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Wie geht es weiter bei Asco in Gedern? - »Die Auslastung ist da«

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Mario Wolf, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Mittelhessen, und der Betriebsratsvorsitzende David Bussler informieren die Mitarbeiter des Asco-Werks in Gedern über die Entwicklungen nach dem Eigentümerwechsel. © Oliver Potengowski

Seit April gehört das Asco-Werk in Gedern zur Montana-Gruppe. Um dort möglichst schnell Gewinne zu erwirtschaften, hat der neue Schweizer Eigentümer von der Betriebsleitung ein Konzept gefordert.

Das Werk in Gedern ist einer von vier Asco-Standorten des Herstellers von Flugzeugteilen, neben dem Stammsitz in Belgien gibt es Werke in Kanada und den USA. Seit April gehört es zur Montana-Gruppe.

Während einer »Aktiven Mittagspause« des Betriebsrats und der IG Metall berichtete David Bussler, Vorsitzender des Betriebsrats, dass das Werk seit rund zehn Jahren nicht profitabel arbeite. Deshalb sei die Belegschaft in der Vergangenheit zu Zugeständnissen bereit gewesen.

Auch im Zusammenhang mit dem Eigentümerwechsel hätten die Arbeitnehmer bereits erste Kröten geschluckt. So hätten sie in einer Vereinbarung mit der Betriebsleitung zugestimmt, die Mitarbeiterzahl um 26 Prozent zu reduzieren. Denn die Folgen der Corona-Pandemie hätten besonders die Luftfahrtindustrie schwer getroffen.

Knapp über

100 Mitarbeiter

Inzwischen seien nur noch knapp über 100 Mitarbeiter in Gedern beschäftigt. »Wir haben alle Abbauziele erreicht, die die Arbeitgeber vorgegeben haben«, betonte Susanne Schaperdot, Rechtsanwältin des Betriebsrats.

Die Belegschaft befürchtet jedoch, dass das der Anfang vom Ende sein könnte. Kai Arndt, der von Montana Aerospace als CEO bei Asco eingesetzt worden sei, habe den Standort Gedern infrage gestellt, berichtete Bussler. Er habe ein Konzept der Betriebsleitung gefordert, »wie in Zukunft schwarze Zahlen geschrieben werden«.

Dabei fehle es dem Gederner Werk nicht an Aufträgen. »Die Auslastung ist da, wir müssten eigentlich ab September ein Vier-Schicht-System fahren, um die Aufträge abzuarbeiten«, stellte Bussler fest. Das bestätigte auch Werksleiter Holger Kissel. Die Lage in der Luftfahrtindustrie habe sich in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. »Airbus plant einen massiven Hochlauf bei der A320-Familie auf 75 Flugzeuge pro Monat«, erläuterte er. Derzeit seien es noch rund 50 Maschinen.

»Wir haben dieses Jahr wieder Mitarbeiter eingestellt.« Deshalb sieht er gute Chancen, sich mit Montana auf ein Konzept für einen profitableren Betrieb zu einigen.

Auch Bussler räumte ein, dass es in zentralen Punkten Einigkeit gebe. »Wir haben einen alten Maschinenpark«, nannte er ein Hindernis für mehr Rentabilität. Montana habe signalisiert, dass bei einem schlüssigen Konzept auch die Bereitschaft zu Investitionen vorhanden sei.

»Asco Gedern ist für uns nicht irgendein Betrieb«, betonte Mario Wolf, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Mittelhessen. Das Werk sei einer der wichtigsten Betriebe in der Region und neben Mahle der Betrieb mit dem höchsten gewerkschaftlichen Organisationsgrad. Die Gewerkschaft sei bereit, sich an Gesprächen über ein Konzept zu beteiligen, wenn die Belegschaft das wünsche. Auch einem späteren Ergebnis müssten die Mitarbeiter zustimmen.

Die Bereitschaft zu einer Vereinbarung knüpfte Wolf allerdings an Bedingungen. Zunächst forderte er Investitionen in den Maschinenpark und die Ausbildung. Die Umsetzung des Konzepts dürfe nicht nur durch Verzicht der Arbeitnehmer bezahlt werden. Auch müsse garantiert sein, dass diesen, wenn das Konzept scheitere, eventueller Lohnverzicht nachgezahlt werde. Zunächst müsse Asco aber wieder zu einer Vollmitgliedschaft im Arbeitgeberverband zurückkehren, damit die Verhandlungsergebnisse der vergangenen Jahre abgesichert seien. Dann könne man im Zusammenhang mit dem Konzept auch über einen langfristigen Ergänzungstarifvertrag reden.

Solidarität

mit Belegschaft

»Wir haben alles dafür getan, dass wir Montana ein zukunftssicheres Werk übergeben können«, sagte Schaperdot. »Ich bin überzeugt, dass wir am Ende einen Erfolg erzielen können, wenn alle, auch das Management und die neuen Eigentümer, sich annähern.«

Mitarbeiter von Dexion in Laubach, BFG in Hirzenhain und Mahle in Wölfersheim zeigten ihre Solidarität mit der Asco-Belegschaft. Dem schloss sich auch Erster Stadtrat Herbert Weber (FWG) an. Asco in Gedern stehe für qualifizierte Arbeitsplätze. Weber: »An jedem Mitarbeiter hängt eine Familie dran.« Daher gehe es um mehr als die Arbeitsplätze. Im Namen der Stadt bot er Unterstützung an. »Ich glaube, dass ihr ein Konzept abliefern könnt, mit dem auch der neue Eigentümer leben kann«, zeigte sich der Erste Stadtrat überzeugt. VON OLIVER POTENGOWSKI

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