1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Wie Orpheus Geiß-Nidda mit Projektarbeit in die Zukunft starten will

Erstellt:

Kommentare

cwo_MUeorpheus_210422_4c
Die letzten Auftritte vor der Pandemie: Orpheus Geiß-Nidda gemeinsam mit Xanx Wenings beim Frühlingsfest 2019 unter der Leitung von Hermann Wilhelmi. © Ingeborg Schneider

Mit den Corona-Lockerungen startet der Gesangverein Geiß-Nidda wieder in die Chorarbeit. Nach zwei Jahren Lockdown will man sich mit neuem Vereinskonzept auch fitmachen für die Zukunft.

Wir feiern Mittsommer - miteinander, nebeneinander, füreinander«, heißt es auf dem neuen Flyer des Gesangvereins Orpheus Geiß-Nidda. Unter dem Thema »Skandinavisch« startete man am 14. April ein Chorprojekt, das in einem Mittsommer-Konzert am 26. Juni gipfeln soll. Chorleiter Hermann Wilhelmi und Geschäftsführerin Jessika Keuchler - letztere ist gemeinsam mit Claudia Strauch und Lars Weigand Teil des Vorstandstrios - zeigten sich nach der ersten Probe sehr zuversichtlich, auf einem guten neuen Weg zu sein. Inzwischen setzen viele Traditionsvereine der Region, die wie Orpheus im 19. Jahrhundert gegründet wurden, auf solche frischen, zeitlich begrenzten Vorhaben und Impulse, die zunächst keine langfristige Vereinsbindung beinhalten. Diese Zeitung sprach mit Jessika Keuchler über den Aufbruch nach zwei Jahren fast ununterbrochenem »Gesangs-Lockdown«.

Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen des regional renommierten Gesangvereins Orpheus Geiß-Nidda?

Die Pandemie hatte tatsächlich keine große Auswirkungen auf die Mitgliederzahlen. Während der Lockdowns haben wir seitens des Vorstands unsere Sängerinnen und Sänger immer wieder mit netter Post und einer kleinen Überraschung erfreut. Die Zahlen sind bis jetzt stabil, tendenziell ist aber das Gros unserer Aktiven 65 Jahre und älter.

Die Aktiven zu halten ist das eine - neue Interessierte zu finden das andere. Ein Problem, mit dem viele Traditionschöre der Wetterau kämpfen.

Schon vor der Pandemie standen die Themen »Bestand halten« und »Neue Aktive gewinnen« ganz groß auf der Tagesordnung. Das klassische Gesangvereins-Konzept - Jubilaren Ständchen zu singen, sich für verschiedene Einladungen zu Liedernachmittagen und -abenden zu verpflichten und jeden Donnerstag zur Probe zu erscheinen - das ist es, was viele Jüngere heutzutage hindert, einem solchen Verein beizutreten. Die meisten haben Familie mit Kindern, beide Eltern sind berufstätig und unterliegen diversen anderen Verpflichtungen. Längst nicht jeder ist mehr bereit oder auch nur in der Lage, ein Ehrenamt zu übernehmen oder regelmäßig einem Hobby nachzugehen. Tatsächlich finden sich Sänger noch viel schwieriger als Sängerinnen.

Mit welchen Ansätzen haben Teamvorstand und Chorgemeinschaft versucht, das Steuer herumzureißen?

Für uns war schon nach dem ersten vorsichtigen Start im Herbst 2021 klar, dass wir 2022 mit einem ganz neuen Konzept starten müssen. Es beinhaltet, dass wir das Jahr ab sofort in Themenblöcke aufteilen. Diese werden nicht nahtlos ineinander überfließen. Für jedes neue Projekt, zu dem man sich anmeldet, zahlt man als Mitglied 15 Euro, als Nichtmitglied 20 Euro. Nach jedem Themenblock folgt ein Auftritt, ein Konzert oder Ähnliches. Die Proben finden donnerstags, um 20 Uhr, im großen Saal der Turnhalle Geiß-Nidda statt - und wer jetzt noch im Mittsommer-Projekt im Themenblock »Skandinavisch« einsteigen möchte, ist herzlich willkommen.

Welche Themenblöcke werden diesem folgen?

Der nächste Themenblock wird für unser sonst alljährliches Weinfest im November gedacht sein. Das Thema steht noch nicht fest. Wir werden darüber via Flyer informieren. Dazu nutzen wir auch den Ortsschaukasten, unsere Homepage sowie - wie soeben - die Berichterstattung in der lokalen Presse. Tatsächlich ist es uns, auch durch Werbung über die Grenzen von Geiß-Nidda hinaus, immer wieder gelungen, kleinere Zahlen neuer Mitglieder anzuwerben. Außerdem gehen wir gerne vorübergehende Chorkooperationen ein und suchen uns einen anderen Chor, um gemeinsam zu singen und ein Konzert auf die Beine zu stellen.

Haben Sie erste Rückmeldungen aus den Reihen der jüngeren und älteren Mitglieder?

Unser neues Konzept besprachen wir bei der Jahreshauptversammlung im März mit unseren Mitgliedern. Es wurde sehr gut angenommen und allen ist bewusst, dass wir neue Wege einschlagen müssen. Bei unserem jetzigen ersten Projekt machen tatsächlich alle unsere älteren aktiven Sängerinnen und Sänger mit, und auch die Neuwerbung lässt sich gut an. Jenseits der Projekte und Themenblöcke wird es aber immer einen Hauptstammchor geben, der nach wie vor ortsinterne Termine wie den Volkstrauertag oder den Ewigkeitssonntag mit Gesang musikalisch begleitet.

cwo_MUejessikakeuchler_21_4c
cwo_MUejessikakeuchler_21_4c © Ingeborg Schneider

Auch interessant

Kommentare