1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Wird Rückhaltebecken oberhalb des Hammers bei Büdingen im Jahr 2025 gebaut?

Erstellt:

Kommentare

leo_hochwasser_070122_4c
Das Hochwasser hat am 29. Januar 2021 viele Teile Büdingens getroffen, unter anderem die Eberhard-Bauner-Allee. Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr waren nicht nur an diesem Tag pausenlos im Einsatz. © Björn Leo

Der Wasserverband Nidder-Seemenbach nennt erstmals eine Jahreszahl: Läuft alles nach Plan, könnte 2025 mit dem Bau eines Rückhaltebeckens bei Büdingen begonnen werden.

Geht es in Büdingen um Hochwasserschutz, ist stets das seit Jahrzehnten diskutierte Rückhaltebecken im Seemenbachtal zwischen Rinderbügen und Büdingen im Fokus. Nie waren die Forderungen lauter, als im zurückliegenden Jahr. Es führte den Menschen in Büdingen sowie in den Gemeinden flussabwärts vor Augen, wie verheerend die Auswirkungen eines Hochwassers der Seeme sein können. Nach der Altstadtüberflutung und Überschwemmungen in vielen Teilen der Kernstadt lief das Düdelsheimer Becken voll. Die Annahme, der Damm würde brechen, entpuppte sich zwar als Mär. - die Lage war dennoch angespannt, wie selten zuvor.

Chronologie der Ereignisse

Was war passiert an diesem 29. Januar 2021: Eine verhängnisvolle Mischung aus Schneeschmelze und Regenschauern hat viele Gewässer über die Ufer treten lassen. Schon vor dem Erreichen der ersten Meldestufe an einigen Pegelmessständen setzte der Wasserverband Nidder-Seemenbach für den Pegel in Büdingen gegen 7.30 Uhr eine Warnmeldung an die Stadt ab. Zeitgleich konnte am Pegel Wolferborn ein sprunghafter Anstieg des Wasserstandes im Seemenbach ausgemacht werden. Bis morgens um 7 Uhr erhöhte sich dort der Wasserstand nur um wenige Zentimeter pro Stunde, zwischen 7 und 8 Uhr nahm er um beachtliche 30 Zentimeter pro Stunde zu. Der Wasserverband betont: »Wegen der Schneeschmelze war nicht abzuschätzen, wie weit der Wasserstand am Pegel Wolferborn noch steigen würde. Auch für Büdingen konnte keine Prognose getroffen werden, da talabwärts, hinter Wolferborn gelegene Einzugsgebiete von diesem Pegel nicht erfasst werden. Auch laufen im Stadtgebiet von Büdingen noch der Salzbach und der Kälberbach mit ihren Einzugsgebieten zu.«

Gegen 11 Uhr war in Wolferborn der Scheitel der Hochwasserwelle bei einem Wasserstand von 2,12 Metern im Seemenbach auszumachen. In Büdingen wurde der Scheitel nur eine gute Stunde später am dortigen Pegel mit 3,65 Metern gemessen. Schon Stunden zuvor waren Feuerwehren, Bauhof und viele Helfer im Hochwassereinsatz. Denn die Stadt Büdingen hatte bereits mit Hochwasser aus dem Kälberbach und dem Seemenbach zu kämpfen.

Der Kälberbach trägt laut Berechnungen zu einer größeren Hochwasserbetroffenheit in Büdingen bei als der Seemenbach, erklärt der Wasserverband. An beiden Gewässern sind seit Jahren Hochwasserrückhaltebecken in der Diskussion, um das Stadtgebiet und umliegende Siedlungsbereiche besser zu schützen. »Jedoch sind auch die Rückhaltebecken keine absoluten Sicherheitsgaranten, wenn es sich um ein Extremhochwasser wie im Januar 2021 handelt. Ein solches Hochwasser wird mit einer seltenen Eintrittswahrscheinlichkeit prognostiziert«, erklärt der Wasserverband weiter. Die durch Landesmittel bezuschussten Rückhaltebecken als technische Hochwasserschutzeinrichtungen werden für die Ausmaße eines Hochwassers mit mittlerer Eintrittswahrscheinlichkeit errichtet. Dabei handelt es sich um solche Hochwasserereignisse, mit denen statistisch einmal in 100 Jahren zu rechnen ist.

