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Wieder kein Afrika-Fest in Lißberg

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Andrea Schiel, Petra Erdtmann, Monika Arnold und Marion Schmitt (v. l.) können das Afrika-Fest erst wieder 2023 veranstalten. © Klaus Nissen

Dem Coronavirus fiel das Afrika-Fest am Lißberger Bergfried 2020 und 2021 zum Opfer. In drei Wochen sollte das kleine, feine Festival wieder stattfinden. Doch das Organisteam muss es schon wieder verschieben. Aus sehr profanen Gründen.

Obwohl die Corona-Regeln es zulassen würden, fällt das Afrika-Fest auf Burg Lißberg am Pfingstwochenende schon zum dritten Mal hintereinander aus. Marion Schmitt vom Freundeskreis der Festival-Macher: »Wir haben leider in Absprache mit der Stadt Ortenberg feststellen müssen, dass die sanitären Anlagen und die Küche aufgrund der Renovierungsbedürftigkeit aktuell nicht nutzbar sind.«

Schon 32-mal fand das Festival in der malerischen Kulisse statt. Es zieht - je nach Wetter und konkurrierenden Veranstaltungen - einige Hundert bis Tausend Musikfans aus ganz Deutschland und den Nachbarländern an. Der Überschuss aus dem Kartenverkauf fließt laut Freundeskreis in Entwicklungsprojekte wie etwa dem Brunnenbau in Senegal oder eine Frauenklinik für Burkina Faso.

Duschen sind verschimmelt

Etliche Festivalbesucher quartieren sich an den Pfingstwochenenden gerne in Campmobilen und Zelten auf dem unteren Burghof ein. Aber das ist dieses Jahr nicht zumutbar. Die Duschen auf dem Burggelände sind verschimmelt, sagt Petra Erdtmann vom Afrikafest-Freundeskreis auf Nachfrage dieser Zeitung. Außerdem verkündete die Stadtverwaltung, dass die offene Lagerküche neben der Burghalle nicht nutzbar sei. Woran es da genau hapert, habe man nicht mitgeteilt. Die Festival-Organisatorinnen leben nicht vor Ort, sondern in Heidelberg, Bad Kreuznach und Bonn.

Schon vor der Corona-Zeit gab es Probleme mit den Sanitäranlagen, sagt Ortenbergs Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring. Die Duschen seien verschimmelt, weil Wasser in die Mauern eindringt. Und die Lagerküche mit den offenen Sandsteinwänden könne nicht mehr so sauber gehalten werden, wie es nach den Erfahrungen mit dem Coronavirus zwingend notwendig sei. Wenn dann noch Risse in der Burgmauer zu beheben sind, »landen wir ruckzuck bei einer Million an Kosten«.

Bei der städtischen Etatdebatte im Februar setzten die Stadtverordneten einen Sperrvermerk beim Kostenansatz für die Lißberger Sanierung. »Wir haben die Hoffnung, dass wir hier von anderer Stelle noch Fördermittel generieren«, sagte damals der Haupt- und Finanzausschuss-Vorsitzende Dirk Vogel (CDU). Die Bürgermeisterin hofft, dass bald Zuschüsse hereinkommen. Die Burg Lißberg sei ja ein zentraler Ort für die Landesgartenschau im Jahr 2027.

Das Afrika-Fest hätte nicht zwingend abgesagt werden müssen, meint die Bürgermeisterin. Die Stadtverwaltung hätte den Einsatz von Duschcontainern und einer mobilen Küche in der Burg toleriert. Schließlich sei man froh, dass die Weltmusik-Freunde jedes Jahr das Kulturleben in Ortenberg bereichern.

Die aktuellen Probleme gefährden nach Pfeiffer-Pantrings Einschätzung auch nicht das Programm für das Festwochenende zum 800-jährigen Bestehen Lißbergs vom 15. bis 17. Juli. Der Historiker Christian Vogel soll über die Geschichte Lißbergs erzählen. Konzerte geben die »Rock Diamonds« und das Bonifatius-Ensemble voraussichtlich auf dem Sportplatz neben der Burg. Für den 17. Juli ist ein Frühschoppen mit der »Oberhessischen Sieben« geplant.

In der Burghalle soll es einen Festkommers und eine Ausstellung über Ereignisse und Menschen in der langen Geschichte Lißbergs geben. Für die menschlichen Bedürfnisse der Besucher sind die Toiletten und die kleine Catering-Küche nutzbar, sagt die Bürgermeisterin.

Auch wenn es am Pfingstwochenende kein Afrika-Fest gibt, kommen die Organisatorinnen am ersten Juniwochenende in die Burg. Sie wollen sich mit Stadt-Vertretern und den örtlichen Unterstützern ihres Festivals treffen. »Wir haben uns wegen der Corona-Epidemie schon so lange nicht gesehen«, bedauert die in Bad Kreuznach lebende Petra Erdtmann. »Außerdem wollen wir nachschauen, in welchem Zustand unsere Festival-Utensilien sind, die wir im Burgkeller gelagert haben.«

Andere Festivals für Weltmusik-Fans

Weltmusik-Fans müssen also auf andere Festivals ausweichen. Schon von heute an bis 15. Mai steigt laut Festivalticker.de das »Interkulturelle Afrika-Festival 1000 Drums« in Leipzig. Vom 26. bis 29. Mai gibt es auf den Main-Wiesen bei Würzburg das 33. Africa-Festival mit dem Stargast Angelique Kidjó. Und für den 14. bis 17. Juli wird in Wassertrüdingen südöstlich von Nürnberg das »Afrika Karibik Fest« angekündigt.

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