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Mit diesem Gerät wird unterirdisch ein Kanal gelegt, in den dann das Trinkwasserrohr eingezogen wird.

Neue Leitungen als Sicherheit

Millionen für die Wasserversorgung in Karben

Wie kann die Versorgung der Karbener Bevölkerung mit Trinkwasser im Notfall gesichert werden? Oder etwa, wenn es weniger regnet und der Grundwasserspiegel im Vogelsberg sinkt? Der Zweckverband für die Wasserversorgung des unteren Niddatals hatte da eine Idee. Die setzt er jetzt aufwendig und mit viel Geld um.

Karben - Raoul Schön wirkt konzentriert, fast ein wenig angespannt. Er sitzt in der Führerkabine seines Baggers und bewegt die Hebel vorsichtig hin und her. Ganz langsam kratzt er mit der Schaufel seines Baggers ein wenig Erde zusammen. Sein Einsatzort ist der verlängerte Ulmenweg in Klein-Karben.

Die Vorsicht ist angebracht, denn Raoul Schön baggert in unmittelbarer Nähe der Hauptleitung zum Hochbehälter Pelzkappe. „Diese Leitung dürfen wir nicht beschädigen“, weiß er. Und deshalb müssen die Arbeiten sehr langsam und konzentriert ausgeführt werden. In rund 1,50 Meter Tiefe liegt die Hauptleitung, noch tiefer muss ausgeschachtet werden. Denn am Ende der Arbeiten soll dort eine neue Trinkwasserleitung verlegt werden. Aber nur ein Teil davon, denn diese Arbeiten sollten eigentlich später erfolgen. Weil aber die Stadt Karben den Feldweg zum Mager-Hof neu asphaltieren will, werden die Leitungsarbeiten in offener Bauweise schon jetzt erledigt. Das neue Trinkwasserrohr wird hineingelegt, mit Stopfen versehen, die Grube wieder zugeschüttet.

Ein paar Hundert Meter Luftlinie weiter wird gleichfalls gearbeitet. Auf den Feldern zwischen Rendel und Klein-Karben sieht man aktuell rot-weiße Absperrungen. Hinter denen liegen mit Wasser gefüllte Gruben. Davon gibt es einige auf den Feldern. Das sind die Bohrschächte, mit denen im sogenannten Spülrohrverfahren zwei Spezialmaschinen neue Trinkwasserleitungen verlegt haben. Im Gegensatz zum Ulmenweg wird aber dort kein tiefer Schacht ausgehoben.

Momenten wird nicht nur im verlängerten Ulmenweg, sondern auch entlang des Rad- und Spazierweges zwischen den beiden Karbener Stadtteilen gearbeitet. Am Werk sind sowohl Mitarbeiter der Firma Muthig Leitungsbau als auch des Zweckverbandes für die Wasserversorgung des unteren Niddatals. Der Zweckverband ist auch Auftraggeber für die umfangreichen Arbeiten, die zu Beginn der vergangenen Woche begonnen haben.

Karben: Versorgung sicherstellen

„Wir verlegen die neue Leitung aus Gründen der Versorgungssicherheit“, erklärt Verbandsgeschäftsführer Michael Weber. Die Entscheidung dazu sei schon vor Jahren gefallen. Erste Überlegungen reichten bis ins Jahr 2011.

Das, was hier aus dem Feld bei Klein-Karben aus der Erde ragt, ist ein Teil der neuen Trinkwasserleitung. Der größte Teil ist mittels eines speziellen Verfahrens unterirdisch in Richtung Rendel verlegt worden. Rund 200 Meter später kommt diese Leitung wieder nach oben, wird später dann mit den anderen Leitungen und dem Hochbehälter verbunden.

Vier Jahre später, nach diversen Gesprächen und einem aufwendigen Genehmigungsverfahren, hätten die ersten Vorarbeiten dazu begonnen. Meistens hat es die Bevölkerung kaum wahrgenommen, wenn hier oder dort mal ein Schacht ausgehoben wurde. Selbst an der Rendeler Straße, also der Hauptverbindung zwischen Klein-Karben und Rendel, sind sowohl Vorarbeiten durchgeführt worden als auch jetzt die Hauptarbeiten im Gange.

Grob gesprochen geht es um eine neue Verbindungsleitung des Wasserverbandes zu den beiden Hochbehältern Pelzkappe in Klein-Karben und Schäferköppel in Kloppenheim. Über die beiden Hochbehälter wird die Trinkwasserversorgung für rund 15 000 Haushalte sichergestellt.

Die Gesamtlänge der Leitungen, die aktuell verlegt werden, beziffert der Geschäftsführer auf 3,5 bis 3,7 Kilometer. Ein Großteil davon scheint bereits geschafft worden zu sein. Aus den jeweiligen Schächten ragen die blauen Leitungen heraus, die mittels eines speziellen Verfahrens unter der Erde hindurch verlegt worden sind.

Bei dieser Methode müssen keine langen offenen Gruben ausgebaggert werden, sondern nur kleinere Schächte, damit die beiden Spezialfahrzeuge die Leitungen hindurchlegen können. Bei diesem auch als Horizontalspülbohrverfahren bezeichneten Art der Verlegung bohrt man einen unterirdischen Kanal und zieht im Rückzug das Trinkwasserrohr hindurch. Das funktioniert auf einer Länge von mehreren Hundert Metern.

Karben: Kein Dauerbetrieb

Die bis Anfang November verlegten Rohre würden zwar aus hygienischen Grünen gespült, erläutert Weber. „Aber es wird keinen Dauerbetrieb geben.“ Falls einmal die Fernwasserleitung der Ovag die Pelzkappe nicht mit Trinkwasserversorgen könne, „können wir ihn aus Rosbach versorgen, über diese neue Leitung“.

Die Arbeiten zur Versogungssicherheit lässt sich der Wasserverband einiges kosten: Alleine die Baumaßnahme im Renaturierungsgebiet nahe der Nidda beziffert er auf rund 400.000 Euro. Die Baukosten insgesamt belaufen sich laut Ausschreibung auf etwa 1,8 Millionen Euro.

Anstrengend waren die Arbeiten an Abwasserkanälen und Trinkwasserleitungen in den vergangenen Monaten bereits für Autofahrer. Voran geht es in Karben auch bei der Renovierung des Alten Rathauses.

Von Holger Pegelow

Info: Verband wacht über die Wasserqualität

Die Städte Bad Vilbel und Karben, die Hessenwasser GmbH & Co. KG in Groß-Gerau und die Kreiswerke Main-Kinzig GmbH in Gelnhausen bilden den Zweckverband für die Wasserversorgung des unteren Niddatals. Hauptaufgaben des Zweckverbandes sind unter anderem: Überwachung der Wassergewinnung und der Wasseraufbereitung, die Wasserspeicherung und die Sicherstellung einer gleichbleibenden Wasserqualität. Im betriebseigenen Labor werden täglich Messungen zur Trinkwasserqualität vorgenommen, also etwa der Chlorgehalt, die ph-Werte sowie die Wasserhärte.

Der Zweckverband betreibt fünf Brunnen und vier Quellen mit Wasseraufbereitung; er beschäftigt sechs Mitarbeiter.

Das Trinkwasser wird nach Verbandsangaben über rund 47 Kilometer Rohrleitungen zu den Hochbehältern gepumpt und dort für die Wasserversorgung bereitgestellt. Der Wasserverband versorgt nicht nur Karben, sondern auch Frankfurt-Nieder-Erlenbach, Hanau, Schöneck-Büdesheim mit den außenliegenden Höfen und Bad Vilbel-Massenheim.

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