Bestrebungen seit 15 Jahren

Seit 15 Jahren bereits will die Administration des zuständigen Wasserverbandes das Becken am Seemenbach oberhalb des Hammers verwirklichen. »Immer wieder wurden die Planungen aber zurückgeworfen. So zum Beispiel nach einem Behördentermin 2014 vor der Einleitung des Planfeststellungsverfahrens zum Bau des Beckens mit der Forderung nach zwei kleineren Becken anstelle der favorisierten Einbeckenlösung oder gar einer noch weiteren Aufteilung«, so der Verband. Zudem hätten die beteiligten Behörden und Gremien das Vorhaben in seiner ursprünglichen Variante nie so weit getragen, dass der Vorschlag hätte zeitnahe in die Tat umgesetzt werden können. Diese Argumente gehen aus einer Pressemitteilung des Verbandes vom Donnerstag hervor. Man habe daher das Projekt immer wieder aufs Neue aufrollen müssen, wird betont. Darauf aufbauend sei Ende 2019 beabsichtigt gewesen, innerhalb der Verbandsgremien zeitnah einen Entscheidungsbeschluss zur Realisierung entweder einer Ein- oder einer Zweibeckenlösung herbeizuführen. Jedoch seien stattdessen der Administration des Wasserverbandes weitere Prüfaufträge aufgegeben worden, die eine umfassende ergänzende Studie ausgelöst und deren Ergebnisse erst im Februar 2021 vorgelegen hätten. »Nach intensiver Diskussion und den Ereignissen von Januar vor Augen haben daraufhin im März die Verbandsgremien den richtungsweisenden Beschluss gefasst, nur noch die Einbeckenlösung am Hammer weiterzuverfolgen. Somit hatte die Administration des Verbandes den notwendigen Rückhalt, mit dem sie unverzüglich die naturschutzrechtlichen und wasserwirtschaftlichen Belange fürs Planfeststellungsverfahren mit den zuständigen Behörden abstimmen konnte.«

Vier-Stufen-Plan läuft 2022 an

Parallel dazu ist das europaweite Vergabeverfahren für die Beschaffung von Planungsleistungen zum Bau des Hochwasserrückhaltebeckens »Am Hammer« vorbereitet worden. Die Planungsleistungen werden in einem mehrstufigen Verfahren vor dem Hintergrund genehmigungsrechtlicher Zwischenentscheidungen erbracht. In der ersten Stufe erfolgen noch in diesem Jahr Baugrunduntersuchungen und umweltfachliche Erhebungen. Sollten sich dabei keine Untersuchungsergebnisse ergeben, die gegen eine Realisierung eines Rückhaltebeckens oberhalb des Hammers sprechen, werden in der zweiten Stufe im nächsten Jahr die Genehmigungsunterlagen für das Planfeststellungsverfahren erarbeitet. Die dritte Stufe schließt an die Genehmigungs- und Bewilligungsphase im Jahr 2024 an und umfasst die Planungsleistungen für die bauliche Umsetzung, die ab 2025 vorgesehen ist, sollten keine gravierenden Einsprüche oder gar Klagen gegen das Projekt vorliegen.

Das geplante Hochwasserrückhaltebecken soll ein Stauraumvolumen von einer Million Kubikmetern umfassen und eine Dammkronenlänge von 290 Metern bei einer Höhe von 15 Metern über dem Talgrund haben. Gesteuert wird der Abfluss aus dem Becken über ein Durchlassbauwerk mit einer maximalen Regelabgabe von 16 Kubikmetern pro Sekunde. Die derzeitige Kostenschätzung geht von einem Gesamtinvestitionsvolumen in Höhe von 23 Millionen Euro aus.

Bürgermeister Erich Spamer (FWG) nimmt die Ausführungen des Wasserverbandes Nidder-Seemenbach erfreut zur Kenntnis. »Jahrelang habe ich reklamiert, dass Büdingen ein Rückhaltebecken oberhalb des Hammers braucht. Bedauerlicherweise hat sich viel zu lange in dieser Sache überhaupt nichts getan«, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Auch interessant

Kommentare