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»Wir müssen jetzt handeln!«

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Die Verantwortlichen in Bad Nauheim machen sich verschärft Gedanken um die Energiegewinnung. Zu den Vorschlägen gehört ein Prüfantrag der großen Koalition zum Bau einer Freiflächen-Fotovoltaikanlage in der alten Kiesgrube. © Petra Ihm-Fahle

Die Energiekrise ist aktuell das Thema Nummer 1. Im städtischen Bauausschuss spiegelte sich das jüngst wider, als es um einen FDP-Antrag ging. Inhalt war die Forderung nach einem Transformationsplan für ein energieautarkes Bad Nauheim, was das Gremium zurückstellte. Verbunden ist die Vertagung mit der Absicht, den Antragstext gemeinsam zu überarbeiten.

Bad Nauheim soll in den kommenden Jahren dahin kommen, nur noch eigene Energie herzustellen, zumindest nach Ansicht der FDP. Im städtischen Bauausschuss in der Trinkkuranlage stellte Freidemokrat Sven Klausnitzer am Donnerstagabend das Ziel vor, Bad Nauheim finanziell energieautark zu machen: bis 2030 zu 80 Prozent und bis 2035 zu 100 Prozent. »Der Plan sollte im ersten Quartal 2023 in den städtischen Gremien vorgestellt werden«, sagte er.

Momentan verstrickt sich nach Ansicht Klausnitzers »alles in Einzelmaßnahmen«. Die Stadt habe nicht das komplette System im Auge. Es wäre laut dem Liberalen ein hoher wirtschaftlicher Faktor für die Stadt, ihre Energie auf eigene Faust herzustellen. Er sprach von 100 Millionen Euro, die in Bad Nauheim jährlich für Energie ausgegeben würden - was sich auch schnell erhöhen könne.

Strom gewinnen mit Schwalheimer Rad?

Wie Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) erklärte, passe der Antrag in die Zeit. »Deshalb ist er nicht ganz falsch, aber ich kann auch keine Lobesrede darauf halten«, bekannte er. Das Anliegen gelte global und für jede Kommune. Nach Ansicht von Kreß kann die Stadt nicht unabhängig von anderen die Energieversorgung sicherstellen. Der Rathauschef zählte verschiedene Projekte im Energiesektor auf, bei denen die Stadt bereits tätig sei: Die kalte Nahwärme, das beschlossene 100-Dächer-Programm zur Förderung der Solarenergie, zudem die neue Initiative des Landes, die Bad Nauheimer Sole nutzbar zu machen. Überdies habe Heiko Heinzel (Fachbereichsleiter Stadtentwicklung) die Untersuchung einer energetischen Quartierssanierung für das Grießbreiviertel in Auftrag gegeben. Kreß erwähnte die sogenannte kommunale Wärmeplanung, zu deren Vorlage Kommunen bis 2024 gesetzlich verpflichtet würden.

Anträge zur Energiegewinnung stehen auch auf der Tagesordnung der kommenden Stadtparlamentssitzung am Donnerstag um 19.30 Uhr in der Trinkkuranlage. In diesen Fällen sind es Anträge der großen Koalition. Der Magistrat soll demnach prüfen, inwieweit die alte Kiesgrube zwischen Nieder-Mörlen und Steinfurth zum Bau einer Freiflächen-Fotovoltaikanlage geeignet ist. Ein anderer Antrag von CDU, Grünen und SPD bezieht sich auf eine mögliche Gewinnung von Strom durch das Schwalheimer Rad.

Windrad noch in der Schwebe

Stadtwerke-Geschäftsführer Thorsten Reichel war im Bauausschuss anwesend und bezog Stellung zum FDP-Antrag, den er als zeitgemäß bezeichnete. Andererseits sei ein verbindlicher Plan schwierig, sofern keine Grundlagen vorlägen und die Bedarfe nicht bekannt seien. Er illustrierte diesen Punkt anhand eines Beispiels: Des Problems, nicht zu wissen, wohin die Stadtwerke mehrere Windräder stellen könnten, wie von der FDP angeregt, und dass in Butzbach das Windrad noch nicht genehmigt sei. »Zumindest die Wärmeplanung müsste man kennen«, sagte er. Ab 20 000 Einwohnern sollen Kommunen zu dieser Planung verpflichtet werden, 2023 gehe es los.

Wie Steffen Mörler (CDU) einwandte, werde es nicht einfach, innerhalb der Gemarkung bis 2030 energieautark zu sein. Das überfordere alle Beteiligten.

Markus Theis (FW) betonte, wie wichtig Taten seien. »Wir brauchen keine Pläne, sondern Windräder und Solaranlagen.« Den Blick vom Johannisberg auf Windräder hätte er lieber heute als morgen, wie er erklärte. Bedauerlicherweise werde es nicht gelingen, so schnell voranzukommen wie erforderlich. Theis beschrieb eine dramatische Energiesituation und folgerte: »Wir brauchen Energie bis zum Umfallen.« Er appellierte, im Landtag Druck auszuüben, damit sich das Thema erneuerbare Energien beschleunige. Komme der Druck von der Basis nicht, werde nichts passieren. »Wir müssen jetzt handeln!«, unterstrich er.

Dr. Mathias Müller (Grüne) unterstützte Klausnitzer. »Tun ohne Plan hat keinen Erfolg«, stellte er fest. Der Antrag sei allerdings zu wenig zielgenau. »Das Vorhaben, die Stadt energieautark zu machen, könnte auch heißen, ein kleines Atomkraftwerk an den Aliceplatz zu stellen - und das machen die Grünen nicht mit. Deshalb sollte man es präzisieren und sagen, dass es mit erneuerbaren Energien sein soll.« Müller schlug vor, das Papier vorerst zurückzustellen, sich gemeinsam kurzzuschließen und den Inhalt zu präzisieren. Dieser Anregung folgte das Gremium per einstimmigem Beschluss.

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