Über 1000 Straftaten weniger

Wetterau ist sicherer geworden: Kriminalität ist auf dem Rückzug

  • Thomas Kopp
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Die Wetterau ist ein Stück sicherer geworden, zumindest wenn man die gestern veröffentlichte Kriminalitätsstatistik der Polizei zu Rate zieht. Demnach wurden auch mehr Straftaten aufgeklärt. Einige der zehn Fälle mit Todesfolge haben die Wetterau im vergangenen Jahr bewegt, unter anderem der Mord an einem Banker in Niddatal-Ilbenstadt.

Eines schränken die Vertreter der Wetterauer Polizei bei der Präsentation der Kriminalitätsstatistik für vergangenes Jahr gleich ein: Alle Straftaten können nicht erfasst werden. Ein einfaches Beispiel: Bei Drogendelikten ist die Polizei grundsätzlich auf eigene Ermittlungen angewiesen, da weder Verkäufer noch Konsument auf eine Anzeige erpicht sind. Beim schweren Diebstahl sieht das aus Sicht des Geschädigten ganz anders aus. Trotzdem lassen sich aus der Statistik Rückschlüsse ziehen, was die Verbrechensentwicklung zwischen Bad Vilbel und Butzbach sowie Rosbach und Gedern betrifft.

Die Gesamtzahl der Delikte ist im Vergleich zum Vorjahr (12 850 Straftaten) um 1061 Fälle gesunken. Das bedeutet ein Minus von 8,3 Prozent. Erneut konnten die Beamten mehr Fälle aufklären. Die Quote liegt nun bei 59,3 Prozent, sie ist um zwei Prozentpunkte gestiegen. Und das trotz der guten Verkehrsanbindungen, die Straftätern auch aus anderen Regionen eine Flucht vereinfachen, schildert dazu Polizeisprecherin Sylvia Frech.

Doch führt diese gute Infrastruktur durchaus zu Problemen. „Banden finden ihren Rückzugsraum unter anderem in Ballungsgebieten wie dem Rhein-Main-Gebiet“, sagt Frech. Sie schlagen vor allem in Bad Vilbel, Friedberg, Bad Nauheim, Ober-Mörlen und Rosbach zu, meist handelt es sich um Wohnungseinbrüche und Diebstahl von oder aus Autos. Vor allem Lenkräder und Navis aus BMW und anderen hochwertigen Marken waren dabei das Ziel.

Aufsehenerregender Fall

Im vergangenen Jahr wurden 22 Straftaten gegen das Leben registriert, im Vorjahr waren es zehn. 21 dieser Taten wurden aufgeklärt. Zwölf der Taten wurden nicht vollendet, doch zehn Tote bleiben. Die Polizei ermittelte deswegen in sieben Fällen wegen Mordverdachts, in ebenfalls sieben Fällen wegen versuchten Mordes, in einem Fall wegen Totschlags, in fünf Fällen wegen versuchten Totschlags und in zwei Fällen wegen fahrlässiger Tötung.

Für Aufsehen sorgte der Mord an einem 40-jährigen Ex-Soldaten und Finanzmakler in dessen Haus in Niddatal-Ilbenstadt. Es entwickelte sich ein spektakulärer Prozess gegen den 21-jährigen Tatverdächtigen, im April soll das Urteil fallen. Ebenfalls in die Statistik des vergangenen Jahres fällt der Doppelmord in Ilbenstadt. Ein Bad Vilbeler soll dabei seinen Vater und Bruder ermordet, das Elternhaus in Brand gesteckt haben (siehe Bericht unten). Höchst traurig sind die schweren Verletzungen eines Säuglings in Altenstadt. Hier soll der 17-jährige Vater verantwortlich sein.

Die Kriminalpolizei führte neben den Ermittlungen zu den Straftaten gegen das Leben noch Todesursachenermittlungen. In 248 Fällen im Jahr 2017 ergaben sich keine Anhaltspunkte für eine Straftat. Dabei ging es um 43 Selbstmorde, acht Unglücksfälle, 196 natürliche Todesfälle und einen Drogentoten.

Gleich geblieben ist die Anzahl der Raubdelikte, sie liegt bei 71 Fällen. 57,7 Prozent der Taten wurden aufgeklärt, die Quote stieg damit um 1,4 Prozentpunkte an. Die Anzahl der Körperverletzungen sank um 10 Prozent auf 1243 Fälle. Die Aufklärungsquote stieg auf 94,2 Prozent, im Vorjahr waren es 92,5. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 4255 Diebstähle registriert, 723 weniger als im Vorjahr. Doch noch immer machen sie über ein Drittel aller Straftaten aus. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich ist traditionell gering, sie liegt je nach Delikt unter oder um die 20 Prozent. Immerhin sank die Zahl der Wohnungseinbrüche um 106 auf 361 Fälle.

Diebstähle in oder aus Kraftfahrzeugen stellen im Wetteraukreis eine der am häufigsten verübten Straftaten dar. 308 Fälle wurden registriert, im Vorjahr waren es 518. Dies entspricht einem Fallzahlen-Rückgang von 40,5 Prozent. Die Aufklärungsquote stieg von 12,4 auf 19,8 Prozent. Gestiegen ist allerdings die Zahl der Fahrraddiebstähle – von 483 auf 509.

Betrügerische Anrufe

2515 Fälle ereigneten sich auf offener Straße. Im Vorjahr waren es 2799. Rund jede zehnte registrierte Straftat ist eine Sachbeschädigung, insgesamt sind es 1253 und damit 173 weniger als im Vorjahr.

Bei den Betrugsdelikten treibt die Polizei vor allem ein Delikt um: Dabei geht es um betrügerische Anrufe bei Senioren, bei denen sich die Anrufer als Polizeibeamte oder andere Amtspersonen ausgeben, um so an Geld oder Wertsachen zu gelangen. „In einer Vielzahl der Fälle bemerkten die Angerufenen den Täuschungsversuch“ kann Sylvia Frech immerhin anmerken. Insgesamt registrierte die Polizei 2363 und damit 116 Fälle weniger als im Vorjahr. „Die Aufklärungsquote war mit 86,2 Prozent konstant hoch“, bemerkt Frech. Doch liegt das wohl auch daran, dass Schwarzfahren nur erfasst wird, wenn auch der Täter erwischt wird.

Besondere Sorge bereitet den Beamten die Gewalt gegen sie oder andere Einsatzkräfte. Nachdem die Strafanzeigen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in den Jahren 2014 bis 2016 stabil blieben, musste im Jahr 2017 – nach einer Gesetzesänderung – eine Verdopplung der Fallzahlen festgestellt werden. So wurden seit Sommer 2017 auch solche Delikte erfasst, bei denen ein Polizeibeamter bei einfachen Diensthandlungen wie Streifenfahrten oder einer Unfallaufnahme angegriffen wurde. Bis dahin galt ein Angriff auf Polizeibeamte nur als solcher, wenn er bei sogenannten Vollstreckungsmaßnahmen passierte, zum Beispiel bei einer Festnahme.

Ein separat geführter Teil der Statistik erfasst Delikte durch Einwanderer. „Die hohen Migrationszahlen hatten bereits in den vergangenen beiden Jahren Einfluss auf die Statistik“, schildert Frech. Darunter fallen 117 Körperverletzungen (im Vorjahr waren es 175), 95 Beförderungserschleichungen (115), 54 Ladendiebstähle (106) und 22 schwere Diebstähle (78). Bei den Körperverletzungen stellen Menschen aus Afghanistan mit 31 Taten und 34 Tatverdächtigen die Hauptgruppe der mutmaßlichen Täter.

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