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Wetterauer Originale: Willkommen auf der Zebu-Farm in Unter-Schmitten

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Marco Ußner inmitten seiner Zwerg-Zebus. Er ist mit den Tieren auf Du und Du. © Martin Ritter

Exotisch sind sie allemal, die Tiere. Auf dem Niddaer Herbstmarkt sind Marco und Nancy Ußner aus Unter-Schmitten als Wetterauer Originale ´gewürdigt worden. Die Familie hat eine Zebu-Herde.

In den 1970er Jahren kamen Zebus nur zögerlich und ganz vereinzelt nach Deutschland. Zu sehen waren sie damals vor allem in Zoos. Heute gibt es bundesweit mehr als 20 Betriebe, die sich überwiegend im Nebenerwerb diesen Tieren widmen, so wie die Familie Ußner.

Seit 2012 hält sie auf ihren ungedüngten Weiden eine Zwerg-Zebu-Herde, die aktuell 55 Tiere umfasst. Seit dem 22. 2. 22 sind Marco und Nancy Ußner mit ihrer Zucht ein zertifizierter Biobetrieb . Die Herde besteht aus zwölf Mutterkühen mit wechselnden Zuchtbullen. Mutterkühe, Färsen und Bullen halten sich grundsätzlich auf getrennten Weiden auf. Die Tiere dürfen bis zum Alter von etwa 30 bis 36 Monaten heranwachsen. Ein Bulle wiegt dann durchschnittlich zirka 500 Kilo, eine Kuh 400. Etwa 60 Prozent davon sind Fleischausbeute.

Durch das langsame Wachstum der extensiv gehaltenen Tiere ist das Fleisch von hoher Qualität. Es hat eine rötliche Farbe, ist feinfasrig und weist einen dezenten Wildgeschmack auf. Die Tiere werden lokal geschlachtet und ausschließlich direkt vermarktet. Bei der Verarbeitung gilt das Prinzip »from nose to tail« - von der Nase bis zum Schwanz wird so gut wie alles verwertet. Das heißt, es verbleiben nur minimale Schlachtabfälle. Momentan wird mit dem Gerben der Häute experimentiert, um demnächst Leder herzustellen.

Wie die Ußners aufs Zebu kamen

Wenn man ihn nach seinen Zebus befragt, gerät Marco Ußner ins Schwärmen. Er arbeitet im Hauptberuf als Rettungssanitäter und seine Frau Nancy ist gelernte Bäckereifachverkäuferin. Diesen Beruf übt sie aber nicht aus, weil sie sich gerne ihren drei kleinen Kindern und dem Betrieb widmet. Marco Ußner besitzt einen Gesellenbrief als Landwirt, ist also fachlich gut aufgestellt.

Bevor die Entscheidung für den Nebenerwerb reifte, gab es zirka 24 Hektar Land, die mehr oder weniger brachlagen. Die Ußners überlegten sich, wie sie das Land besser nutzen können und entschieden sich für die Rinderzucht. Nun stellte sich natürlich die Frage nach der Rasse. Sie kamen auf die Zebus, weil die Tiere ganzjährig im Freien stehen können und insgesamt sehr pflegeleicht sind. Es sind scheue, aber zutrauliche Tiere und genügsame Fresser, die auch mit jenen Resten zufrieden sind, die etwa Schafe übrig lassen. So können sie bis zu sieben Wochen auf einer Fläche satt werden. In Süddeutschland werden Zebus teilweise zur Nachpflege von Weinbergen eingesetzt. Die Rinder bewegen sich auf der Weide leichtfüßig und hinterlassen keine Spuren, was wiederum dem Nachwachsen der Futtergrundlage zuträglich ist.

Ußners bringen ihren Tieren viel Empathie und Respekt entgegen, jedes Tier hat einen Namen und eine Geschichte. Da gibt es Dora, deren Mutter notgeschlachtet werden musste, die in der Folge zunächst im Keller im Familie aufwuchs und versorgt wurde, bis sie zu den anderen Tieren auf die Weide konnte. Da gibt es aber auch Olaf, der von den anderen separiert worden ist, um möglichst stressfrei auf den Metzger zu warten. »Es ist hier schließlich kein Streichelzoo«, sagt Marco Ußner.

So läuft die Vermarktung

Neben der Weide der Zwerg-Zebus steht auch ein Hühnermobil, das biologisch erzeugte Freilandeier bereithält. Marco und Nancy Ußner haben sich für die Vermarktung ihrer Produkte dem Verband Markschwärmer angeschlossen, Kunden können die Ware im Internet unter diesem Stichwort auswählen und bestellen und anschließend persönlich bei einem Anlaufpunkt in Frankfurt in der Cassellastraße und bei den Ußners an der Haustür abholen oder sie sich liefern lassen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Nachhaltigkeit, kurze Transportwege sind das Credo. »In unserer Region ist das Zebu-Fleisch bisher weniger bekannt und deshalb auch weniger gefragt. In Frankfurt dagegen ist der Kundenkreis vielfältiger und offener für Neues«, erzählt Marco Ußner von seinen Erfahrungen.

Auf die abschließende Bitte, Zebu doch bitte einmal zu buchstabieren, bringt Marco Ußner seine Begeisterung für die Tiere auf einen knappen, aber präzisen Nenner: »Z steht für zutraulich, E für exotisch, B für Buckel und U für unkompliziert.«

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Die Züchterfamilie auf ihrem Land: Seit 2012 halten Marco und Nancy Ußner auf ihren ungedüngten Weiden eine Zwerg-Zebu-Herde. Aktuell umfasst diese 55 Tiere. © Martin Ritter

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