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Wo (fast) alles repariert wird

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Von: Sabrina Dämon

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Wenn ein technisches Gerät nicht mehr funktioniert, wird es oft weggeschmissen und ersetzt. Oder man bringt es zum Reparatur-Café nach Butzbach.

Butzbach – Der Wasserkocher kocht nicht mehr? Der Bildschirm zeigt kein Bild? Eine Variante: auf den Elektroschrott damit. Dabei sind es oft Kleinigkeiten, die repariert werden müssen. Nur braucht es dafür ein wenig technisches Geschick. Das haben die sechs Männer im Reparatur-Café in Butzbach. Einmal im Monat treffen sie sich zum Schrauben.

Meistens sind es Kaffeemaschinen. Oder Wasserkocher. Manchmal ein Drucker, hin und wieder ein Bildschirm. Im Grunde nehmen die Männer vom Reparatur- Café aber jedes defekte Gerät unter die Lupe, das vorbeigebracht wird. Einzige Bedingung: Es muss tragbar sein. Seit 2019 gibt es das Angebot des Vereins Nachbarschaftshilfe Butzbach im Degerfeld. Einmal im Monat treffen sich dort technikversierte Ehrenamtliche zum Reparieren.

Die Idee kam im Gespräch, erzählt Kornelia Kraus-Ruppel. Sie, die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe, hat sich mit Dr. Klaus Wagner unterhalten. »Er ist so ein Basteltyp, sehr geschickt« - und seit einiger Zeit ist der Zahnarzt in Rente. »So kam das zustande«, sagt die Vorsitzende. »Und bald hatten wir sechs kompetente Reparateure gewonnen.«

Reparatur-Café in Butzbach.
Reparatur-Café in Butzbach. © Sabrina Dämon

Heute sind fünf von ihnen in die John-F.-Kennedy-Straße gekommen. Wie immer, wenn sie sich einmal im Monat zum Reparieren treffen, mangelt es nicht an Arbeit. Wagner nimmt den Tonarm eines Plattenspielers auseinander. Dessen Besitzer beklagt, dass die Platten immer an einer Stelle hängen. Am Platz nebenan untersuchen Kunibert Pauly und Georg Schröter einen Drucker, der Probleme macht.

Neben den Reparateuren stehen an den meisten Plätzen die Besitzer der Geräte dabei. Weil sie schauen wollen, was genau gemacht wird, wie es funktioniert, wo der Fehler ist.

Das ist sowieso eine der Ideen des Reparatur-Cafés, sagt Kraus-Ruppel: »Man kann hier etwas lernen und es beim nächsten Mal eventuell selbst machen.«

Dass Elektrogeräte scheinbar grundlos kaputtgehen, ist nicht selten. »Die Geräte heute haben einfach nicht mehr die Haltbarkeit wie früher.« Doch oft lässt sich das Problem mit ein wenig Geschick und Know-how beheben.

Am Eingang des Raums, in dem repariert wird, sitzt Irmtraud Dennerlein. Sie kümmert sich um die Formalitäten, nimmt die »Aufträge« entgegen. Pro Termin, schätzt sie, werden an die 20 Geräte gebracht. »Es waren aber auch schon 40.« Der kurioseste Auftrag in den vergangenen Jahren? »Eine uralte Pumpe aus dem 19. Jahrhundert«, erzählt sie.

Die Reparaturen sind kostenfrei, es steht aber eine Spendenbox am Ausgang - durch die auch einiges zusammenkomme, wie Kraus-Ruppel sagt.

Reparatur-Café in Butzbach.
Reparatur-Café in Butzbach. © Sabrina Dämon

Was die Reparateure angeht, sei es eine gute Mischung: »Die einen kennen sich besser mit der Mechanik aus, die anderen mit der Elektrik.« Bernd Fischer zum Beispiel. Er hat gerade noch an einem Bildschirm geschraubt, nun steht der nächste Auftrag bereit: Ein Jugendlicher ist mit seiner Playstation vorbeigekommen. Das Laufwerk funktioniert nicht mehr, Datenträger werden nicht erkannt, erzählt er. Also habe er selbst geschraubt, allerdings ohne Erfolg. Durch eine Internetsuche sei er auf das Reparatur-Café im Degerfeld gestoßen.

Während Bernd Fischer die Playstation aufschraubt und das Laufwerk unter die Lupe und auseinander nimmt, arbeitet Dr. Friedehelm Graubner am Platz nebenan an einer Platine.

An Arbeit mangelt es jedenfalls nie. Manchmal, erzählt Vereinsvorsitzende Kraus-Ruppel, nimmt einer der Reparateure auch mal ein Gerät mit nach Hause. In der Regel wird aber vor Ort gewerkelt. Wer die Wartezeit überbrücken möchte, kann sich an dem Kaffee-und-Kuchen-Tisch bedienen.

In manchen Fällen geht die Reparatur schnell, in anderen ist es etwas kniffliger, manchmal müssen Ersatzteile bestellt werden. Die Erfolgsquote beim Reparieren ist aber hoch, sagt Kraus-Ruppel. »Wir vermeiden auf diesem Weg Elektroschrott.«

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