seien beispielsweise Kindergärtnerinnen, die die Gemeinde so dringend brauche. Die Hürde bilde zurzeit die Friedberger Behörde, denn die erteile momentan Besuchererlaubnisse erst ab August. »Da wollen viele von ihnen schon längst wieder in ihrer Heimat sein«, gibt Syguda die Hoffnung vieler Flüchtlinge wieder. Diese registrieren die Hilfsbereitschaft auch der »Lindheimer Hexen« sehr genau. So entstanden inzwischen Freundschaften zwischen Ukrainern und Vereinsmitgliedern. »Wir werden zum Essen eingeladen und verbrigen bei Gesprächen und Sport viel Freizeit miteinander«, erzählt Hannah Stroh.

16 Ukraine-Flüchtlinge wohnen derzeit in der Container-Anlage in Lindheim. Weitere Wohncontainer stehen in Oberau und der Waldsiedlung. Doch da Altenstadt nach aktuellem Stand monatlich 28 Flüchtlinge aufnehmen soll, sind die Kapazitäten sehr begrenzt. Die Gemeinde hat zwar noch Immobilien, die allerdings erst noch hergerichtet werden müssten, doch fehlt es insgesamt an Wohnraum. »Wer also bereit ist, diese Menschen aufzunehmen beziehungsweise Unterkünfte für Familien bereitzustellen, soll sich ans Rathaus wenden.« Ansprechpartner dort ist Regina Schröder (E-Mail schroeder@altenstadt.de).

Weitere Hilfe leistet die Gemeinde, indem sie Hilfstransporte in die Ukraine über die polnische Partnergemeinde Kazmierza Wielka an das ukrainisches Buczacz organisiert. Auch hierfür sind (Geld-)Spenden erwünscht.

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