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Wie sich Strom sparen lässt

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Von: Sabrina Dämon

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Der Standby-Verbrauch mancher Geräte ist nicht zu unterschätzen, sagt Dr. Werner Neumann. Deswegen empfiehlt er Steckerleisten, die ausgeschaltet werden können. SYMBOLFOTO: IMAGO © Imago Sportfotodienst GmbH

Die Strompreise steigen. Deswegen, sagt Dr. Werner Neumann, ist jetzt die Zeit, um seinen Verbrauch systematisch um zehn Prozent zu senken. Der Physiker aus Altenstadt spricht im Interview über Einsparmöglichkeiten und die Entwicklung von Strompreisen.

Es war wohl noch zu früh, vermutet Dr. Werner Neumann. Damals, in den 90er Jahren, hatte er »SparWatt« in Altenstadt gegründet - eine Initiative, bei der es darum ging, in Haushalte zu gehen und zu schauen: »Wo sind die Stromfresser, wie setzt sich der Verbrauch zusammen?« Und um dann die Geräte zu ersetzen. Doch die Idee hat sich damals nicht getragen, sagt Neumann. Ist aber heute wieder aktuell: Beispielsweise gibt es kommunale Energieberater oder den Stromspar-Check. Was man selbst tun kann, um Strom zu sparen, gerade da seit Herbst und nun auch aufgrund des Krieges gegen die Ukraine die Strompreise noch stärker steigen, erzählt Neumann im Interview.

Was sind die größten Stromfresser im Privathaushalt?

Bei den Haushaltsgeräten sind es Kühlgeräte und Waschmaschinen. Auch der Bereich Fernseher, Hifi, Video hat einen hohen Verbrauch. Oder Beleuchtung. Ich kenne Haushalte, in denen das ganze Haus voller Halogenlampen ist. Die geben mit jeweils 60 bis 80 Watt viel Wärme ab. Aber zum Teil passen in dieselben Fassungen auch LED-Lampen, die nur fünf oder zehn Watt haben.

Wo lässt es sich noch sparen?

Bei Haushaltsgeräten, Kühl- und Gefrierschränke, Spül- und Waschmaschine, ist es sinnvoll, herauszukriegen, ob das alte Gerät ein Stromfresser ist, um es gegebenenfalls auszutauschen. Bei Geräten, die älter sind als 15 Jahre, macht es meistens Sinn. Dadurch könnte man durchaus 200 bis 300 kWh weniger verbrauchen. Bei der Beleuchtung kann man zehn Prozent sparen, wenn man komplett auf LED umrüstet. Hinzukommt der Standby-Verbrauch vieler Geräte, den man durch Abschalten minimieren kann.

Welche Geräte betrifft das hauptsächlich?

Computer und Drucker sollte man komplett herunterfahren, sie über Steckerleiste laufen lassen und diese am Hauptschalter abschalten. Sonst hat man schnell mal hier einen Verbrauch von fünf Watt, da mal zehn Watt, den man nicht sieht. Viele wissen gar nicht, wie viel Strom sie verbrauchen. Der Spruch ist nicht neu, macht aber noch immer Sinn: Besuche deinen Stromzähler. Am besten regelmäßig, zu einem festen Zeitpunkt. Samstagnachmittags zum Beispiel. Dann sehe ich: In einer Woche war mein Verbrauch 80 kWh, in der nächsten 60. Man hat sofort eine Rückkopplung, wenn der Verbrauch heruntergeht. Oder wenn er mal hochgeht, wenn zum Beispiel eine Party gefeiert oder viel gekocht wird.

Es gibt Messgeräte, die zeigen, wie viel Watt ein Gerät verbraucht. Damit kann man auf Spurensuche im Haushalt gehen und schauen: Wohin verschwindet der Strom, den man nicht so sieht.

Der aber auf der nächsten Stromrechnung auftaucht…

Wir haben uns auch ein bisschen daran gewöhnt: Die Stromrechnung hat bisher oft nur einen kleinen Teil des Budgets ausgemacht, aber jetzt wird es teurer. Da macht es Sinn, sich rechtzeitig um Einsparungen zu kümmern, auch selbst der Detektiv im eigenen Haus zu sein. Strompreise steigen seit Herbst an der Börse deutlich an. Allein der Mittelwert, der sog. Spotpreis, war die letzten Jahre immer bei ungefähr 4 Cent pro kWh. Manchmal geht er hoch auf 20, 40 Cent, dann wieder auf 0 Cent. Im Mittel ist er von 4 auf 20 Cent pro kWh gestiegen.

Woran liegt das?

Ein wesentlicher Punkt der Strompreissteigerung, die im September/Oktober eingesetzt hat, ist, dass der Preis für die CO2-Zertifikate deutlich angestiegen ist. Der Preis lag früher bei 25 Euro pro Tonne CO2 und jetzt bei ungefähr 100 Euro. Man erinnert sich, im Bundestagswahlkampf hat man sich noch gestritten, ob man 58 oder 60 Euro pro Tonne fordern soll. Jetzt hat der berühmte Markt entschieden: Die CO2-Zertifikate werden weniger, deswegen verengt der Markt und der Preis steigt entsprechend der Nachfrage derer, die Kohle- oder Gaskraftwerke betreiben. Der CO2-Preis wirkt sich aus, und damit das, was man auf Klimakonferenzen propagiert hat. Dadurch ist besonders Kohlestrom und Erdgasstrom deutlich teurer geworden. Das sieht man auch auf entsprechenden Internetseiten: In den vergangenen Wochen, in denen sehr viel Windenergiestrom in Deutschland produziert worden ist, an die 70 Prozent unseres Stroms, ist der Strompreis an der Börse fast auf null heruntergegangen. Umgekehrt, wenn Windflaute ist, müssen Kohlekraftwerke stark liefern, der Strompreis geht hoch auf 20, 30 Cent.

Wie wird sich das entwickeln?

Das ist die gute Nachricht für die Zukunft: Wenn der Ausbau von Windenergie und Sonnenstrom weitergeht, gehen die Strompreise mit dem Kohleausstieg auch wieder herunter. Allerdings reden wir da über eine Zeitspanne bis 2030 oder 2035. Da müssen wir jetzt durch, und im Moment hilft nur, Strom zu sparen.

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Dr. Werner Neumann sagt: Mit dem Kohleausstieg werden die Strompreise auch wieder sinken. Nur dauert das noch eine Weile - bis 2030 oder 2035. »Im Moment hilft nur, Strom zu sparen.« © Sabrina Dämon

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