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Wetterauer Klimakonferenz: Jammern reicht nicht

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Felipe Sanchez Rodriguez informiert sich am Stand der Klimaexpertinnen Julika Exner und Johanna Kiefer (rechts). © Petra Ihm-Fahle

Die erste Wetterauer Klimakonferenz zog am Montag zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. Die Veranstaltung war gut organisiert, die Diskussion kam allerdings zu kurz.

Jüngst vergangene Hitzetage im Wechsel mit Starkregen dürften vielen Bürgerinnen und Bürgern noch in Erinnerung sein. Klimaschutz ist ein wichtiges Thema, insofern war die erste Wetterauer Klimakonferenz gut besucht. Der Kreis stellte das Ereignis am Montagvormittag im Kreishaus in Friedberg auf die Beine, organisiert durch ein Team um Klimaschutzkoordinatorin Susanne Feiler.

Trotz des bedeckten Himmels ist es im Plenarsaal warm. Landrat Jan Weckler (CDU) begrüßt die Teilnehmenden aus Kommunen, von Verbänden, Vereinen und Institutionen, aus Politik und Bürgerschaft. »Der Klimawandel ist nicht weit weg, sondern konkret für jeden von uns spürbar«, stellt er fest. Moderatorin Anna Möller (Volkshochschule Wetterau) erläutert, dass die Konferenz besonders die Aspekte Klimabildung und Beteiligung beleuchten wird.

Sorge um Wasser im Vogelsberg

Insofern stellen Persönlichkeiten aus Land und Kreis ihre Konzepte in Impulsvorträgen vor. Beispielsweise, welche Beratungsmöglichkeiten Städte, Gemeinden und Firmen haben, wenn sie sich für den Klimaschutz einsetzen wollen, oder wie sich Bürger aktiv einbringen können. Gekonnt achtet die Moderatorin dabei auf die Einhaltung des Zeitplans.

Manche Zuhörende sind aber gekommen, da sie ein Thema umtreibt und sie es diskutieren wollen. Zwischen den Vorträgen ist wenig Raum dafür. Karl Walther aus Bad Nauheim beispielsweise meldet sich. »Mir macht die Grundwasserneubildung im Vogelsberg große Sorge«, sagt er. Vor geraumer Zeit machte er eine Eingabe an die Ovag und alle beteiligten Landräte. »Von den Landräten habe ich eine zustimmende Antwort erhalten, aber von der Ovag kam keine Antwort«, berichtet Walther.

Die Grundwasserneubildung gehe im Vogelsberg ständig zurück, die Maßnahmen hält er bisher für nicht ausreichend. »Es muss etwas Positives für die Grundwasserneubildung getan werden«, betont Walther. Der Mann erhält Beifall, Weckler bremst ihn. »Wir können dieses Thema an dieser Stelle nicht vertiefen, auch da kein Vertreter der Ovag da ist«, betont er. Der Landrat stellt jedoch in Aussicht, die Kritik weiterzugeben.

Zeit zum Gespräch ist in zwei Pausen, den sogenannten Marktplätzen. Felipe Sanchez Rodriguez ist als Praktikant des Regionalverbands FrankfurtRheinMain gekommen. Der Student (Geografie und Sport) aus Marburg nutzt gern die Möglichkeit, dabei zu sein. Beim Stand der »Klimaexpertinnen« des Wetteraukreises, Julika Exner und Johanna Kiefer, die in Grundschulen Bildungsarbeit leisten, informiert er sich. »Ich studiere auf Lehramt, deshalb bin ich als erstes darauf aufmerksam geworden«, sagt er.

Vision: Schüler als Klimabotschafter

Die Veranstaltung in Friedberg findet der 24-Jährige ansprechend. »Es ist schön, herauszufinden, wo sich die Menschen engagieren, und am Ende zu sehen, dass alle ein gleiches Interesse verfolgen«, sagt er.

Myriam Gellner aus Bad Vilbel schaut sich ebenfalls die Stände an, Katja Noll von der Volkshochschule Wetterau zeigt ihr das erste Magazin der Bildungseinrichtung. Es steht unter dem Motto »Prävention« und greift auch Themen wie Nachhaltigkeit und Ökologie auf. In einem »guten, kompakten« Rahmen bietet die Klimaschutzkonferenz nach Ansicht der Lokalpolitikerin Gellner jede Menge Wissenswertes. Sie ist Mitglied der Kreistagsfraktion der Grünen. Sie sagt: »Es ist interessant, zu sehen, welche Projekte zusammenwachsen, wo Fahrt aufgenommen wird und wie stark das Tempo ist, mit dem vorgegangen wird.«

Gerd Joachim ist einer der Redner und Bildungsreferent beim Verein »Fair wandeln« in Bad Nauheim. Seinen Worten zufolge nimmt der Klimaschutz zu wenig Platz in der Bildung ein, beispielsweise im Schulunterricht. Eine seiner Visionen: Schülerinnen und Schüler zu Klimabotschaftern zu machen. »Wenn die Kinder motiviert sind, tragen sie es in die Breite und nach Hause und die Eltern tragen es in die Kommune«, betont Joachim und propagiert eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Schulverwaltung, Schulträger und Schulen.

Aber auch an anderen Alltagsorten ergeben Bildungs- und Aufklärungsangebote laut Joachim Sinn: »Wenn die nächste Hitzewelle kommt, stöhnen wir wieder, aber nur Stöhnen reicht nicht.«

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