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Wie im Himmel

Erstellt: Aktualisiert:

Von: red Redaktion

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Kennen Sie den Film »Wie im Himmel«, der vor einigen Jahren im Kino lief? Er erzählt die Geschichte eines berühmten Dirigenten. Als Junge wurde der musikalisch hochbegabte Sohn einer alleinerziehenden Mutter oft verspottet und geschlagen. Als die Mutter ihn in ein Musikinternat bringt, muss er mitansehen, wie sie beim Verabschieden auf der Straße von einem Auto erfasst wird und stirbt.

Als Erwachsener arbeitet er international als gefeierter Dirigent exzessiv, so lange, bis er körperlich zusammenbricht. Danach entschließt er sich - unter seinem Künstlernamen - in sein Heimatdorf zurückzukehren. Er bezieht das alte Schulhaus, in dem ein Klavier steht. Er möchte für sich und die Musik Zeit haben, Körper und Seele Raum geben, zu gesunden.

Es dauert nicht lange und er wird bedrängt, die Leitung des Kirchenchores zu übernehmen. Unkonventionell unterstützt er die Menschen des heterogen zusammengesetzten Chores dabei, die Musik, die in jedem Einzelnen steckt, zu entdecken, aufeinander zu hören und miteinander zu singen. Mit der Zeit entwickelt sich die Chorgemeinschaft so gut, dass sie sich für einen Chorwettbewerb anmelden… Und: Sie unterstützen sich auch stärker als zuvor in ihren alltäglichen Sorgen und Nöten. Das alles ruft Neider auf den Plan, führt zu Verwicklungen und Konflikten …

»Wie im Himmel«?! - da sind extreme Schicksalsschläge und ihre Nachwirkungen im Film festgehalten. Der Protagonist lernt viel Neues - wie das Fahrradfahren - , er überwindet viele Ängste, traut sich mehr, auf seine innere Stimme zu hören, sich für die Begegnung mit seinen Mitmenschen zu öffnen und für die Liebe zu einer Frau. Am Ende ist es sein Herz, das versagt… Er stirbt.

Wieso erzähle ich Ihnen von diesem Film ? Ich finde ihn sehenswert und immer wieder berührt mich besonders »Gabriellas Song«. Gabriella, die von ihrem Ehemann unterdrückt und geschlagen wird, singt in einem Lied über ihre Sehnsucht nach dem Himmel »Ich will spüren, dass ich lebe. … Und den Himmel, den ich suchte, finde ich irgendwo.«

Als ich das Evangelium vom zweiten Fastensonntag (Lukas 9,28 bis -36), die Verklärung Jesu, meditiert habe, fiel mir der Film sofort ein. Die drei Jünger, die Zeugen davon wurden, wie sich das Antlitz Jesu veränderte und durch ihn der Himmel durchstrahlte, hätten gerne festgehalten, was sie da erfahren durften… Wir alle haben in uns die Sehnsucht nach einem erfüllten, sinnvollen, »himmlischen« Leben.

Uns allen wurden sicherlich im Leben schon Erfahrungen geschenkt, die wir im Rückblick mit der Überschrift »Wie im Himmel« beschreiben: das erste Verliebtsein, Gefühle tiefer Geborgenheit und Liebe, die Geburt eines Kindes, etwas geschafft zu haben, auf das wir lange hingearbeitet haben, Staunen über die wunderbare Natur … Augenblicke, die uns etwas über das Augenscheinliche hinaussehen lassen, in eine göttliche Dimension…

Wenn ich mir die aktuellen Nachrichten besonders mit den Bildern aus der Ukraine anschaue, den Zerstörungen, den Meldungen über Verletzte und Tote, den verzweifelten Menschen in zerbombten Städten und auf der Flucht, sehe ich mehr den Abgrund, der durch Machtstreben aufgetan wurde, wo das skrupellose Böse die Oberhand gewinnt.

Gerade dann brauche ich den Blick in die Bibel: Dieselben Jünger, die die »Verklärung Jesu« miterlebt haben, haben auch sein Sterben mitansehen müssen. Aber, sie haben durch die Auferstehung Jesu neue Kraft und Hoffnung erfahren dürfen. - Und wir als Christen sind beauftragt, diese unsere Hoffnung auf ein unzerstörbares, göttliches Leben zu bezeugen - auch und besonders im Hier und Jetzt.

Mir macht - bei allen grauenvollen Nachrichten - Hoffnung, dass Menschen aufstehen und ihre Solidarität mit denen in der Ukraine bekunden und sich von pauschalen Verurteilungen distanzieren. Dass Menschen ehrenamtliche Unterstützung leisten, sie Hilfsgüter und Geld spenden, Raum geben für Geflüchtete, Mitarbeitende von Hilfsorganisationen unermüdlichen Einsatz leisten und Glaubende um Frieden beten.

Das alles sind für mich Beispiele, wie Menschen durch ihre Worte und Taten das göttliche Angesicht in der heutigen Welt sicht- und erfahrbar machen und so zeigen, dass wir daran mitarbeiten, zumindest ein wenig »Himmel« auf der Erde zu leben.

Bleiben Sie behütet!

Edith Wanka ist Gemeindereferentin der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Bonifatius Büdingen.

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